Australien und das Buschfeuer von 2020: Symbol der planetaren Klimakrise

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Im Grunde habe ich mich schon seit 2015 gefragt, wieso der in besonderem Maße hitzeterrorisierte Kontinent Australien nicht längst als Folge der galoppierenden Klimakatastrophe unbewohnbar geworden ist. Dann habe ich in Zwiesprache mit mir selbst geschlussfolgert, dass der Hitzemaßstab in Australien so absurd hoch ist, dass es einige Zeit benötigen würde, bis die Hitze und vor allem die Dürre einen Katastrophenzustand erreichen würde und das trotz der Klimakrise!

Dieser Fall ist nun eingetreten!

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Szenen und Zahlen des Grauens: Buschfeuer in nie zuvor gesehenen Ausmaßen

Es überrascht jedoch nicht, wenn sich die bildbasierten Meldungen aus einer anderen Sichtweise zunächst relativieren: Buschfeuer sind nämlich in Australien nicht nur Teil der jährlichen Lebenswirklichkeit, sondern auch Teil des natürlichen Kreislaufs des dortigen Ökosystems. Und das gilt nicht nur als Gemeinplatzaussage von Feuer als natürlichem Düngeprozess, sondern ganz konkret: Bestimmte Arten des Eukalyptusbaums benötigen Waldbrände, damit sich durch die Hitze die Samenkapseln öffnen!

Allerdings übertrifft das Buschfeuer von 2020 jegliche Brände seit mindestens 1851 (Buschfeuer in Victoria) und stellt eine neue Dimension dar in Ausmaß, Zerstörung und Folgen. Bisher sind mehr als 55.000 Quadratkilometer verbrannt. Das entspricht ungefähr der Fläche von Kroatien. Bis dato bewegten sich die zusammengerechneten Flächenbrände pro Jahr auf 500 bis rund 1000 Quadratkilometer. "Rekordbuschfeuer" befanden sich in Bereichen von über 10.000 Quadratkilometer und nur das Buschfeuer von 1851 betrug geschätzte 50.000 Quadratkilometer und damit einen annähernden Umfang.

Zahlen der australischen Buschfeuerkatastrophe 2020

• Fläche (03.01.20): mind. 55.000 km2
• Getötete Menschen: 18
• Getötete Tiere: Etwa 500 Mio.
• Kohlendioxidemission: 530 Mio. t

Dass die Brände bisher "nur" 18 Menschenleben forderten, scheint die Katastrophe als kontrollierbar darzustellen, aber sie ist es nicht! Denn geschätzte 500 Mio. Tiere (!) sind in den Flammen umgekommen, was nicht weniger als ein Brandholocaust ist. Zur Einschätzung und Kritik der Zahlen (der Artikeltitel ist irreführend, die Zahl ist wohl noch untertrieben): Die Zahl von einer halben Milliarde toter Tiere ist fragwürdig (Zeit.de).
Bilder von Koalas, die Australier um Wasser anbetteln und grausame Zeugnisse von Känguruhs, die im Stacheldraht verfangen von den Flammen bei lebendigem Leibe verbrannt wurden, lassen einem ohnmächtig vor dem Bildschirm Tränen über die Wangen laufen solange man seine Empathie nicht im Keller vergraben hat ...

Ebenso schlimm sind die geschätzten Emissionen an Kohlendioxid, die durch die Brände in die globale Atmosphäre emittiert worden sind: Etwa die Gesamtmenge, die die australische Wirtschaft in nur einem Jahr produziert. Dies sind etwa 530 Mio. Tonnen (zum Vergleich: Deutschland liegt bei 830 Mio. Tonnen).
Zusammen mit den zunehmenden Emissionen aus dem Permafrost (sowohl Methan wie auch Kohlendioxid) darf man durchaus beunruhigt sein, wie die gemessenen Werte auf Mauna Loa sich entwickeln werden. Sprünge sind durchaus im Bereich des Möglichen.

Bei den Zahlen darf man zudem eines nicht vergessen: Australien befindet sich erst im Frühsommer auf der Südhalbkugel, die Brände begannen bereits im australischen Früjahr und es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Lage sich noch weiter verschärfen wird zu einer der ersten Mahnmalkatastrophen der apokalyptischen 2020er Jahre in der planetaren Klimakrise.

Wie viel Anteil hat die Klimakatastrophe am ausufernden Buschfeuer?

Die Klimakatastrophe führt bedingt durch steigende Treibhausgase, insbesondere aber durch die extremen Wetterlagen (aufgrund der Jetstreamanomalien) zu ebensolchen extremen Bedingungen. Die Matrix zeigt auf, dass 2019 eine selbst für australische Verhältnisse äußerst trockene und gleichzeitig heiße Wettersituation vorherrschend ist und entsprechend die Buschfeuerlage verschärft hat.

Während Buschfeuer wie erwähnt in Australien nichts Ungewöhnliches sind, haben bereits wenige verschärfende Umständen aus der Klimakatastrophe genügt, um eine vor allem in den Bildern unbeschreibliche Feuerapokalypse herbeizurufen. Dabei trug verschärfend zur Situation bei, dass die Buschfeuer in dichter besiedelten Gebieten auftraten und somit die Situationen und Bilder dramatischer sind als sie eigentlich hätten sein können.

Letztlich ist es für die 500 Mio. nun toten Tiere irrelevant, was hätte sein können. Die Katastrophe ist real und nicht hypothetisch und sie zeigt, dass in ohnehin gefährdeten Extremregionen die Klimakrise und das Ineinandergreifen von Faktoren und Folgen recht schnell zu dortigen Katastrophen führen können, die sich in die Erinnerungen der Menschen auf dem ganzen Planeten einbrennen im wahrsten Sinne des Wortes.
Der Blick über den Horizont auf Entwicklungen zeigt zudem auf, dass wie beinahe überall auf der Erde auch in Australien seit Jahren die Hitzewellen in Quantität und Qualität ansteigen und die Dürren zunehmen. Hier liegt das Hauptursachenfeld des Anteils der Klimakatastrophe an den Buschfeuern in Australien.

Allerdings gibt es ähnlich wie bei den brasilianischen Regenwaldbränden (die haben Sie doch nicht etwa schon vergessen?) verstärkende menschliche Ursachen:
• Die Regierung unterstützt Siedlungsausbreitungen in den gefährdeten Buschfeuergebieten,
• vor allem werden riesige Mengen Wald für Viehzucht in für europäische Verhältnisse unvorstellbaren Größenordnungen abgeholzt. Dies führt anders als man denken könnte nicht zu einer Reduzierung, sondern Steigerung der Waldbrandgefahr, da Waldrandgebiete leichter austrocknen und Wind aus der vegetationsbefreiten Ebene stärker die Flammen anfachen kann.

Wird Australien unbewohnbar?

Angesichts der bereits in normalen Klimazeiten heißen und trockenen Wetterlagen in Australien und der in der Klimakatastrophe unerträglich sich entwickelnden Hitzewellen und Dürren liegt die Frage nahe, ob Australien für Menschen (und vermutlich auch für die meisten Säugetiere) irgendwann unbewohnbar wird.

Auf lange Sicht geschieht dies ganz sicher - zumindest für einige Regionen. Aber nicht so schnell, wie es die sensationsgierige Presse gerne hätte. Dabei mutet es beinahe schicksalhaft an, dass ausgerechnet das Land mit einer der absurdesten und schlimmsten Klimapolitiken der Welt und mit einem Klimaskeptiker an der Spitze dieses Schicksal tragen muss. So steht mit Scott Morrison ein lobbyistischer Klimaskeptiker an der Regierungsspitze, der während sein Land in Flammen aufgeht, zunächst auf sofetischem Gebiet in Hawaii Urlaub macht und wieder zurück in den zerstörten Gebieten Australiens Interviews gibt, in denen er ankündigt, weiter die Kohleindustrie zu fördern. Es ist nur schwer vorstellbar, dass es bessere konkrete Szenarien für die maximale Verblödung der menschlichen Spezies gibt.

Bisher im Südosten Australiens 0.3 bis 0.6 Grad Erwärmung pro Jahrzehnt (1970-2019). Wenn diese Entwicklung weitergeht, ist eine Unbewohnbarkeit Australiens nur eine Frage der Zeit. © Australische Meteorologiebehörde Bureau of Meteorology BoM, Lizenz: CC BY 3.0 AU.
Bisher im Südosten Australiens 0.3 bis 0.6 Grad Erwärmung pro Jahrzehnt (1970-2019). Wenn diese Entwicklung weitergeht, ist eine Unbewohnbarkeit Australiens nur eine Frage der Zeit. © Australische Meteorologiebehörde Bureau of Meteorology BoM, Lizenz: CC BY 3.0 AU.

Warum könnte es trotz der eskalierenden Folgen der Klimakatastrophe noch länger dauern, bis Australien unbewohnbar wird? Irgendwann ist das Extremwerden der Wetterlagen nun einmal auch erschöpft: Mehr als eine Dauersüdlage mit Anströmung afrikanischer Luftmassen ist halt nicht möglich (für die Nordhemisphäre und Europa gesprochen. Für Australien gelten logischerweise dann entsprechend die Nordlagen). Allerdings steigert sich die globale Temperatur immer weiter und immer schneller durch die Treibhausgase. Der Effekt auf die Temperaturen am Boden ist natürlich nicht 1:1 und erfolgt in der globalen Mitteltemperatur schleichend. Am Boden aber führt dies natürlich auch zu einer weiteren Steigerung der Maximaltemperatur in Extremwetterlagen, vermutlich dann aber "nur" innerhalb von 5 bis 10 Jahren.
Entscheidender ist hier die Dauer der Extremwetter, die immer weiter ansteigen werden und dadurch die Katastrophen auslösen, sei es durch Erdrutsche und Dauerniederschlag oder Dürren und Waldbränden oder auch einer Verschärfung der Eisschmelze, die wiederum Extremwetter produziert durch die Veränderung von Morphologie und Luftströmungen.

Geht man von Projektionen aus, die den Nahen Osten als einer der weiteren Hitzeregionen des Planeten irgendwann zwischen 2050 und 2070 (man darf diese Jahreszahl getrost auf 2040 reduzieren) als unbewohnbar betrachten, dann gilt dies für Australien wohl ebenso. Rein rechnerisch kommt man derzeit (ohne exponentielle Effekte durch klimatische Kipppunkte, die aber erfolgen werden) auf max. 0.6 Grad weitere Erwärmung pro Jahrzehnt. Das wäre dann 2070 somit 5 Jahrzehnte * 0.6 Grad = 3 Grad Mitteltemperatur (!) mehr zu den ohnehin vorhandenen Alptraumtemperaturen. Was das an maximalen Bodentemperaturen bedeutet, ist nur schwer abzuschätzen, aber möglicherweise entspricht das 15 Grad mehr im Maximaltemperaturbereich und damit 55-60 Grad im Schatten sowie 63-68 Grad ohne Schatten.

Verhindern könnte man dies nur, wenn die Menschheit planetenweit auf eine negative Emissionsbilanz von Treibhausgasen käme. Davon sind wir angesichts nicht langsam sinkender, nicht einmal stagnierender, sondern mit ca. ingesamt 34 Mrd. Tonnen pro Jahr nach wie vor ansteigenden Emissionen Lichtjahre entfernt - auch wenn wir die Technik dazu längst zur Verfügung haben.

Die Bedeutung der Buschfeuer von 2020 für den Planeten und die Menschheit

Es ist keine akademische Frage ob oder wie die Klimakrise bewältigt werden kann. Es ist auch keine Frage, ob die Meldungen "übertrieben" sind und Buschfeuer in Australien "normal" seien. Australien brennt in bisher ungekanntem Ausmaß, Millionen empfindungsfähige Wesen sind qualvoll gestorben. Die Verantwortung trägt nur einer: Der Mensch. Und wo Verräter an der Menschheit namens Klimaskeptiker eiskalt wie Killer über die unfassbaren Leiden gehen als schändeten sie bereits jetzt noch unausgehobene Gräber, dort helfen aufopfernd Menschen die ohne Macht, aber voller Empathie sind und leider nur die Folgen lindern können:

Dies ist die Klimakatastrophe. Dies sind die Bilder die uns vor Augen führen, was bald in der gesamten Welt der Zustand sein wird. Dies ist die Gestalt, die der ewige Schnitter angenommen hat und den wir selbst herbeigerufen haben. Und wer 2014 und 2015 oder 2016 mir noch nicht zugehört hat, der versteht vielleicht jetzt besser, wo alles eintrifft, was ich damals gemeint habe und als noch offenbar jeder meinte, es würde schon alles wieder irgendwie gut werden und "Klimawandel habe es immer gegeben" (ja das ist richtig - und Massensterben, Todeszonen und alles andere auch - nur in Millionen Jahren bis es soweit war und nicht wie aktuell in 200 Jahren ...).

Auch wenn die Bilder verzerrt und emotional aufgeladen die Situation wiedergeben: Das ist das Gesicht der Klimakatastrophe, wie es in der Verzerrung am Ende deckungsgleich mit der Realität sein wird. Im Leid und Schmerz, in der erlebten Wirklichkeit, im Untergang von allem, was uns vertraut ist. Planetenweit. Die australischen Buschfeuer 2020 sind nur das erste archetypische Symbol der 2020er Jahre auf dem Weg in einen geologisch rasend schnellen Untergang. Dutzende weitere werden folgen, darunter auch Situationen in Europa und der Nordhemisphäre, wenn das "Treibhausgashalbjahr" 2020 im April erst beginnen wird - die Frühjahrshitze in Indien wird wieder rekordverdächtig werden, Extremwetter in Asien und Hitzewellen in Europa mit vielen totgeschwiegenen Hitzeopfern. Willkommen in den 2020ern, wo die Welt letztlich immer mehr und mehr einer Dystopie ähneln wird ...
Die Frage, welche sich schon lange stellt und nur flüsternd zu vernehmen war, wird nun lauter und brüllt uns allen ins Gesicht: Wann ändert sich die Menschheit und handelt endlich einmal weise? Kann sie es überhaupt?

Artikel zum Thema
• Spektrum.de: Ein Desaster aus Menschenhand.
• Zeit.de: Die Zahl von einer halben Milliarde toter Tiere ist fragwürdig.
• Wikipedia: Buschfeuer in Australien.

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