Blue Ocean Event (BOE) - Kommt endlich die Apokalypse?

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Angefangen hat alles mit den Treibhausgasen der Industriellen Revolution. Und endet unsere Geschichte mit dem Blue Ocean Event einer eisfreien Arktis und den daraus resultierenden Klimafolgen? © George Grie auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0.
Angefangen hat alles mit den Treibhausgasen der Industriellen Revolution. Und endet unsere Geschichte mit dem Blue Ocean Event einer eisfreien Arktis und den daraus resultierenden Klimafolgen? © George Grie auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Blue Ocean Event.
Ein "Blauer Ozean-Ereignis". Hört sich jetzt nicht wirklich gefährlich an, sondern eher wie ein feuchter Sofetentraum von palmenversifften Tropenstränden mit ... blauer Onanielagune. 😉

Tatsächlich handelt es sich um eine markige Drei-Wort-Beschilderung, die im Englischen so beliebt ist und eine möglicherweise äußerst gefährliche Situation beschreibt mitsamt der Folgen: Es handelt sich um die Situation in nicht allzuferner Zukunft, wenn im Spätsommer die Arktis "frei" von Meereseis sein wird.
Was soll denn daran gefährlich sein? Gut, dass Sie als reflektierter Kaltwetter.de-Leser danach fragen!
Ziehen wir den Vorhang enthusiatisch auf und entkleiden die noch herrschende Unkenntnis, damit die nackte Schönheit der Wahrheit zur Schau gestellt wird.

Die Definition eines Blue Ocean Event

Die Arktis soll "frei" von Meereis sein. Da die Arktis im Gegensatz zur Antarktis fast nur aus Ozean und nicht aus Kontinentflächen besteht, ist das kein geringes Unterfangen. Aber was heißt überhaupt "frei" von Meereis?

Wie sieht denn Meereis in der Arktis aus? Genau so.
Wie sieht denn Meereis in der Arktis aus? Genau so.

Die Wissenschaft hat typisch für ihre Arbeitsweise eine Schwelle von Meereisfläche definiert, unterhalb der die Arktis "frei" von Meereis ist, selbst wenn noch einige Reste herumschwimmen.
Üblicherweise wird das Meereis der Arktis via Satellit erfasst und dabei wird der Ozean in Messquadrate unterteilt. Bereiche unterhalb 15% Meereisanteil gelten von vornherein als "frei", alle anderen als mit Meereis bedeckt. Die Bilanz aller Quadrate ergibt dann die Fläche des Ozeans, die mit Meereis bedeckt ist.

Dabei ergibt sich ein Schwankungsverlauf, der von der Sonnenscheindauer und den Temperaturen abhängt, sprich vom arktischen Sommer. In selbigem schmilzt das Meereis, bis im September der Umschlagpunkt erreicht ist und das Meereis mit Einsetzen des arktischen Herbstes wieder zunimmt.

"Frei" von Meereis im Sinne eines Blue Ocean Event ist das Ereignis, wenn die Gesamtfläche des ozeanischen Meereises die Summe von 1 Mio. Quadratkilometern unterschreitet und zwar zunächst zum jährlichen Niedrigstand im September.

Betrachten wir den Chart des NSIDC, so erkennen wir an den Verläufen, dass wir nicht mehr allzuweit von dieser Schwelle eines Blue Ocean Event entfernt sind. Die BOE-Schwelle habe ich einmal in (Ozean-)Blau hinzugefügt:

Ausdehnung des arktischen Meereises in den Jahren 2012 (Rekordjahr), 2018 und 2019 mit Schwelle eines Blue Ocean Event (blau). © NSIDC.
Ausdehnung des arktischen Meereises in den Jahren 2012 (Rekordjahr), 2018 und 2019 mit Schwelle eines Blue Ocean Event (blau). © NSIDC.

Apokalypse? Die Folgen eines Blue Ocean Event

Eingangs sprachen wir von der Schönheit der nackten Wahrheit, die wir zu erkennen suchen. Was aber ist, wenn die Wahrheit so schwerwiegend ist, dass sie einer Ermordeten gleicht?
Denn die Stimmen mehren sich, dass das Blue Ocean Event gleichbedeutend mit einer klimatischen Apokalypse sei. Wir schlucken, dann beschließt der reflektierte Kaltwetter-Leser die philosophische Kardinalfrage zu stellen: Warum?

Diese Worst Case-Theorie einer Apokalypse durch ein Blue Ocean Event basiert auf der (nicht belegten) Annahme, dass dieses Ereignis so schwerwiegend in den Folgen sein wird, dass es zu einer Kaskade im Klimasystem kommt und am Ende das Weltklima kollabiert.
Warum sollte es dazu kommen? 3 Punkte sind bei der Beantwortung dieser Frage entscheidend.

1. Seltenheit des Blue Ocean Event

Zunächst einmal würde es sich mit dem Blue Ocean Event um ein Ereignis handeln, das letztmalig vor mind. 100.000 Jahren (Eem-Zwischenwarmzeit) oder wahrscheinlicher sogar erst vor 30 Millionen Jahren aufgetreten ist. So oder so handelt es sich um Ereignisse, die weit vor dem modernen Menschen unserer Tage liegen.

Alarmierend: Seriöse Darstellung der globalen Erwärmung und Klimakatastrophe. Grüne Linie: Oberste mögliche Grenze theoretisch denkbarer natürlicher Erwärmungen. © Universität Bern, gefunden auf bbc.com.
Alarmierend: Seriöse Darstellung der globalen Erwärmung und Klimakatastrophe. Grüne Linie: Oberste mögliche Grenze theoretisch denkbarer natürlicher Erwärmungen. © Universität Bern, gefunden auf bbc.com.

Das Problem eines Blue Ocean Events jenseits menschlicher Erfahrungshorizonte liegt vor allem in den Folgen und in der Schnelligkeit des zeitlichen Eintreffens begründet. Denn die Erwärmungsrate, die die Menschheit mit Treibhausgasen und einem inzwischen eigendynamischen Effekt verursacht, ist mind. 20 mal und bis zu 100 mal schneller als die schnellste geologisch erfolgte und somit natürliche Erwärmung dieses Planeten (die schnellste war 1 Grad in 1000 Jahren von der letzten Warmzeit zur Eiszeit), vgl. Globale Erwärmung (Wikipedia) samt diesbezüglicher Fußnoten oder alternativ unzählige wissenschaftliche Veröffentlichungen über Google Scholar.

Sollte das geologisch betrachtet schnellste Blue Ocean Event aller Zeiten zu einer Kaskade an Folgen führen, wären die daraus resultierenden Konsequenzen mit dem Fall globaler Kipppunkte ohnehin apokalyptisch. Ob dies geschieht, ist jedoch unsicher und zunächst einmal unwahrscheinlich.
Doch selbst geringere Folgen einer Verschärfung der klimatischen Entwicklung würde die Menschheit überfordern, da sie derzeit viel zu langsam reagiert bzw. sogar über mangelnde Bildung und irrationalem Verhalten die gefährlichen Entwicklungen zu ihrer eigenen Selbstvernichtung fördert. Denn statt die Arktis als Klimastabilisator mit einer Reduzierung der Treibhausgase zum eigenen Schutz zu bewahren, pumpen wir sogar immer mehr Treibhausgase in die Atmosphäre und stehen schon in den Startlöchern, um die Kohlenstoffschätze der Arktis zu plündern: Wettlauf um Bodenschätze. Russland stationiert Raketen in der Arktis (Spiegel Online).

2. Nicht Albedoabschwächung, sondern Albedoinvertierung

Die eisbedeckten Flächen der Arktis, von denen der größte Anteil aus Meereis besteht, haben einen Albedofaktor von bis zu 90%.
Was bedeutet das? Schnee* ist mit seiner zumeist weißen Oberfläche in der Funktion wie ein Spiegel für Sonnenstrahlen. Eine Albedo von 90% bedeutet, dass 90% der Sonnenenergie zurück in die Atmosphäre gestrahlt wird und das meiste (abzüglich der atmosphärischen Aufnahme) in den Weltraum gelangt, wo es keinen Hitzeschaden mehr anrichten kann.

Darstellung der Albedo verschiedener Oberflächen. © eskp.de auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 4.0.
Darstellung der Albedo verschiedener Oberflächen. © eskp.de auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 4.0.

Ein Blue Ocean Event heißt "Blue Ocean", weil die weißen Meereisflächen sich nicht mehr bilden und der Ozean so verbleibt, wie er ist: Blau. Blau aber ist im Vergleich zum Weiß von Schnee* und Eis in der Albedo nicht nur geringer, sondern nahezu invertiert: Die Albedo beträgt 0,05 bis max. 0,22% statt bis zu 90% bei Schnee* und Eis.
Wer sich je auf Satellitenbildern die Ozeanflächen angesehen hat, versteht, warum. Denn die Oberflächen sind nahezu schwarz.

Ein Blue Ocean Event hat deswegen in der Theorie das Potential zu einem Auslöser von Kaskaden in den Folgen. Denn die Sonnenenergie wird nicht nur nicht mehr zurückgestrahlt, sondern sie gelangt mit voller Wirkung in den Ozean, der sich weiter erwärmt und einen möglicherweise Rückkopplungsprozess der Schmelze auslöst, der sich eigendynamisch immer schneller steigert.

Dies würde nicht nur zur schnelleren Grönlandschmelze, dem Ansteigen des Meeresspiegels und eines Chaos im Wettersystem führen, sondern auch zu einer exponentiellen Erwärmung der Arktis, welche durch den physikalischen "arktischen Amplifikationseffekt" sich ohnehin bereits bis zu 4 mal stärker aufheizt als andere Breitengrade weiter südlich.

(Klick auf Bild startet Animation) Auch ein Zeichen einer klimatisch globalen Katastrophe: Der Jetstream verläuft nicht mehr oder weniger kreisrund, sondern zerfasert (hier vor Spanien), anschließend wölbt sich eine Rossbywelle hoch auf und hinterlässt Europa zwischen den beiden Jetstreamresten in einem gradientenschwachen Bereich, wo Hitze und Dürre herrschen. Mittlerweile zigfacher Zustand im Jahr und Ursache von Europa als weltweit höchster (relativer) Erwärmungskatastrophe. © <a target="_blank" href="http://www.meteociel.fr/modeles/gfse_cartes.php?jour=10&mois=4&annee=2018&heure=12&archive=1&mode=5&ech=6&runpara=0&carte=1" rel="noopener noreferrer">Meteociel.fr</a>.
(Klick auf Bild startet Animation) Auch ein Zeichen einer klimatisch globalen Katastrophe: Der Jetstream verläuft nicht mehr oder weniger kreisrund, sondern zerfasert (hier vor Spanien), anschließend wölbt sich eine Rossbywelle hoch auf und hinterlässt Europa zwischen den beiden Jetstreamresten in einem gradientenschwachen Bereich, wo Hitze und Dürre herrschen. Mittlerweile zigfacher Zustand im Jahr und Ursache von Europa als weltweit höchster (relativer) Erwärmungskatastrophe. © Meteociel.fr.

Nach einer extremen Theorie würde das dazu führen, dass zunächst der Jetstream sich verlagert, weil das Kältezentrum nicht mehr der Nordpol ist mit dem Meereis, sondern Grönland als verbleibende Eismasse. Möglicherweise ist die Zerfaserung des Jetstreams über Grönland und Europa, die seit einigen Jahren immer häufiger zu beobachten ist (und wodurch Europa in einer gradientenschwachen Lücke liegt und im Treibhausgashalbjahr immer mehr Hochdrucklagen, Hitze und Dürren erlebt, die weltweit Rekord sind), ein Anzeichen einer solchen Jetstreamverlagerung durch den arktischen Meereisverlust und die Vorstufe eines Blue Ocean Events.

Als Folge der sich daraus entwickelnden Instabilitäten (fortgesetzte Schwächung des Jetstreams, resonante Rossbywellen und immer extremere Wetterlagen) könnte sich in späteren Jahrzehnten der Jetstream und Polarwirbel nicht mehr bilden, da die Gradienten (Temperaturunterschiede) zwischen Arktis und mittleren Breiten wegfallen. Die Folge wäre der Verlust der Jahreszeiten. Ohne Jetstream und Polarwirbel gäbe es wie im Sommer eine gradientenschwache, homogene Verteilung der Temperaturen. 20-25 Grad im Winter wären das apokalyptische Szenario vom rein subjektiven Empfinden, für die Natur um so mehr, da die Erholungsphasen (Frost erneuert Sauerstoff in Gewässern und Bäume sterben ohne Kälte aufgrund fehlender Ruhephasen) ausbleiben.
Der Monsun würde die Rolle des Jetstreams bzw. Polarwirbels als Generator der Wettermaschinerie übernehmen.

Klimatologe Paul Beckwidth hat dazu ein Video gepostet und (englischsprachig) dieses Szenario erläutert. Ich bin noch etwas skeptisch, was diesen Mann angeht und die Argumentation, möchte aber das Video nicht vorenthalten. Es kann sich jeder selbst seine Meinung zu den Informationen bilden (die möglichen Folgen eines Blue Ocean Events mit Ausfall des Jetstreams in ferner Zukunft werden ab 12:00 erklärt):

3. Eis als klimatischer Stabilitätsfaktor

Bei all dem Nachdenken über ein Blue Ocean Event kommt unweigerlich irgendwann die Frage "Was soll denn schon so ein bisschen Eis bewirken?".
In der Tat wirkt das Blue Ocean Event wie der feuchte Traum von Apokalypsewahnsinnigen, die den Weltuntergang herbeiflehen und dabei pseudowissenschaftliche Verzerrungen vornehmen. Daher: Skeptisches Hinterfragen hat noch nie geschadet in der Geschichte der Erkenntnistheorie.

Eis ist, global betrachtet, jedoch ein eminent wichtiger klimatologischer Stabilitätsfaktor. Die Kryosphäre als Gesamtheit von planetarem Eis und Schnee* wirkt nicht nur als Wetterkonstante, indem über Eisflächen wie Grönland und Sibirien sich winterliche Hochdruckgebiete entwickeln (sibirisches Hoch). Auf abstrakterem Maßstab sind Eis und Schnee* Hitzereflektierer, wie wir beim Thema Albedo oben gesehen haben. Kurz: Die Kryosphäre hat eine grundlegende thermodynamische Bedeutung. Siehe hierzu auch: Warum ist Eis so wichtig (Scinexx).

Weiterhin hängt mit der Kryosphäre auch der Golfstrom und generell die globale thermohaline Zirkulation zusammen. Nach einer extremen Theorie könnten mit zunehmender Gleichförmigkeit des Klimas* durch einen fehlenden Gradienten zwischen Arktis und mittleren Breiten auch die planetaren Meeresströmungen zusammenbrechen und alles Leben in den Ozeanen sterben. Auch dieses sog. "Ozeanisches Anoxisches Ereignis" hat in der Vergangenheit mehrmals stattgefunden (und hängt nicht ausschließlich von einer Supererwärmung der Ozeane ab).

Insgesamt beeinflusst die Kryosphäre also viele wichtige Klimapfeiler auf globaler Ebene. Eine etwas tiefere Zusammenfassung bietet der Deutsche Wetterdienst mit einer Zusammenfassung: Meereismodelle (PDF). Wer es lieber kurz und knapp möchte: Die Kryosphäre im Klimasystem (Hamburger Bildungsserver).

Die extremeren Theorien, die unwahrscheinlich aber nicht ganz von der Hand zu weisen sind, gehen von einem Kataklysmus, einem Zusammenbruch des weltweiten Klimas* aus, wenn der Initiator eines Blue Ocean Events erreicht ist. Mit dem Verlust der Kryosphäre der Nordhalbkugel würde quasi der Stöpsel für alle Arten von Extremklima gezogen, der bisher nur etwas undicht war.
Ob das völlig unwahrscheinlich ist oder eine mehr als ernstzunehmende Gefahr in unserer nicht einmal mehr langfristigen Zukunft, das können - so fürchte ich - derzeit nicht einmal die besten Wissenschaftler der Welt eindeutig beantworten. Darin liegt die Gefahr: Dass die extremen Folgen eines Blue Ocean Event einen unbekannten Prozentsatz von möglicher Zukunftsrealität beinhalten.

Darstellung eines Worst Case

Warum die radikalen Folgen eines Blue Ocean Events dennoch unwahrscheinlich sind, werden wir noch abschließend im nächsten Kapitel klären. Geben wir uns einmal der Katastrophenfilm-Vorstellung eines Worst Case hin und betrachten, wie das eigentlich aussehen würde.

Phase 1 (Heute):

Anfangen würde die Geschichte der Apokalypse genau heute bei dem was wir bereits täglich sehen in den frei zur Verfügung stehenden Daten und Darstellungen: Es kommt zu einer Verlangsamung des Jetstreams, dadurch zu immer mehr Rossbywellen. Die 5 oder 6 gleichzeitig auftretenden Rossbywellen verwandeln das runde "Gummiband" des Jetstreams in eine Art Kleeblattmuster mit riesigen Dellen. Dadurch kommt es zu Extremwetter in (Extremregen) und zwischen den "Dellen" (Hitze und Dürren) und zusätzlich zu einer Resonanz, also einem statischen Jetstream ohne Weiterbewegung, der die vorhandenen Wetterlagen ebenfalls weiter zu extremen Situationen hochschaukelt.

Blue Ocean Event: Eine Initialzündung für die globale Klimaapokalypse? Wie sähe das aus?
Blue Ocean Event: Eine Initialzündung für die globale Klimaapokalypse? Wie sähe das aus?

Die weit nach Norden entlang der Rossbywelleninduzierten Tiefdruckgebiete hochziehende Hitze führt zu immer stärkeren Eisschmelzraten, die aber noch schwanken und mehr oder weniger linear verlaufen.

Phase 2 (2030-2040):

Das erste Blue Ocean Event ereignet sich - eine historische Zäsur, die in allen Gazetten der Welt die Topmeldung sein wird!
Die Jetstreamanomalien verschärfen sich weiter, ebenso die Eisschmelze. Unwetter häufen sich in Quantität und Qualität, Hitzewellen werden tödlich.

Phase 3 (2040-2060):

Es kommt zu einer massiven Rückkopplungsbeschleunigung. Extremwetter verwüsten die Hemisphäre, es kommt zu einer exponentiellen Arktisschmelze. Der Jetstream verschwindet so gut wie vollständig und der Polarwirbel bildet sich nicht. Die daraus entstehenden Extremwettersituationen verwandeln die Erde in lokale Gebiete aus wenigen Überschwemmungen und vielen Dürregebieten. Der Golfstrom und die thermohaline Zirkulation kommt zum Stillstand, die Todeszonen ohne Sauerstoff breiten sich rasend schnell aus, wodurch die Ozeane umkippen und zu stinkenden Gewässern voller Leichen der marinen Welt werden. Die Nahrungskette kollabiert global. Der Meeresspiegel steigt durch die Blitzschmelze sprunghaft an (sog. "Schmelzwasserpuls"), Küstenstädte versinken im Meer.

Wie gesagt: Ich denke nicht, dass dieser extreme Verlauf so zustande kommt, aber so sähe es wohl aus, wenn es entgegen des heutigen Wissensstands geschehen würde.

Kritik an den Folgen eines Blue Ocean Event

Für den Wahrheitssuchenden sind nicht (durchaus faszinierende) Katastrophenszenarien das Richtmaß, sondern allein die Wahrheit. Kritik zu den extremen Folgen eines "Blue Ocean Event" ist im Internet derzeit aber kaum zu finden. In wissenschaftlichen Veröffentlichungen (über Google Scholar) taucht auf der anderen Seite der Begriff erst gar nicht auf. Das spricht dafür, dass es sich um ein populäres Schlagwort handelt, welches nicht wissenschaftlich fundierte, sondern eher unseriöse Schlussfolgerungen transportiert.

Mit einiger Mühe habe ich dann auf climatetippingpoints.info doch eine Kritik gefunden und es handelt sich sogar um eine sehr detaillierte und fundierte von einem jungen Wissenschaftler, der dies als privaten Blogbeitrag schreibt: Fact-Check: will an ice-free Arctic trigger a climate catastrophe?

Ohne auf die Myriaden Details jetzt konkret einzugehen: Der Autor begründet fundiert, dass es sehr wahrscheinlich nicht zu radikalen Folgen kommt, sondern dass ein Blue Ocean Event keine klimatischen Sprünge auslösen wird. Vielmehr wird es nur zu einem weiteren, eher linearen Verlauf kommen wie beispielweise einer allmählichen und nicht etwa sprunghaften Eisschmelze. Auch der Polarwirbel oder Jetstream würden nicht ausfallen, es würde vielmehr immer ein Restsommereis in der Arktis verbleiben (das Blue Ocean Event ist ja ohnehin definiert mit weniger als 1 Mio. Quadratkilometer Meereis).

Den Temperaturbeitrag eines Blue Ocean Event zur globalen Aufheizung beziffert der Autor mit maximal 0,2 Grad Celsius. Bei heute etwa 1,5 Grad Celsius Erwärmung zu vorindustriellen Zeiten erscheint das recht wenig, wenn auch nicht ohne Bedeutung.

Das Versagen der Wissenschaft in Bezug auf die Klimakatastrophe: Stete Nachbesserung der Prognosen stets nur Richtung Katastrophe sind ein Beleg für falsche Einschätzungen und dass die Klimakatastrophe für die Arbeit der Wissenschaftler viel zu schnell abläuft.
Das Versagen der Wissenschaft in Bezug auf die Klimakatastrophe: Stete Nachbesserung der Prognosen stets nur Richtung Katastrophe sind ein Beleg für falsche Einschätzungen und dass die Klimakatastrophe für die Arbeit der Wissenschaftler viel zu schnell abläuft.

Ich bin geneigt, den Argumenten einer nur geringen und allmählichen Auswirkung eines Blue Ocean Event zum heutigen Stand den Vorzug zu geben vor einer sprunghaften Katastrophe. Allerdings hat uns gerade die jüngere Vergangenheit gezeigt, dass beinahe alle Entwicklungen sich drastisch verschärft haben und die Wissenschaft mit ihrer grundlegend erfolgreichen Methodik einen entscheidenden Schwachpunkt in Bezug zur Klimakatastrophe aufweist: Der Konsens auf dem kleinsten Nenner und die übermäßige Bevorzugung extrem konservativer, also zurückhaltender Äußerungen deckt sich nicht mit der beobachteten schnellen Klimakatastrophe.
Die Möglichkeit, dass sich rasante Eigendynamiken entwickeln, die uns heute noch unvorstellbar erscheinen trotz bereits bestehender unfassbarer Entwicklungen dürfen wir nicht aus den Augen verlieren!
Es gilt wie immer, die Situation und die Parameter (Jetstream, Eisschmelze, Golfstrom) im Auge zu behalten, um entscheidende Änderungen zu erkennen. Letztlich können sogar die "nur" 0,2 Grad zusätzlicher Erwärmung durch ein Blue Ocean Event der Tropfen sein, der das globale Klimafass zum Überlaufen bringt.

Zum Schluss möchte ich sowohl dieses Video wie auch den gesamten Kanal "Just have a think" eines englischsprachigen Bruders im Geiste allen dringend ans Herz legen: Dave Borlace ist ein interessierter Laie, der mit Belegen versucht, zum Kern der Wahrheit zu gelangen. Seine Videos sind fachlich fundiert und alle einzeln mit Textlinks in den Inhalten belegt. Sein Oxford-Englisch ist nicht nur herrlich anzuhören, sondern auch sehr gut zu verstehen und die Mischung aus sehr guter inhaltlicher Verständlichkeit und gelegentlichem britischem Humor ist ein absoluter Genuss.
Auch zum Blue Ocean Event hat er alles Wissenswerte zusammengefasst:




Haben Sie Informationen, Erkenntnisse oder Gefühle beim Lesen mitgenommen? Dann würde ich mich nach dem Nehmen über ein Geben sehr freuen. Danke!