Der Bardarbunga und seine Auswirkung auf das Klima

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Vulkanischer Schwefel aus einer Fumarole in Vulcano, Italien.
Vulkanischer Schwefel aus einer Fumarole in Vulcano, Italien.

Der Vulkan Bardarbunga auf Island (eigentlich richtig: Bárðarbunga) findet sich seit Ende August diesen Jahres in einer Ausbruchsphase.

Bisher kam es nicht zu einer heftigen Eruption, wie letztmals beim Eyjafjallajökull im Jahre 2010. Allerdings umfasst die aus einer Spalte nach wie vor hervorbrechende Lava mittlerweile ein Lavafeld von 54 Quadratkilometern Größe, was die Eruption des Bardarbunga zu einer in dieser Hinsicht der größten macht.

Diese Form des nichtexplosiven Ausbruchs ist nicht ungewöhnlich, insbesondere wenn man bedenkt, dass der Bardarbunga ein subglazialer Vulkan ist, dessen Krater sich unterhalb eines Gletschers befindet und daher nicht direkt sichtbar ist. Solche Vulkane können selbstverständlich auch explosiv ausbrechen und aufgrund Gletscherläufe und Lahars mit verheerenden Folgen, doch sie neigen im Gegensatz zu Subduktionszonenvulkanen an der Grenze von Kontinentalplatten (wie beim pazifischen Feuerring) nicht dazu.

Schwefeldioxid und die Klimafolgen

Weitaus interessanter als ein nach wie vor möglicher explosiver Ausbruch ist die Tatsache, dass der Bardarbunga seit September große Mengen an Schwefeldioxid ausstößt. Auch dies ist nicht ungewöhnlich für einen Vulkan, doch ist der Gradmesser des Schwefeldioxidausstosses auch ein Indiz für den Einfluss auf das Klima*.

Schwefeldioxid verbindet sich in der Luft mit Wasser zu Schwefelsäure. Gelangt diese in die Stratosphäre, hält sie sich sehr lange und reflektiert das Sonnenlicht höchst effektiv. Die Folge: Auf der Erde wird es kühler.

Wie ist die Klimawirkung des Bardarbunga?

Der Schwefeldioxid-Ausstoß des Bardarbunga ist enorm und nur eine große Eruption könnte mittlerweile den Betrag übersteigen. Jedoch: Der Bardarbunga ist nicht explosiv ausgebrochen. Durch die fehlenden Eruptionssäulen wird das Schwefeldioxid NICHT bis in die Stratosphäre (ab ca. 15 km Lufthöhe ü. NN, verändert sich jedoch je nach Position auf dem Planeten) geblasen, sondern verbleibt relativ nah am Boden in der Troposphäre bei ca. 8 km Lufthöhe.

Dennoch glauben Wissenschaftler, dass der Bardarbunga über die großen Mengen ausgestoßenen Schwefeldioxids (bis zu 2 Millionen Tonnen pro Monat derzeit, Potential für insgesamt 40-60 Millionen Tonnen) eine Klimawirkung hat.

Klimatische Auswirkung von Vulkanausbrüchen im Vergleich; © donnerwetter.de.
Klimatische Auswirkung von Vulkanausbrüchen im Vergleich; © donnerwetter.de.

Im Vergleich sieht man, dass bei einer Eruption die ausgestoßene Menge an Schwefeldioxid den Ausbruch des Pinatubo, an die sich mancher vielleicht noch erinnert, um das zwei- bis dreifache übersteigen würde. Aufgrund der fehlenden Eruptionshöhe wird geschätzt, dass der Bardarbunga momentan global die Welt um "nur" 0,1 bis 0,2 Grad Kelvin (in diesem Fall austauschbar mit Celsius) abkühlen* wird. Auch der durch die fehlende Eruption und dabei mitgetragene Aschewolken und Aerosole geringe Trübungsindex in der Stratosphäre, der eine Reflektion der Sonnenstrahlen bewirken würde, führt beim Bardarbunga zu einem geringeren Abkühlungswert.

Leider sind momentan noch keine Stellungnahmen zu finden, wie die Abkühlung sich vor allem regional bzw. im weiteren Umfeld und somit auch auf Deutschland auswirken wird und ob der Kühleffekt sich in diesen Regionen vergrößert.

Eine "Katastrophe"?

Ich stoße nicht in das gleiche Horn sommerfetischistischer Nachrichtendienste, die das Ganze als Katastrophe sehen.

Zum Einen hat es Vulkanausbrüche immer gegeben und ihr Wirken hat maßgeblich zum Temperaturhaushalt und Klima* der Erde beigetragen. Vielleicht sogar mehr, als man gemeinhin glaubt.

Zum Zweiten brechen im Jahr durchschnittlich 50 Vulkane auf der Erde aus von insgesamt vielleicht 2000 Vulkanen. Es handelt sich dabei also nicht um Katastrophen, sondern um einen ganz normalen geologischen Kreislauf, der Milliarden Jahre alt ist.

Zum Dritten liegt die derzeitige Katastrophe in einer möglicherweise beginnenden, unkontrollierbaren Erderwärmung, die ein Großteil der Menschen nicht wahrhaben will oder nicht wahrnimmt, weil sie (noch) schleichend vonstatten geht und die Folge-Katastrophen sich auf die Generation unserer Kinder und Kindeskinder erstrecken wird. Je mehr Vulkanausbrüche wir bekommen, desto mehr werden wir einen Gegenfaktor zur Erwärmung und somit Zeit bekommen, unsere Fehler einzusehen und Maßnahmen zu ergreifen

Zum Vierten liegt der Bardarbunga in einem unbewohnten Gebiet. Selbst ein explosiver Ausbruch würde keine Menschen zu Schaden kommen lassen.

Meine Folgerung daraus: Lasst es knallen! Der Bardarbunga und am besten noch ein weiterer Vulkan mit, da die unterirdischen Lavaverbindungen viele Vulkane Islands verbinden und die Erdbeben auch bei einem anderen Vulkan Islands zum Ausbruch führen könnten. Im Jahr 1991 stoppte der Ausbruch des Pinatubo die Erwärmung der Erde für beinahe 3 Jahre in signifikanter Weise, bis 1994 die Erwärmung wieder einsetzte.

Aber ich nehme auch gerne die 0,1 bis 0,2 Kelvin, die momentan angeboten werden. Dies entspricht dem globalen Erwärmungswert der Erde von etwa 10 Jahren. Ob es tatsächlich so kommen wird, oder ob nicht doch ab April ein Sommer einsetzt statt Frühling, der in einen Sommer mit erneut monatlichen Hitzerekorden im Mittel endet und dann von einem Sommer im Herbst* wie momentan abgelöst wird, das werden wir abwarten müssen.

Die Katastrophe liegt nicht beim Bardarbunga - sie liegt beim Klima* und wir stecken bereits mittendrin. Bei einem Ausbruch sollten wir alle vor Dankbarkeit an die Erde auf die Knie fallen, denn es bedeutet, dass der für uns bereite Strick sich einen Millimeter weiter öffnet und wir wieder etwas Luft und Zeit bekommen ...




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