Kann die "Deutsche Sahelzone" zur Wüste werden?

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Ist das die Zukunft von Wäldern wie dem Taunus und das Aussehen der
Ist das die Zukunft von Wäldern wie dem Taunus und das Aussehen der "Deutschen Sahelzone" im Jahr 2040?

Das Dürrerekordjahr 2018 hat jedem gezeigt, wie erschreckend schnell sich Vegetation und Boden messtechnisch und auch optisch in Richtung Savanne und Wüste verändern kann.

Dürre 2018, hier bei Kaarst (NRW) samt die temporäre Apokalypse abstrus genießende Sofeten auf den klassischen Sofetenbänken ohne Schatten in Südausrichtung ... © Mimikry11 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0.
Dürre 2018, hier bei Kaarst (NRW) samt die temporäre Apokalypse abstrus genießende Sofeten auf den klassischen Sofetenbänken ohne Schatten in Südausrichtung ... © Mimikry11 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Bereits im Jahr 2015 hatte ich zunächst anlässlich des Mai 2015 (Klimabilanz Mai 2015 (Deutschland): Die deutsche Sahel-Zone DSZ) und später grundsätzlich (Blick in die Zukunft: Die deutsche Sahelzone und die globale Klimakatastrophe) davor gewarnt, dass die Rossbywellenveränderungen durch die Klimakrise einen Querstreifen in Deutschland dauerhaft zur Dürrezone verwandeln könnten. Diese habe ich leicht ironisch "Deutsche Sahelzone" (DSZ) fortan genannt und sie erstreckt sich grob von Trier über Ofenhessen alias Rhein-Main (natürlich), Sachsen bis hin zu Berlin, wobei Schwankungen auch Teile nördlich (Nordrhein-Westfalen) und südlich davon (Franken) erfassen können.

Eine neue wissenschaftliche Veröffentlichung wirft nun ein Licht darauf, ob sich diese Deutsche Sahelzone tatsächlich zur Wüste verwandeln könnte über Jahrzehnte oder ob das letztlich nur ein Hirngespinst ist, das sich aus den radikalen Klimaveränderungen in der Mitte Deutschlands ergibt. Wenn man bedenkt, dass Spanien als Teil Europas definitiv desertifiziert und auch Teile Frankreichs dieses Schicksal irgendwann erwartet, so ist diese Annahme nicht so weit hergeholt, wie man hoffen könnte.

Keinen Plan wie man die Welt rettet? Ein paar Gedankenanstösse:

Wie eine Region im Himalaya zur Wüste wurde

Ein Forscherteam des Deutsches Geoforschungszentrums Potsdam hat das Kali Gandaki-Tal in Nepal unter die Lupe genommen, das heute eine Wüstenlandschaft ist, um herauszufinden wie es dazu kam, denn vor 2000 Jahren war die Region eine blühende Landschaft.

Da vermutlich niemand weiß, wo dieser Forschungsort liegt, werfen wir zunächst einen Blick in GoogleMaps, bei dem jeder via Zoom sich orientieren kann:

Was geschah also im Gandaki-Tal?
Vor 1.600 Jahren kam es zunächst zu einer langanhaltenden Dürre. Diese ließ die Vegetation verdorren, wie wir es auch in 2018 ansatzweise mit kürzerer zeitlicher Phase erlebt haben, als Bäume wie im Herbst* bunt wurden und vertrockneten. Noch heute werden Millionen Bäume zwangsweise gefällt, da sie bereits tot sind oder aufgegeben werden müssen (ich habe mich leider davon selbst im Taunus überzeugt, siehe das Bild weiter unten von Stefan Krohr).

Dürre ist nicht allein entscheidend, sondern die Trockenheit löst ein ganzes Kompendium an Folgen aus. Die Dürre und Hitze verändern die Mikrolebewesenbesiedlung im Boden bzw. töten diese ab, womit die Nährstoffgrundlage wegbricht. Der Boden wird durch diese Veränderungen und die fehlenden Wurzeln der Vegetation höchst anfällig für Erosion durch Wind und die gelegentlich einsetzenden, immer häufiger durch Extremwetter (aufgrund der stationären Rossbywellen) entstehenden Starkregen weggeschwemmt. Ohne Humusoberschicht kann eine neue Vegetation damit nicht mehr entstehen.

Durch diese Kausalketten wurde die an Pflanzen reiche Himalaya-Region innerhalb kürzester Zeit zu der Ödnis, die sie heute ist.

Wo liegt der Kipppunkt zur Wüstenbildung und wie weit ist die Deutsche Sahelzone davon entfernt?

Der eigentliche schockierende Aspekt ist, dass nach den Forschern es einen Niederschlagsgrenzwert gibt, nach dem die Region in Nepal zur Wüste verdorrte. Dieser beträgt gar nicht so wenige 200 mm (oder Liter) pro Quadratmeter im Jahr.

Da fragt man sich natürlich sofort, wie denn eigentlich die Niederschlagswerte in Deutschland aussehen. Früher hätte man sich im wunderbaren Regenland Deutschland darüber nicht einmal ansatzweise Gedanken machen müssen. Doch die Klimakatastrophe hat durch die Rossbywellenveränderungen des Jetstreams Deutschland zur weltweit am stärksten von positiven Temperaturanomalien betroffenen Region gemacht.

Blicken wir auf das Dürrejahr 2018, so ergeben sich für die Bundesländer Deutschlands folgende Jahresniederschlagswerte (in mm bzw. Liter pro Quadratmeter), anlässlich der Fragestellung geordnet vom niederschlagsärmsten Dürreland bis zum regenreichsten (Daten nach dem DWD Jahresbericht 2018):

1. Sachsen-Anhalt: 360
2. Brandenburg: 390
3. Mecklenburg-Vorpommern: 440
4. Sachsen: 475
5. Niedersachsen: 505
6. Thüringen: 520
7. und 8. Hessen und Schleswig-Holstein: 580 (Ofenhessen: 400)
9. Nordrhein-Westfalen: 605
10. Rheinland-Pfalz: 670
11. und 12. Baden-Württemberg und Bayern: 745
13. Saarland: 925

Sachsen-Anhalts 360 Liter sind zwar fast das doppelte der "Wüstenschwelle" von 200 Litern, aber ganz ehrlich: So weit ist das nicht entfernt und das ist beinahe ein Schock!

Die auf Bernd Hussings Niederschlagskarte vom Mai 2017 eingezeichnete Zone kennzeichnet den ungefähren Verlauf der "Deutschen Sahelzone" (DSZ), deren genauer Verlauf je nach Dürreausweitung an den Außenrändern schwanken kann. © <a target="_blank" href="http://www.bernd-hussing.de/Archivdateien/Archiv.htm" rel="noopener noreferrer">Bernd Hussing Archiv</a>.
Die auf Bernd Hussings Niederschlagskarte vom Mai 2017 von mir eingezeichnete Zone kennzeichnet den ungefähren Verlauf der zombiesken "Deutschen Sahelzone" (DSZ), deren genauer Verlauf je nach Dürreausweitung an den Außenrändern schwanken kann. © Bernd Hussing Archiv.

 

Müssen wir also damit rechnen, dass die Mitte Deutschlands zu einer Wüste oder Savanne wird und spätestens 2100 Kamele statt Autos durch Rhein-Main wanken?
Natürlich nicht.
Man muss bedenken, dass wir uns derzeit im absoluten Worst Case der Klimakatastrophe befinden. Während die USA als einziges Land der Welt längere Kälteanomalien erfahren und im Grunde zumindest zeitweise nicht einmal merken, dass es die Klimakatastrophe gibt (von Hurrikanen und regionaler Dürre im Westen der USA sowie Alaska einmal abgesehen), ist es bei uns in Mitteleuropa genau umgekehrt durch die gegensätzlichen geografischen Bedingungen und den Golfstrom.

Auch die Waldbrandgefahr wird durch Dürren deutlich zunehmen: Hier in der Dürre 2018 am 24.07.2018. © <a target="_blank" href="https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimaatlas/klimaatlas_node.html" rel="noopener noreferrer">DWD Deutscher Klimaatlas</a>.
Auch die Waldbrandgefahr wird durch Dürren deutlich zunehmen: Hier in der Dürre 2018 am 24.07.2018. © DWD Deutscher Klimaatlas.

Dieser Worst Case von ungünstigen Rossbywellen mit 90% Anströmung von südwestlichen, spanischen oder südlichen, afrikanischen Luftmassen kann nicht mehr gesteigert werden oder nur noch langsam durch den allmählichen Anstieg der Treibhausgase über einen längeren Zeitraum (falls keine Kipppunkt-Apokalypse durch Methan oder andere Aspekte erfolgt).

Dass Dürren qualitativ noch stärker werden ist daher unwahrscheinlich. Und auch die Dauer der Dürren wird sich nicht über Jahre erstrecken, sondern wird zumeist im Spätherbst (der Frühherbst ist bereits längere Zeit integerer Bestandteil des Hitzesommers) und Winter wie im kalifornischen Klima* durch mehr Regenfälle abgelöst (während Schnee* nur noch eine abstruse Seltenheit wird).

Selbst wenn es einmal einen statistischen Extremfall in der extremen Klimakatastrophe mit der Extremregion Mitteleuropa geben sollte, dann wären die Folgen zwar kurzfristig apokalyptisch mit Waldbränden und regional teilweise vollständigen Waldverlust, doch würde sich nichtsdestotrotz die Lage danach halbwegs erholen.

Auch wenn ich den Querstreifen in der Mitte Deutschlands die "Deutsche Sahelzone" nenne, so wird er mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zur Wüste werden. Allerdings werden die Folgen ohne Veränderungen der spezifisch deutschen Klimasituation im Wirkungsfeld von Jetstream, Rossbywellen und globaler Aufheizung dennoch schockierend sein: Von Waldbränden über Waldverluste, einbrechenden Ernten, Insektensterben, Vogelsterben werden wir in kurzer Zeit unser deutsches Land nicht mehr wiedererkennen. Nur der Ausfall des Golfstroms oder die Veränderung der Anzahl der nordhemisphärischen Rossbywellen zurück auf 4 oder 5 oder die Steigerung auf 9 würde die Amplitude von Tief- und Hochdruckgebieten so verändern, dass Deutschland nicht mehr in der Dauerhitze von April - September/Oktober verbleiben wird. Doch danach sieht es in beiden Fällen nach wissenschaftlichem Forschungsstand bis 2100 nicht aus.

Kai Kornhuber erläutert die Unterschiede zwischen 5er und 7er Rossbywellen: Bereits an der Karte erkennt man, dass 5er Rossbywellen für Deutschland tiefdruckgünstig sind, 7er Rossbywellen aber zu Südanströmungen, Hochdruck, Dürre und Hitze führen:

Konsequenzen: Naturkatastrophen und Verlassen der mentalen Verblödungszone?

Was bleibt uns?

Folgen der Dürre 2018: Ganze Flächen abgestorbener Bäume, zumeist Fichten. Foto: Taunus, 2019, © Stefan Krohr.
Folgen der Dürre 2018: Ganze Flächen abgestorbener Bäume, zumeist Fichten. Foto: Taunus, 2019, © Stefan Krohr.

Das, was wir bisher nicht gemacht haben. Entgegen spießbürgerlicher Grundidiotie und stammtischorientierten Dämlichkeiten benötigten wir intelligente Leute, die den deutschen Wald nicht der Katastrophe heutiger "Forstwirtschaft" überlassen. Statt dessen gilt es, die Monokulturen durch sogenannten heterogenen "Urwald" ersetzen und dürreresistente Arten wie Douglasien statt wie denkbefreite Roboter weiterhin dem Tod geweihte Fichten zu pflanzen, die am Ende nichts weiter als Zombiewälder aus Baumskeletten produzieren.

Wir müssen kühle Grüninseln in Städten schaffen, die Architektur kühloptimieren, die Albedorate von Dächern und Straßen durch weiße Farben optimieren bzw. invertieren, Wassersparmaßnahmen umsetzen und generell unsere tägliche Art zu leben radikal und grundsätzlich überdenken. Jeder. Im Grunde haben wir lange Zeit bereits auf vernünftige Weise gelebt oder was glauben Sie, wo die Methoden wie Einkochen und die Verwendung heute verschmähter Pflanzenteile herstammen? Nach dem Krieg wussten alle noch, worauf es ankam - wenn auch nicht durch das durchdrehende Klima*, sondern die Kriegsfolgen, was aber letztlich aufs gleiche herauskommt. Die Einstellungsperversionen eines Extremkapitalismus sind mit den Generationen schleichend wie Gift in unser Denken und Handeln gekrochen und es wird Zeit, diese zu eliminieren!

Zustand der Welt und düstere Entwicklungsprognosen für die Zukunft, wie es von 15.000 Wissenschaftlern gesehen wird. Einer der wichtigsten Artikel bei Wikipedia: Globale Umweltveränderungen und Zukunftsszenarien.
Zustand der Welt und düstere Entwicklungsprognosen für die Zukunft, wie es von 15.000 Wissenschaftlern gesehen wird. Einer der wichtigsten Artikel bei Wikipedia: Globale Umweltveränderungen und Zukunftsszenarien. Das Ewige Wachstum ist eine illusionäre Epochenblase des Extremkapitalismus und wird bald enden.

Nein, das bedeutet nicht, dass ich Kapitalismushasser, Sozialist der Kommunist bin, im Gegenteil: Ich glaube, dass erst Anreize Menschen zum Handeln bewegen und Leistung der zeitlose Bewertungsmaßstab ist und das ist die Grundidee des Kapitalismus. Nur ist sie dermaßen unter Anleitung der Sieger- und Supermacht USA als Leitmotiv einer Epoche übersteigert und pervertiert worden, dass wir alle die zeitlosen objektiven Werte verloren und vergessen haben, selbst zu Marktzombies ohne Seele geworden sind und dabei beinahe unbemerkt einen Massenmord- und bald auch einen Massenselbstmord initiiert haben und die Biosphäre des gesamten Planeten im Vorbeigang vernichten. Dies ist die wissenschaftliche Wahrheit. Dies ist die Situation. Und nun wird sich zeigen, ob der sich anmaßend so nennende "weise Mensch" (Homo sapiens) wirklich sich schnellstens ändern und überleben kann oder ob er nichts weiter als ein aggressiver, gieriger und geiler Vollidiot ist und sein Schicksal damit bereits besiegelt hat.

Während die USA den Weg jeden Niedergangs einer Weltmacht geht und sich krampfhaft an ihrer Kapitalismusideologie klammert, verfällt Deutschland in seine altbekannten Traditionen und zerbricht in wahnwitzige Radikalitäten aus linksextremen Utopien mit Rettungsversuchen in esoterischer Radikalmethodik und rechtsextremen Idiotien mit aggressiver Blödheitsnegierung der realen Situation.
Aber die Geburt einer neuen Epoche und damit auch der Weg zu einer Lösung nicht nur national sondern weltweit ist nicht leicht, denn zur Geburt gehört immer der Geburtsschmerz. Die Frage bleibt nur im Gegensatz zu allen anderen Epochen der Menschheitsgeschichte, ob uns noch die Zeit bleibt für die Niederkunft einer neuen Epoche und einer Rettung vor der ersten globalen Apokalypse, die es in unserer Geschichte je gegeben hat. Die Dinosaurier haben es nicht erkennen können und wir wissen alle, als was sie heute gefunden werden in den Böden der Welt: Als Skelette. Was wird man in Millionen Jahren von uns ausgraben? Und wer wird es sein?

Artikel
• GeoHorizon: Kipppunkt zur Wüstenbildung entdeckt.
• Zugrundeliegende wiss. Veröffentlichung (Geophysical Research Letters): J. Menges, N. Hovius, C. Andermann et al., Late Holocene Landscape Collapse of a Trans-Himalayan Dryland: Human Impact and Aridification, 2019. DOI: 10.1029/2019GL084192.




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