Die Klimakatastrophe aktiviert Gletschervulkane

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Die Holuhraun-Spalteneruption am Bardarbunga 2014; ©
Die Holuhraun-Spalteneruption am Bardarbunga 2014; © Gestumblindi auf commons.wikipedia.org, Lizenz: CC BY-SA 2.0.

Die FAZ hat in einer jüngsten Meldung Forschungsberichte zitiert, nach denen die nun dreißig Jahre andauernde Klimakatastrophe möglicherweise dazu beigetragen habe, die Vulkane Islands zu aktivieren.

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wissen/klimaticker-februar-kuestenlinien-stichlingsherz-magmaschleudern-13403591.html
Forschungsbericht (englischsprachig): http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/2014GL062446/abstract.

Die Eisschmelze und die Folgen im Boden

Gletscherzunge des Svartisen-Gletschers in Norwegen, bei dem unklar ist, ob der Rückgang durch die Klimakatastrophe oder durch natürliche Ursachen bewirkt wird; ©
Gletscherzunge des Svartisen-Gletschers in Norwegen, bei dem unklar ist, ob der Rückgang durch die Klimakatastrophe oder durch natürliche Ursachen bewirkt wird; © Chrissie auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0.

GPS-Empfänger* haben über die letzten Jahre ein kontinuierliches Anheben der Erdkruste entdeckt, das einhergeht mit dem Abschmelzen der Gletscher.
Wie es scheint, gibt es einen kausalen Zusammenhang zwischen der Eisschmelze und der ansteigenden Vulkanaktivität. Die Vermutung der Forscher ist, dass sich die Fluidität des Magmas durch die Druckveränderung im Erdboden verändert und sich dadurch die Wahrscheinlichkeit von Ausbrüchen erhöht.

Auch wenn die Forscher relativieren, dass es sich um einen längerfristigen Prozess seit dem Ende der letzten Eiszeit vor mehreren tausend Jahren handeln könnte, verblüfft die Koninzidenz der Beobachtungen.
Der Ausbruch des Bardarbunga könnte somit nur der Startschuss einer ganzen Reihe möglicher Ausbrüche sein, die zur Abkühlung des Klimas* beitragen könnten. Diese Theorie kursiert bereits seit Jahren in Forschungskreisen (exemplarisch diese Meldung aus dem Jahr 2010: http://www.tagesspiegel.de/wissen/geowissenschaft-mehr-vulkanausbrueche-durch-klimawandel/1805228.html), doch der Nachweis gestaltet sich natürlich als äußerst schwierig, müssten dazu doch die Magmamengen, wie vor allem auch der genaue Zustand des Magmas und seine Fluidität analysiert werden und in Zusammenhang mit Eisschmelzen gebracht werden. Dies ist derzeit mit den technischen Mitteln und den verbundenen Kosten kaum vorstellbar.

Was macht eigentlich der Bardarbunga?

Der Bardarbunga, bekanntlich im August 2014 ausgebrochen, ist nach wie vor aktiv. Allerdings hat sich die Stärke der Beben reduziert und der Ausbruch ebenso.
Auf dem Blog http://www.vulkane.net/blogmobil/ ist zu lesen, dass isländische Vulkanologen mit einem Ende der Eruption im März oder aber auch mit weiteren 15 Monaten abklingender Eruption rechnen.

Nicht zuletzt ist zu beachten, dass auch bei einer Ruhephase die Wahrscheinlichkeit einer Explosion sehr hoch ist. Eine Explosion hängt vor allem mit der Art des Magmas zusammen. Restschmelzen am Ende einer Eruption sind weitaus gasreicher als das Magma, das seit Monaten in der Holuhraun-Spalte eruptiert. Man darf hier das Bild einer Sprudelflasche sich vor Augen halten, die geschüttelt wird - je mehr Kohlensäure die Flasche enthält, desto größer ist die "Explosion" bei der Öffnung der Flasche.

Geht man davon aus, dass die o.g. Forscher mit ihrer These recht haben, so könnten rasch weitere Vulkane Islands ausbrechen und da gibt es einige mit einem enormen Potential - liegen die meisten, darunter auch der Bardarbunga, unter dem größten Gletscher Europas, dem Vatnajökull.

Selbst beim Bardarbunga ist momentan noch völlig strittig, welche Auswirkungen die gewaltigen Mengen Schwefeldioxid auf das Klima haben, die nach wie vor eruptiert werden und zwar, weil sie "nur" in die Troposphäre gelangen und nicht in die Stratosphäre, wo sie mit Sicherheit für eine deutliche Abkühlung des Klimas* zumindest regional sorgen würden.

Vergleich der Schwefeldioxidausstösse der Holuhraun-Spalte am Bardarbunga mit verschiedenen anderen Vulkanausbrüchen. BITTE BEACHTEN: Die Skala ist logarithmisch und kann optisch irreführen!, Quelle: <a target="_blank" href="http://www.dailykos.com/">http://www.dailykos.com/</a>.
Vergleich der Schwefeldioxidausstösse der Holuhraun-Spalte am Bardarbunga mit verschiedenen anderen Vulkanausbrüchen. BITTE BEACHTEN: Die Skala ist logarithmisch und kann optisch irreführen!, Quelle: http://www.dailykos.com/.

Sollte es Auswirkungen geben, müssten sich in jedem Fall die Horrorwerte des Jahres 2014 reduzieren im weiteren Verlauf dieses Jahres. Ein Nachweis eines Zusammenhangs mit den vulkanischen Gasen fällt per Augenmaß des Thermometers* schwer, denn es könnte sich auch um die Großwetterlage als Ursache für kühlere Temperaturen herausstellen. Wir sind in diesem Fall also auf Messungen der Wissenschaftler angewiesen, ob sich durch das Schwefeldioxid tatsächlich in den höheren Schichten der Stratosphäre Schwefelsäure (H2NO) gebildet hat, das die Sonnenstrahlen sehr effektiv reflektiert.

Ich werde die Entwicklung im Bereich der Vulkane weiter beobachten. Momentan sind nicht übermäßig viele Vulkane aktiv - normal sind etwa 50 bis 60 Vulkanausbrüche global pro Jahr. Monitoring-Seite: http://www.volcanodiscovery.com/erupting_volcanoes.html
Jüngste Vulkanausbrüche betreffen den Popocatepetl und den Colima in Mexiko, sowie den Vulkan Fournaise auf der Insel La Réunion - alles jedoch moderate Ausbrüche.




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