Dornburg – das ewige Eis mitten in Tropenhessen!

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Permafrosteis ausgerechnet in Ofenhessen? Und sogar im Sommer? Unmöglich?
Permafrosteis ausgerechnet in Ofenhessen? Und sogar im Sommer? Unmöglich?

Ganz Hessen ist von Hitze, Dürre und Sonne* verheert.
Ganz Hessen?
Nein, ein von unbeugsamen Eiszeitrelikten heimgesuchter Ort hört nicht auf, der Klimakatastrophe Widerstand zu leisten!

Im Unterschied zu den Asterix-Comics* heißt dieser Ort Dornburg und liegt nicht etwa in Gallien, sondern mitten in der Hitze Tropenhessens!
Selbst im heißesten Sommer findet sich dort Eis und ein arktischer Luftstrom, der am Fuß eines Berges austritt. Ein biblisches Wunder? Der Beweis für Gott? Nein. Aber eine extrem seltene geologische Anomalie, die eine Reise wert wäre 🙂


 

Im Winter bildet sich in dem aus Basaltgeröll bestehenden, isolierenden Berg Eis im Inneren. Ein warmer Luftstrom dringt oben aus dem Berg heraus und kühlt das sich im Innern des Berges ansammelnde Eis zusätzlich. Wenn der Sommer kommt, schmelzen täglich 7 Tonnen Eis, das teilweise über zwei Auslassschächte sichtbar wird, die ein Brauereiunternehmen* im 19. Jahrhundert zur Kühlung seiner Braukessel gebaut und verwendet hat.
Der über das Eis im Innern des Berges streichende Luftstrom führt an diesen Auslassöffnungen am Fuß des Berges ins Freie und verschafft mitten im Hochsommer herrliche Kühle.

Basaltschlucht Dornburg in der Nähe des keltischen Oppidums.
Basaltschlucht Dornburg in der Nähe des keltischen Oppidums.

Die Überreste vulkanischer Aktivitäten bestimmen den Charakter der Dornburg, wie auch die weite Umgebung. Der Abbau wurde inzwischen gestoppt, weil die Dornburg als Relikt eiszeitlicher Epochen erhaltenswert ist. Tatsächlich kann man diesen kleinen Punkt ausgerechnet in "Tropenhessen" als ein kurioses Permafrost-Überbleibsel der Eiszeit betrachten, die durch die besonderen geophysikalischen Attribute der Dornburg hier noch überlebt hat.

Außerdem gilt die Dornburg auch als archäologisch bedeutsamer Ort eines keltischen Oppidums. Vulkanische Überreste, eine keltische Wallanlage und ein Permafrostberg - Dornburg ist eine Reise wert.

Artikel
Das ewige Eis
Frankfurter Rundschau - Selbst im Sommer immer Eiszeit

Nachtrag 19.09.2019: Kaltwetter.de war vor Ort!

Seit dem Artikel 2016 habe ich das "Ewige Eis" von Ofenhessen im Kopf gehabt und nach Aktivierung der Wanderlust war es dann am 05. Mai 2019 soweit: Mit "Regenwetter-Stefan" war ich vor Ort im Westerwald und habe mir das Ewige Eis höchstpersönlich angeschaut.

Informationstafel zum Ewigen Eis vor Ort.
Informationstafel zum Ewigen Eis vor Ort.

Einer der beiden Schächte mit Blick zum Permafrostrest aus der letzten Eiszeit.
Einer der beiden Schächte mit Blick zum Permafrostrest aus der letzten Eiszeit.

Das Eis ist allerdings etwas versteckt und unscheinbar hinter zwei vergitterten Öffnungen im Berg gelegen (weil sonst die üblichen Deppen das andernfalls längst zerstört hätten).
Es ist durchaus surreal im Treibhausgashalbjahr bereits grassierender Hitze (außer an diesem bewusst ausgesuchten kühlen Wandertag) Schnee* und Eis zu sehen! Allerdings sind im Vergleich mit den Bildern in den o.g. Artikeln die Ausmaße des Eises deutlich geringer geworden. Ob das an der galoppierenden Aufheizung vor allem Deutschlands liegt, welche relativ betrachtet die größte des gesamten Planeten ist oder nur eine Schwankung darstellt, weiß ich nicht. Die Schlußfolgerung liegt allerdings auf der Hand.
Beim Blick auf die letzten Permafrostrelikte in Hessen wird man traurig, denn es ist wie ein Pars pro Toto einer Welt, die durch menschlichen Wahnsinn den Weg in eine mordende Hitzehölle angetreten hat und womöglich nicht mehr lange weiter so bestehen wird.

Relikt aus besseren Klimazeiten: Schnee und Eis mitten im Sommer!
Relikt aus besseren Klimazeiten: Schnee* und Eis mitten im Sommer!

Wer auch zur Dornburg pilgern möchte: Die Umgebung des Ewigen Eises mit der keltischen Dornburg ist für subtile Gemüter etwas Besonderes. Auf eine seltsame Weise strahlen alle Orte einstiger Keltenbesiedlung eine eigentümliche Atmosphäre aus, die man mit Worten nicht beschreiben kann - das gilt natürlich auch für den Altkönig und die Weiße Mauer im Taunus sowie das Heidetränk-Oppidum ebenda.




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