Eintauchen in den Vollherbst

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Nach einem bisher brutal zu warmen Glühlings-Oktober kehrt endlich der Herbst zurück. Taucht ein in den Vollherbst!
Nach einem bisher brutal zu warmen Glühlings-Oktober kehrt endlich der Herbst zurück. Taucht ein in den Vollherbst!

Die Qualen sind endlos. Trotz aller Bemühungen, die Altweiber fernzuhalten, kamen sie wie üblich doch: Abstruse Temperaturanomalien verwandelten den Herbst* in einen Glühling - ohne Kühle, ohne Nebel, ohne Herbststimmung.

Brutal zu warmer Oktober mit im Mittel (!) über 2 Grad, am Boden damit abstruse Temperaturmaxima, die bis zu 10 Grad zu hoch waren. © <a target="_blank" href="http://www.bernd-hussing.de/klima.htm">Bernd Hussing</a>.
Brutal zu warmer Oktober mit im Mittel (!) über 2 Grad, am Boden damit abstruse Temperaturmaxima, die bis zu 10 Grad zu hoch waren. © Bernd Hussing.

So bitter es klingt, aber wir müssen uns allmählich daran gewöhnen, dass die wunderbaren Herbste aus den 70er Jahren der Vergangenheit angehören (siehe Vergleich aus der letzten Wetterprognose). Für immer.
Um so mehr gilt es, die seltenen Herbstblasen als Heiligkeiten zu begreifen, zu bewundern, anzubeten und natürlich sie auszunutzen für Ausflüge in die Natur.

Nun haben die launischen Eisgötter der Arktis beschlossen, uns eine Herbstblase zu schenken, die es in sich haben kann. Es deuten sich Temperaturen sogar UNTER dem Mittel an, dazu nicht eine sonnenverpestete Ostlage, sondern Wolken und Regen. Vollherbst! Also taucht mit Kaltwetter.de in den Vollherbst ein!

Halloweenwetter und endgeiler Düsterstart in den schönsten Monat des Jahres

Waren bisher unsägliche Muster des Treibhausgashalbjahres aktiv mit Troglagen auf dem Atlantik und Deutschland wie immer östlich dahinter in der Gegenhitze einer Südwestlage, so ändert sich das nun! Troglagen treffen nun auch das von König Herbst* bemitleidenswert missachtete Mitteleuropa.

Woher kommt diese Änderung?

Klimatologisch betrachtet ist das eine gute Frage. Abseits der meteorologischen Detailfragen entsprach bisher die Arktis nicht den Mustern des Waccy-Effektes. Wir erinnern uns: Eine warme Arktis (WA = warm* arctic) führt südlich zu kalten Kontinenten (CC = cold continents) und produziert teilweise verrücktes Wetter* (waccY = verrückt) im Sinne von winterlichen Zuständen. Eine andere Art von Chaos gab es jedoch durch die fortgesetzten Bedingungen des Treibhausgashalbjahres: Schnee in Marokko und Überflutungen in Italien.

Auf den Waccy-Effekt aber scheint wider Erwarten kein Verlass zu sein, denn seltsamerweise wiederholte sich dieses Jahr nach 2018 erneut etwas, das keiner vorhergesehen hatte: Die Kernarktis war nicht zu warm*, sondern zu kalt*! Der Waccy-Effekt blieb aus und kehrte sich um: Die mittleren Breiten waren größtenteils in Wärmeanomalien gebadet, die sich aus den unveränderten Strukturen des Treibhausgashalbjahres (April - September) speisten.

Anomalien der 2m-Temperaturen am 12. Oktober 2019. Man erkennt deutlich die kalte Kernarktis ganz oben am Rand der Karte. Die Kontinente sind eher zu warm. Die Kaltregionen in West-USA und Sibirien sind stark fokussiert. © Karsten Haustein.
Anomalien der 2m-Temperaturen am 12. Oktober 2019. Man erkennt deutlich die kalte Kernarktis ganz oben am Rand der Karte. Die Kontinente sind eher zu warm*. Die Kaltregionen in West-USA und Sibirien sind stark fokussiert. © Karsten Haustein.
Anomalien der 2m-Temperaturen am 22. Oktober 2019. Die Arktis ist nun wieder zu warm (eingekreiste Gebiete) Die Kaltgebiete auf den Kontinenten sind ausgedehnter (blau eingekreist) © Karsten Haustein.
Anomalien der 2m-Temperaturen am 22. Oktober 2019. Die Arktis ist nun wieder zu warm* (eingekreiste Gebiete) Die Kaltgebiete auf den Kontinenten sind ausgedehnter (blau eingekreist) © Karsten Haustein.

Der Grund für die kalte Kernarktis und die dazugehörige warme Randarktis ist unbekannt. Ich vermute, dass die massiven Methanemissionen am arktischen Rand im Permafrost der Küstengebiete Sibirien und Kanadas sowie der küstennahen Meeresgebiete zu einer Aufheizung führen und die Kernarktis im Kontrast dazu kalt* wird. Aber das ist reine Spekulation.
Mit sinkendem Sonnenstand und sinkenden Temperaturen hört die Permafrostschmelze zeitweise auf und die Methanemissionen sinken (wie man im Monitoring von Copernicus sehen kann) - auch das würde zu dem Erklärungsschema passen.

Wie dem auch sei: Der Waccy-Effekt ist zurück und prompt ändern sich die Zugbahnen der Tiefdruckgebiete und bringen uns Vollherbst! Zufall oder Kausalität?
Ich bin mir in dieser Hinsicht auch noch nicht sicher. Handelt es sich lediglich um meteorologische Wetterlagengründe? Oder gibt es eine übergeordnete klimatologische Struktur mit Polarwirbel, arktischer Verstärkung und Jetstreamverlauf, die das ganze so beeinflusst, wie man es eben den "Waccy-Effekt" genannt hat?

Nach meinen Beobachtungen führt die kalte Kernarktis und warme Kernarktis zu einer Gradientenschwäche zu den mittleren Breiten und damit bleiben die Rossbywellentroglagen aus. Nun, da die gesamte Arktis warm* ist, taucht wieder das alte Muster aus multiplen Rossbywellen auf, die als Troglagen bis weit in den Süden arktische Kaltluft auf die Kontinente führen: Der Waccy-Effekt. Diesen sieht man in der Bewegung sehr eindrucksvoll wenn man beachtet, wie die mittlerweile abnorm warme Gesamtarktis geradezu Kältewellen auf die Kontinente "ausspeit":

Wo auch die Gründe liegen: Der Vollherbst kommt damit nach Europa zurück!
Auch an den Richttemperaturen auf 850 hPa (1.500 Metern Höhe) sieht man den brutalen Kontrast zu der bisherigen, abstrusen Altweiberterrorlage in Form eines Absturzes in die Normalität bzw. anfangs sogar darunter (was dennoch nur ein ganz geringer Ausgleich für die Leiden davor ist):

Richttemperaturen auf 850 hPa für Frankfurt am Main, Stand 25.10.2019 12z mit zunächst Kälteabsturz (hurra!) ohne Niederschlag und zu viel Sonnenseuche, danach wärmer aber normal und mit Wolken und gelegentlichem Regen - Vollherbst! Man beachte: Weiß ist das Mittel aller Läufe aus den Wetterwahrscheinlichkeiten, fettes grün ist der hochaufgelöste Hauptlauf, blau ist die von mir eingezeichnete Vollherbstlinie. In Violett die Bandbreite der Möglichkeiten ab der Mittelfrist, die zeigt, dass jede Prognose ab dem 7. Tag nur noch identisch mit dem Zufall ist. © Wetterzentrale.de.
Richttemperaturen auf 850 hPa für Frankfurt am Main, Stand 25.10.2019 12z mit zunächst Kälteabsturz (hurra!) ohne Niederschlag und zu viel Sonnenseuche, danach wärmer aber normal und mit Wolken und gelegentlichem Regen - Vollherbst! Man beachte: Weiß ist das Mittel aller Läufe aus den Wetterwahrscheinlichkeiten, fettes grün ist der hochaufgelöste Hauptlauf, blau ist die von mir eingezeichnete Vollherbstlinie. In Violett die Bandbreite der Möglichkeiten ab der Mittelfrist, die zeigt, dass jede Prognose ab dem 7. Tag nur noch identisch mit dem Zufall ist. © Wetterzentrale.de.

Alle anderen Städte können hier bei den Richttemperaturen auf 850 hPa selbst in Augenschein genommen werden:

Wetterzentrale.de: 850 hPa-Temperaturen (oben links Stadt oder PLZ eingeben).
Kachelmannwetter.de: Multimodell 1.500m-Temperatur (die "XL-Prognose" ist bei Kachelmann die Multimodellprognose. Anderer Ort: Links oben eingeben).

Wer nicht die stabilen Richttemperaturen auf 850 hPa betrachten will, sondern gleich die endlich wieder normalen Herbst*-Bodentemperaturen direkt bei sich vor Ort, der greife hier unten bei der Mischkalkulation zu. Aber lasst bloß die Finger von allseits bekannten sofetischen Boulevardwetterportalen, die mit Näherungswerten und ohne jede Stationen Fantasietemperaturen generieren, die niemandem auffallen, "weils ja schon irgendwie halbwegs passt". Nur Kachelmannwetter hat seriöse Werte durch das DWD-Netz plus einem eigenen, das stetig wächst mit physikalisch echten, anfassbaren Wetterstationen und das sogar in der ganzen Welt!

Kachelmannwetter.de: Mischkalkulation (bei der 14-Tage-Prognose etwas weiter unten werden die wichtigsten Modelle als Basis genommen und die wahrscheinlichsten Werte extrapoliert. Auch hier einfach oben links Stadt eingeben).

Aussichten bis in den November 2019

Die konkrete Wetterlage* ist typisch meteorologisches Chaos und instabil und somit auch nicht in Stein gemeißelt. Wir erkennen ein Ausgreifen von Tiefdruckausläufern und oftmals günstigen Anströmungsmustern entlang der Rückseite der Tiefdruckgebiete.

Mittelfristig scheint sich die Lage auf keine Kaltphase zu entwickeln, sondern jahreszeitgemäße Temperaturen zwischen 8 und 15 Grad hier in Ofenhessen. Erfreulicherweise kommt es nach einer nach wie vor zu trockenen Phase zu gelegentlichen Niederschlagssignalen.

Auf die Langfrist muss man gar nicht lange eingehen, da diese in einer solchen instabilen Wetterlage* aus tiefdruckgesteuerten Situationen sich bereits in wenigen Tagen in der Prognose ändern kann. Die Rückkehr der Hitze- und Dürreseuche ist ebenso möglich wie eine plötzliche Kaltlage angesichts von oft negativer Arktischer Ozillation des Polarwirbels und der negativen Nordatlantischen Oszillation im Sonnenfleckenminimum.

Was allein wichtig ist: Der Herbstkönig setzt sich die Krone auf. Huldigt ihm und bewandert die Blätter, Gräber, Wälder und den Nebel! Herbstfeiert, solange die Krönungsfeierlichkeiten andauern.

Endlich setzt sich König Herbst mit Akklamation von Waccy auch in Deutschland die Krone auf!
Endlich setzt sich König Herbst* mit Akklamation von Waccy auch in Deutschland die Krone auf!



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Halloween ist eine gute Gelegenheit, um die Schönheit der Dunkelheit zu ehren! Sie sehen nichts? Dann: Hinweis.