Welche Folgen hat der Ausbruch des Vulkan Taal auf den Philippinen?

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Ausbruch des Taal mit beeindruckenden Blitzentladungen innerhalb der Eruptionssäule. © myWhoopsieDaisy auf Twitter.
Ausbruch des Taal mit beeindruckenden Blitzentladungen innerhalb der Eruptionssäule. © myWhoopsieDaisy auf Twitter.

Heute am 12. Januar 2020 ist der Vulkan Taal auf den Philippinen ausgebrochen.
Da die Philippinen doch etwas weiter weg sind und nicht jeder ein Vulkan-Nerd ist, hier einmal die Lokalisierung via GoogleMaps:

Einschätzung und Besonderheiten der Eruption am 12.01.2020

Die Meldungen über die Höhe der Eruptionssäule als Maßstab der Eruptionsstärke schwanken naturgemäß. Es scheint sich ein Wert von mehr als 10 und maximal 17 km zu etablieren, wobei grob 15 km wohl zutreffend sein dürften.

Gegenüberstellung des VEI-Faktors mit der ausgestoßenen Tephra bei spezifischen Vulkanausbrüchen der Vergangenheit.
Gegenüberstellung des VEI-Faktors mit der ausgestoßenen Tephra bei spezifischen Vulkanausbrüchen der Vergangenheit.

Damit erreicht die Eruptionssäule knapp die Stratosphäre und der Ausbruch des Taal ist damit durchaus einer Erwähnung wert. Die Stärke der Eruption dürfte auf dem Vulkanexplosivitätsindex VEI vermutlich auf Stufe 4 einzuschätzen sein. Zum Vergleich: Der Pinatubo brach 1991 mit VEI 6 aus, was globale Auswirkungen für 2 Jahre nach sich zieht. Ein Supervulkanausbruch entspricht VEI 8. Zu beachten ist, dass die Stufenzahl 1-8 selbst nichts über die Steigerung der Explosivität und den Ascheausstoß (Tephra = Vulkanasche aus zertrümmerter Lava) aussagt, da die Skala logarithmisch ist: Jede Stufe entspricht nicht doppelter Steigerung zur vorherigen, sondern einer Verzehnfachung!

Auch wenn die Eruption des Taal damit eher in eine Reihe moderater Ausbrüche einzuordnen ist, so sind die Bilder beeindruckend und bei diesem Ausbruch insbesondere die gewaltigen Blitzentladungen. Diese entstehen weil sich verschiedene Bereiche der Asche unterschiedlich ionisieren.

Was für eine Art Vulkan ist der Taal?

Gegensatz zu manch anderen Ausbrüchen der letzten Jahre wie dem Calbuco ist der Taal kein Schichtvulkan, sondern ein Calderavulkan. Calderavulkane bestehen wie der Name schon sagt nicht aus einem klassischen Vulkankegel, sondern im Gegenteil aus einer riesigen Mulde, Caldera genannt. Supervulkane wie der Yellowstone oder der Toba gehören zu den Calderavulkanen oder auch der größte deutsche Vulkan am Laacher See (der See selbst ist die Caldera).

Vor der Eruption 2020: Der Taal mit kleinem Kegel und Caldera im Jahr 1999. © NASA.
Vor der Eruption 2020: Der Taal mit kleinem Kegel und Caldera im Jahr 1999. © NASA.

Auch wenn der Taal in grauer Vorzeit einen VEI 6-Ausbruch erzeugt hat, waren die meisten Ausbrüche im Bereich eines VEI 4 oder geringer. Wir haben es also nicht mit einem Supervulkan zu tun. Die letzten Ausbrüche waren häufiger als man denkt, nämlich in den Jahren 1977, 1976, 1970, 1969 und 1968. Die gegenwärtige Eruption ist jedoch die stärkste seit dem Ausbruch von 1911.

Wichtig ist bei Vulkanen auch immer der Schwefeldioxidgehalt, der sehr stark variieren kann. So hatte der Mount St. Helens in den USA, der 1980 ausbrach, nur sehr geringe Volumina von Schwefeldioxid, während der Ausbruch des Tambora sehr viel Schwefeldioxid in die Stratosphäre pumpte und das Klima* zum "Jahr ohne Sommer" (wie wundervoll!) abkühlte.
Das Signal des Taal ist zumindest eindeutig, dass Schwefeldioxid in die Stratosphäre gelangte und dort typische Kühleffekte erzeugt:

Die Folgen: Gibt es jetzt einen späten Kaltwinter?

Schwefeldioxid verbindet sich nach dem Ausbruch mit Wasser zu Schwefelsäure und blockiert in der Stratosphäre die Sonnenstrahlen, wodurch sich eine Kühlwirkung ergibt - zunächst regional, später durch die Verteilung des Schwefels in der globalen Atmosphäre auch weltweit.

Nordatlantische Oszillation aktuell: Positive Indexwerte bedeuten Mildwetter für Europa. Die Eruption des Taal verändert zwar nicht den Index, hat aber die gleichen Auswirkungen. © <a target="_blank" href="https://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/precip/CWlink/pna/nao.sprd2.gif">NOAA</a>.
Nordatlantische Oszillation aktuell: Positive Indexwerte bedeuten Mildwetter für Europa. Die Eruption des Taal verändert zwar nicht den Index, hat aber die gleichen Auswirkungen. © NOAA.

Gefangen im Nichtwinter fragt sich der Kaltwetter.de-Leser natürlich, ob dieser Vulkanausbruch ein Geschenk des Himmels sei und wir nun dadurch einen späten Kaltwinter bekommen.
Leider muss ich die Hoffnungen hier enttäuschen, denn langjährige Analysen zeigen, dass Vulkanausbrüche im Winter in Europa Effekte erzeugen, die identisch mit einer positiven nordatlantischen Oszillation (NAO) sind. Mit anderen Worten: Europa erhält Mildwetterlagen, die wir seit Winterbeginn 2019/20 zuhauf haben.
Es könnte sogar sein, dass die theoretische Wahrscheinlichkeit von Warmings im Februar oder März durch den Vulkanausbruch nun auch noch eliminiert wird, sollte sie je bestanden haben. Einzig dass der Ausbruch des Taal ein recht kleiner VEI ist, könnte als Gegenargument dienen.

Ich zitiere aus meinem Artikel Wie beeinflusst die Sonne das Wetter im deutschen Sommer und Winter?

Heiko Brunck aber belegt schlüssig, dass man Vulkaneruptionen differenzierter betrachten sollte. Im Winter nämlich führen sie zu einer Erhöhung der Mitteltemperatur!
Er weist eine Erhöhung von 0,4 Grad Celsius von 1851-2012 für europäische Winter mit Vulkaneruptionseinflüssen nach, was nicht wenig ist im Mittel.

Brunck benennt einen „positiven NAO-Effekt“, der allerdings nicht zu einem positiven NAO-Index an sich führe, sondern allein auf die vulkanischen Aerosole und Schwefelsäure zurückzuführen sei. Diese führen zu Veränderungen der Stratosphäre.
Im Grunde überwiegt im Winter die reine Wärmewirkung der stratosphärischen Vulkanfolgen, da die terrestrische Rückstrahlung an den vulkanischen Stratosphärebestandteilen gestreut wird. Diese führen zu einem Effekt ähnlich einer positiven NAO und diese wiederum begünstigt, wie wir gesehen haben, Wetterlagen, die zu mildem Atlantikwetter im Winter führen.

Kühlt sich die Erde durch das Schwefeldioxid des Taal ab und bremst die Klimakatastrophe?

Wenn es schon nicht für eine Gehhilfe des deutschen Winters reicht, hat das Schwefeldioxid dann wenigstens eine globale Kühlwirkung im Kampf gegen die durchdrehende Klimakatastrophe?

Die Stratosphäre ab grob 15 km Höhe ist nicht so chaotisch in den Windverhältnissen wie unsere Troposphäre darunter, wo das Wetter* entsteht und der Chaosschmetterling frei walten und schalten kann. Die Winde in der Stratosphäre haben nur zwei Richtungen (West oder Ost) und die Schwefelsäurewolken bleiben daher recht intakt. Sie werden langsam in Nord- und Südrichtung weiter verteilt (in der Südhemisphäre schneller, da der Taal dort lokalisiert ist), bis sie sich nach einigen Monaten auflösen.

Darstellung des globalen "vulkanischen Forcings", also der Abkühlungsfolgen von vulkanischen Eruptionen auf die am Boden ankommende Wärmeenergie (in Watt pro Quadratmeter, linke y-Achse). Grün = Eruptionen in den Tropen, rot = Eruptionen auf der nördlichen Hemisphäre, grün = Eruptionen auf der südlichen Hemisphäre. x-Achse = Zeitskala in Jahren, verzeichnet sind die größten vulkanischen Eruptionen der Geschichte. Ganz rechts taucht auch noch als letzter Balken die Pinatubo-Eruption 1991 auf. © DeWikiMan auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 3.0.
Darstellung des globalen "vulkanischen Forcings", also der Abkühlungsfolgen von vulkanischen Eruptionen auf die am Boden ankommende Wärmeenergie (in Watt pro Quadratmeter, linke y-Achse). Grün = Eruptionen in den Tropen, rot = Eruptionen auf der nördlichen Hemisphäre, grün = Eruptionen auf der südlichen Hemisphäre. x-Achse = Zeitskala in Jahren, verzeichnet sind die größten vulkanischen Eruptionen der Geschichte. Ganz rechts taucht auch noch als letzter Balken die Pinatubo-Eruption 1991 auf. © DeWikiMan auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 3.0.

Da es sich bei der Eruption des Taal nur um einen VEI 4 handelt, ist die Wirkung zwar durchaus vorhanden, aber äußerst minimal. Ein messbarer Effekt wird daher kaum anzunehmen sein. Allerdings ist es durchaus richtig, dass mehrere Eruptionen und vor allem große ab VEI 6 das Klima* nachweislich für 1-2 Jahre herunterkühlen können, wie es einst nach der Eruption des Pinatubo 1991 erfolgte.
Mit anderen Worten: Eine große Vulkaneruption ist für uns ein Geschenk des Himmels, da sie uns Zeit geben würde und "normales Klima*" für einige Zeit wieder möglich machen würde. Allerdings kehrt die Klimakatastrophe nach dem Verschwinden der Schwefelsäurewolken dann mit voller Wucht zurück, wie es auch nach dem Ende der Pinatuboauswirkung ab ca. 1993/94 der Fall war.

Daher: Verabschieden Sie sich von den typisch hysterischen Meldungen unserer Epoche und ordnen das ganze realistisch ein. Es gibt eine minimale Kühlwirkung, da das Schwefeldioxid in die Stratosphäre gelangt ist, aber bei uns auf dem Boden werden Sie davon nichts mitbekommen. Denn selbst wenn es die Beschleunigung der Klimakatastrophe minimal bremst wie eine Ameise die an einem Bindfaden ein Fahrrad zieht, so beschleunigt die Klimakatastrophe natürlich trotzdem weiter. Das vulkanische Forcing ist verglichen mit dem Wahnsinn der Menschheit nicht einmal ein Tropfen in einem Lavasee.

Ausbruch des Taal 12.01.2020. © <a target="_blank" href="https://twitter.com/nadinechoi/status/1216367629130010624?s=20">nadinechoi auf Twitter</a>.
Ausbruch des Taal 12.01.2020. © nadinechoi auf Twitter.

Artikel rund um Vulkane und Klimawirkung
Gibt es mehr oder weniger Vulkanausbrüche durch die Klimakatastrophe?
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Wie viel tragen kleinere Vulkanausbrüche zum Klimaschutz bei?

Artikel zum Taal
• Electroverse.net: High-Level Eruption at Taal volcano, Philippines.
• Wikipedia: Taal (Vulkan).




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