Warum wir zu Geo-Engineering gezwungen sein werden

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Um das Thema Geo-Engineering drehen sich seit Jahren kleingeistige Argumentekarusselle, ob man sich als Menschheit solche Maßnahmen erlauben könne.

Entwicklung der Summe aller Treibhausgase in CO2-Äquivalenzwerte umgerechnet und nach verschiedenen Szenarien des IPCC. Man kann getrost alle Szenarien außer dem A1F1 ignorieren. Selbst das A1F1 mit hohen CO2-Emissionen wird sich als deutlich unterschätzend herausstellen, sobald eine Kipppunkt-Kaskade erfolgt. Quelle: European Environment Agency nach Daten des IPPC, Erklärung der Szenarien auf: Stephen Schneider, Stanford.
Entwicklung der Summe aller Treibhausgase in CO2-Äquivalenzwerte umgerechnet und nach verschiedenen Szenarien des IPCC. Man kann getrost alle Szenarien außer dem A1F1 ignorieren. Selbst das A1F1 mit hohen CO2-Emissionen wird sich als deutlich unterschätzend herausstellen, sobald eine Kipppunkt-Kaskade erfolgt. Quelle: European Environment Agency nach Daten des IPPC, Erklärung der Szenarien auf: Stephen Schneider, Stanford.

Was dabei offenbar so gut wie alle vergessen: Die Menschheit betreibt doch längst Geo-Engineering! Genauer gesagt seit 1830, als mit der Industriellen Revolution der Treibhausgaswahnsinn auf diesem Planeten Einzug hielt. Das ungewollte planetare Geo-Engineeringprojekt der Menschheit eines irrsinnigen Treibhausgaseffekts in Rekordzeit ist mittlerweile außer Kontrolle geraten und droht nicht wie in vorherigen Massensterben der Erdgeschichte innerhalb von zehntausenden oder Millionen Jahren die Menschheit und so gut wie alle anderen Arten auf der Erde auszulöschen, sondern in ca. 20 bis 100 Jahren. Dieser höchst effektive Massenselbstmord ist bereits Geo-Engineering der höchsten vorstellbaren Eskalationsstufe.

Somit ist es aus einer übergeordneten Sicht völlig klar und steht absolut und vollkommen umfassend außer Frage, dass wir zu gegenläufigem Geo-Engineering gezwungen sein werden, vorausgesetzt wir wollen uns und den Rest der überlebenden Spezies der Biosphäre des Planeten Erde retten.

Nachdenken, neu denken, Nachhaltig! Sie sehen nichts? Dann: Hinweis.

Was ist Geo-Engineering?

Zunächst sollte Klarheit über die Begrifflichkeiten herrschen. Was ist Geo-Engineering? Man versteht darunter alle künstlichen, also von außen vorgenommenen Eingriffe in Kreisläufe der Erde, allen voran des Klimas, mit Hilfe von technischen Mitteln.

Es wird folglich mit technischen Mitteln versucht, die Ursachen und Folgen des durch den Menschen initiierten galoppierenden Treibhauseffektes umzukehren oder zumindest zu stoppen.

Welche Methoden werden bisher diskutiert?

Geo-Engineering ist gar nicht so schwer und daher gibt es bereits seit Jahren viele Ideen, wie man das Klima* der Erde wieder normalisieren könnte.

© Helmholtzzentrum.
© Helmholtzzentrum.

Quasinatürliche Eingriffe: Darunter fallen Methoden wie die massive globale Aufforstung oder das Einbringen von gemahlenem Steinmaterial in die Ozeane, um Kohlendioxid zu binden.
Auch das in letzter Zeit oftmals erwähnte Aufforsten der Wälder zählt natürlich dazu - was aber vollkommener Schwachsinn ist, da die Wälder durch die Klimakatastrophe selbst absterben, insbesondere durch die Dürren, und damit das Pflanzen eine Sisyphus-Handlung ohne nachhaltigen Sinn darstellt und somit nur eine symbolische Wirkung hat, die letztlich zumindest nicht schadet.

© Helmholtzzentrum.
© Helmholtzzentrum.

Optimieren vorhandener Faktoren: Mit weißer Farbe könnte man die Albedowerte dunkler Straßen und Häuserdächer beträchtlich erhöhen und damit die Sonnenenergie zurückstrahlen - wie bereits in den USA lokal umgesetzt. Ins Meer gekippte Ernteabfälle könnten große Mengen Kohlendioxid durch verlangsamten Zerfall in der kühlen Tiefe binden. Die Kohlendioxidbestandteile der Fabrikproduktion könnte statt sie unkontrolliert zu emittieren abgesaugt und gespeichert oder für weitere Verwendung mit anderen Industriezweigen bereitgestellt werden.

© Helmholtzzentrum.
© Helmholtzzentrum.

Technische Lösungen: Die Bandbreite der Ideen ist hier sehr groß und innovativ. Es wird beispielsweise über künstliche Bäume, die Kohlendioxid aus der Luft filtern geforscht, über Boote, die Meerwasser in die Atmosphäre pumpen oder über schwarze Scheiben nachgedacht, die im Erdorbit das Sonnenlicht verstärkt absorbieren sollen, bevor es auf die Erde trifft.

Eine ausführliche Auflistung findet man hier: Klempnern am Klima (Helmholtz.de). Bilder und Beschreibungen finden sich auch in meinem Artikel: Geo-Engineering: Auf Knopfdruck in die Eiszeit?

Welche Risiken birgt Geo-Engineering?

Die Risiken des Geo-Engineering stehen allein durch den Treibhausgasirrsinn der Menschheit uns allen vor Augen. Doch was passiert, wenn wir mit gutgemeinten Eingriffen bei einem Versuch, die mörderischen Folgen des Treibhauseffektes zu eliminieren am Ende durch mangelhaftes Wissen die Apokalypse ungewollt beschleunigen?

Dies kann durchaus passieren, weil die Kreisläufe und Interdependenzen des Systems Erde so komplex sind, dass wir sie nicht vollständig begreifen, nicht einmal annähernd. Allein die Idee eines "Albedoschilds" im Weltraum mit Hilfe von schwarzen Scheiben oder eines reflektierenden Spiegels würde nur bestimmte Regionen der Erde abschirmen. Durch das Ungleichgewicht der Sonneneinstrahlung würden sich vermutlich Stürme bilden und Extremwetter verstärkt werden. Die Folgen sind unabsehbar, da es sich um eine Kausalitätskette handelt, die dem Chaosprinzip unterliegt: Kleinste Veränderungen in den Anfangsbedingungen können am Ende zu einer Katastrophe führen.

Insektensterben: Folgen des "Geo-Engineeringexperiments Treibhausgasselbstmord" des Homo sapiens im sog. Anthropozän. © Statista.com.
Insektensterben: Folgen des "Geo-Engineeringexperiments Treibhausgasselbstmord" des Homo sapiens im sog. Anthropozän. "Caddisflies" sind übrigens Köcherfliegen. © Statista.com.

Auch vermeintlich "natürliche" Eingriffe wie das Einbringen von CO2-bindendem Steinstaub in die Ozeane könnte neben der Freisetzung von hochgiftigen Nebenprodukten die marine Flora und Fauna zerstören, die durch die Todeszonen ohnehin schon gefährdet sind.

Diese Liste ließe sich nahezu endlos fortführen und zeigt das Kernargument auf, das wir im Grunde schon immer wussten, aber nie verstanden haben, was es wirklich bedeutet: Wir sind Teil einer Gesamtheit der Biosphäre des Planeten Erde. Wir und alles Leben auf der Erde sind nicht nur genetisch und evolutionär miteinander verbunden, sondern in interdependenten Abhängigkeiten ebenso - nicht nur auf eine sondern auf unzählige Weise und damit sind wir voneinander abhängig in direkten oder indirekten Symbiosen auf Makromaßstäben. Es mag dauern, doch am Ende ist der völlig überraschende und alarmschrillende Tod der Insekten (auch hier gibt es "Leugner", die als Verräter am Planeten aus Geldgründen Lügen verbreiten: nachzulesen bei Regionalverband Südlicher Oberrhein) und der Tod der Artenvielfalt auch das Ende des Menschen, es dauert nur, bis die Zündlunte die Bombe vor unseren Füßen gezündet hat. Geo-Engineeringmethodik ist ein Teil dieses Problems und des damit zusammenhängenden Risikos.

Blick in die Zukunft: Geo-Engineering ohne Risiko?

Blicken wir mit einem Schuss futuristischen Glaubens in die Geo-Engineering-Zukunft. Sollten sich die Hypothesen um den Quantencomputer bewahrheiten, dessen erste Manifestationen sich in unserer Zeit bereits ereignet haben, dann könnte diese technologische Entwicklung der Game Changer sein.

Quantencomputer: Ultimatives Risikomanagement auch für das Geo-Engineering?
Quantencomputer: Ultimatives Risikomanagement auch für das Geo-Engineering?

Denn der Quantencomputer ist ungefähr das, was ein heutiger PC für einen alten Griechen gewesen wäre, der noch mit dem Abakus hantiert. Nicht mehr und nicht weniger. Und dieser Umstand wird von den meisten Menschen noch nicht annähernd begriffen. Wie weit wir jedoch trotz etwas vorschneller Jubelmeldungen von einem funktionierenden Quantencomputer, geschweige denn dem Masseneinsatz entfernt sind, lässt sich momentan im Jahre 2019 noch nicht seriös beantworten.

Ich gehe nach meiner Theorie davon aus, dass die Evolution zu technischen Neuerungen führt, die uns im Guten und im Bösen befähigen, eine solche Krise zu bewältigen oder final in den Sand zu setzen. Das Überschreiten technischer Grenzen stellt uns also nicht aus purem Zufall unfassbare Möglichkeiten von Genetik, Kybernetik, Computertechnik und "Künstlicher Intelligenz" zur Verfügung, sondern es handelt sich dabei um logische Determinanten einer hochentwickelten Evolutionskausalität. Ich gebe allerdings zu, diese Theorie ist kaum zu belegen oder zu widerlegen und damit reine Hypothese.

Viel wichtiger ist, ob uns speziell der Quantencomputer mit seiner millionenfachen Leistungssteigerung befähigt, die Risiken von Geo-Engineering-Eingriffen zu berechnen und damit den Einsatz frei von Risiko zu gestalten.
Sollte die Quantencomputertechnik das halten, was sie potentiell verspricht, dann wird sie zum heiligen Gral in der Klimakatastrophe werden.

Und wenn nicht?

Bereit für das Massenaussterben? Sie sehen nichts? Dann: Hinweis.

Geo-Engineering ist selbst mit den Risiken alternativlos

Die bittere Wahrheit ist, dass wir in jedem Fall zum Geo-Engineering gezwungen sein werden. Aber warum?

Im Jahr 2019 und auch in den Jahren davor sehen die meisten Menschen die Welt nur in ihrem Ist-Zustand und nicht in den Folgen, die kommen werden. Die meisten reden sich mit ihrer Unfähigkeit heraus, nicht in die Zukunft sehen zu können ("Wer weiß schon, was kommt?") oder ergeben sich in irrationalen Illusionen eines Hoffnungsseils, an dem sie sich traditionell zu Tode ziehen - das nennen sie dann "Optimismus".

Ich sage jedoch: Die Daten der verschiedenen Entwicklungen an den Fronten klimatischer Kipppunkte - vom Thema Regenwaldvernichtung über Waldbrände, schmelzende Gletscher, BOE in der Arktis, die zusammenbrechende Westantarktis bis hin zur Schwächung des Golfstroms und der Methanmassenemission in den Permafrostgebieten - zeigen glasklar auf, dass wir uns auf einem Weg einer exponentiellen Vernichtungskurve befinden (oder sogar einer mit kubischem Verlauf). Das bedeutet: Die Geschwindigkeit der Eisschmelze, Hitzewellen und aller miteinander verbundenen Kausalitätsketten bleibt nicht gleichförmig, sondern beschleunigt und die Beschleunigung steigert sich zudem auch noch. Wir befinden uns auf dieser exponentiellen/kubischen Kurvendiskussion unserer eigenen Extinktion noch im unteren Bereich, wo die Beschleunigungsansätze zwar erkennbar, aber noch nicht wirksam geworden sind.

Um dies zu veranschaulichen, habe ich die Risikofaktoren in den drei klassischen mathematischen Wachstumskurven linear, exponentiell und kubisch dargestellt. Die Risikofaktoren in den beschriebenen Folgen der Klimakrise steigen stetig an und beschleunigen sich. Die Risikofaktoren des Geo-Engineering halte ich nur für linear, da der zunehmend intensivere Einsatz mit zunehmendem Risikofaktor der Folgen durch technische Evolution gemindert und bis zu einem gewissen Grad ausgeglichen wird.
Natürlich handelt es sich bei dieser Grafik nur um eine grobe Veranschaulichung und nicht um eine exakte Datenanalyse. Streng genommen müsste die rote Geo-Engineeringkurve nicht bei 0 beginnen im Jahr 1960, sondern auf dem ersten Level der y-Achse anfangs stagnieren, um dann mit zunehmender Klimakrise ab etwa 2010 linear anzusteigen.

Symbolische Veranschaulichung der Risikofaktoren von exponentiell (grün) bzw. kubisch anwachsender (blau) Klimakrise sowie linear ansteigender Risikofaktor des Einsatzes von Geo-Engineering (rot). Überschneidungen, ab denen das Risiko von Geo-Engineering geringer ist als das Risiko der Klimakrise liegen bei 2030 (kubisch) und 2047 (exponentiell). © Kaltwetter.de.
Symbolische Veranschaulichung der Risikofaktoren von exponentiell (grün) bzw. kubisch anwachsender (blau) Klimakrise sowie linear ansteigender Risikofaktor des Einsatzes von Geo-Engineering (rot). Überschneidungen, ab denen das Risiko von Geo-Engineering geringer ist als das Risiko der Klimakrise liegen bei 2032 (kubisch) und 2047 (exponentiell). © Kaltwetter.de.

Die Epoche der mal wieder "wilden 20er Jahre" von 2020 bis 2030 wird jedem einzelnen Menschen die Augen öffnen, weil die Folgen unvorstellbare Ausmaße annehmen werden und wir werden nicht mehr lange darauf warten müssen ...

Somit werden die Folgen natürlich auch zunehmende Opferzahlen sein. Vor allem durch Hitzewellen im "Treibhausgashalbjahr" des Sonnenhochstandes, aber auch durch Unwetterextreme, Hungersnöte und Wasserknappheit in den Dürren.

Am Ende werden sich die Kurven überschneiden: Die Katastrophen der Klimaapokalypse werden immer weiter ansteigen und irgendwann schneidet sie die Risikokurve des Geo-Engineerings. Die Kurve der Klimakrise verläuft wie gesagt mindestens exponentiell, die Risikokurve des Geo-Engineering steigt langsamer an, da wir je später wir beginnen, umso größere Risiken eingehen müssen um die immer stärkeren Folgen der Klimakrise ausgleichen zu können.

Zustand der Welt und düstere Entwicklungsprognosen für die Zukunft, wie es von 15.000 Wissenschaftlern gesehen wird. Einer der wichtigsten Artikel bei Wikipedia: Globale Umweltveränderungen und Zukunftsszenarien.
Zustand der Welt und düstere Entwicklungsprognosen für die Zukunft, wie es von 15.000 Wissenschaftlern gesehen wird. Einer der wichtigsten Artikel bei Wikipedia: Globale Umweltveränderungen und Zukunftsszenarien.

Irgendwann in der Zukunft, ich nehme einmal 2030 als hypothetischen Zeitpunkt, werden sich dann nicht nur ich und jeder einzelne, sondern vor allem auch die Entscheider die überaus bittere Frage stellen müssen: Können wir tatenlos sichere Milliarden Opfer geschehen lassen? Oder müssen wir das Risiko des Geo-Engineerings mit vielleicht Millionen möglicher Opfer hinnehmen, um Milliarden zu retten?

Daher können wir uns heute schon gedanklich darauf einstellen, dass die Zukunft im Überlebenskampf, der vielleicht 2030-2045 liegen wird, den Einsatz des Geo-Engineerings auf jeden Fall sehen wird und dieser risikobelastete Einsatz des technischen Potentials der Menschheit unsere letzte Trumpfkarte sein wird im ansonsten sicheren Untergang des größten Massensterbens aller Zeiten auf diesem Planeten.
Denn dass die Menschheit sich plötzlich in ein bis zwei Jahrzehnten nach tausenden vergeblichen Jahren von einer größtenteils gierigen und von ihren Trieben abhängigen Lemmingmasse in eine aus intelligenten Individuen zusammengesetzten Zukunftsgesellschaft verwandeln wird, ist eine Vorstellung, die mehr mit einem Märchen gemein hat als mit der harten Realität.

Artikel
• Helmholtz-Zentrum: Klempnern am Klima.
• Helmholtz-Zentrum: "Da dürften Jahrzehnte vergehen" - Interview mit Klimaforscher Andreas Oschlies.
• Scinexx.de: Geo-Engineering: Realistisch umsetzbar?
• Scinexx.de: Geo-Engineering: Ende mit Schrecken?
• Scinexx.de: Geo-Engineering: Weitere Erwärmung der Ozeane?




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