Klimaflucht nach Ostfriesland!

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Nichts für Sofeten: Stürmische, kühle, historisch assoziierte Nordsee und Ostfriesland, nördliches Erlöserland in Zeiten eines in der Klimakatastrophe brennenden Deutschlands.
Nichts für Sofeten: Stürmische, kühle, historisch assoziierte Nordsee und Ostfriesland, nördliches Erlöserland in Zeiten eines in der Klimakatastrophe brennenden Deutschlands.

Fernab des heiligen Ostfriesland: Horden von in Jahrzehnten indoktrinierten Hitzeperversen bejubeln den "Frühling", der gar keiner mehr ist, sondern nur noch ein gleißend brennender "Glühling", der den Beginn des Treibhausgashalbjahres als Beginn von Hitzetod, Dürren und Sofentenlärm kennzeichnet.

Immer mehr Menschen fließen daher in den kühlen Norden nach Ostfriesland, wo die im Winter abgekühlte Nordsee (die sich insgesamt dennoch bedrohlich erwärmt) für regional normale Klimaverhältnisse sorgt - mit etwas Glück.
Mit ostfriesischem Genetikhintergrund geht es natürlich auch für mich und meine Familie in den hohen Norden in eine Region, die von den meisten nur als Palmenstrandersatz für Arme geistig geschändet wird, aber in Wahrheit ein Heiligtum altgermanischen Geschmacks ist, mit wunderbar düsteren Mooren, mit sturmgepeitschten Wellen der "Mordsee", von deren Küsten aus unsere Vorfahren England eroberten, ja sogar die Römer waren dort und konnten sich jammernd über das nichtitalische Wetter* nicht halten.

Der Urlaub in Ostfriesland* war somit abgesehen von Kindheitserinnerungen natürlich auch eine Klimaflucht vor der tropenhessischen Frühlingsbackofenhitze. Und tatsächlich: Kaum angekommen, spürt man den Unterschied deutlich. Erst am Thermometer* (10 statt 20 Grad), dann auch vom subjektiven Gefühl: Durch den stetigen Seewind wurden die ohnehin bereits traumhaft "normalen" Frühlingstemperaturen wie aus den 1970er Jahren nochmals heruntergekühlt. Während der 2 Wochen war man von gefühlt 5 bis 8 Grad umgeben - ein Traum, der beinahe zu Tränen rührt!

Landschaft in Ostfriesland von endloser Weite, wie ein Zwilling des Meeres.
Landschaft in Ostfriesland von endloser Weite, wie ein Zwilling des Meeres.
Wolkenpanoramen, wie es sie nur an der Küste gibt: Quellwolken wie mächtige Hansekoggen, die über den Himmel segeln.
Wolkenpanoramen, wie es sie nur an der Küste in Ostfriesland gibt: Quellwolken wie mächtige Hansekoggen, die über den Himmel segeln.

Endlich konnte man im leichten Pullover spazierengehen und wandern, ja an der Küste war man sogar gezwungen, zeitweise jene dünne Jacke anzuziehen, die ansonsten 350 Tage im Jahr im Schrank ihr Dasein fristet! Eine Atmosphäre, frei von Hitzesorgen, umtost von friesischem Wind, ohne Schwitzen, voller Energie, befreit und entkettet. Ostfriesland, wie es ist und wie man es seit der Kindheit in den 1970er Jahren kennt!
Zwar sind die friesischen Touristenattraktionen überschaubar. Hier lohnt sich das größte Moor Deutschlands, das "Eversmeer" oder "Ewiges Meer" - aber nur in der Dämmerung oder bei Wolkenwetter. Im Sonnenschein verliert das Hochmoor leider völlig seinen Reiz, der an Germanen, Moorleichen und an eine Szene im Herrn der Ringe erinnert. "Folgt nicht den Lichtern" ...

Auch Greetsiel ist eine Reise wert und das Lütetsburger Schloß mit Parkanlage ebenso - der bestimmende englische Landschaftsgarteneinfluss des weitläufigen Parks macht die Natur nicht geometrisch dem Betrachter untertan, sondern ahmt die fließende, harmonische Natur nach mit dem Effekt, dass die Seele in Schönheit und Ruhe badet.
Natürlich sind das Watt und die Nordsee, sprich der Atlantik, die größte Attraktion. Im Gegensatz zu anderen Ozeanen, die an Küsten nagen, hat die Nordsee etwas Düsteres, Dunkles, Urtümliches und auch Gefährliches. Dass die friesische Küste in besonderem Maße berühmt ist für ihre so gut wie immer brennenden Sonnenuntergänge, ist ein offenes Geheimnis und tatsächlich konnte man täglich am Abend einen blutroten Glutball bestaunen, der zu meinem Jubel im Atlantik "ersoff" 😉

Doch wer benötigt schon herkömmliche Touristenattraktionen für die Massen?
Das Wandern in der eigentümlichen Landschaft von Ostfriesland, die Erinnerungen an tausende Jahre, an Vorfahren und an Zeit, deren Gestade wie Wellenschlag an die Seele branden und nicht zu Verstehendes fühlbar machen, sind so viel tiefer und natürlicher als künstliche Glotzbühnen für die Massen. Wenn man dann windgeschüttelt und von salziger Gischt erfrischt in die friesische Stube zurückkehrt, gedenkt man bei der ostfriesischen Teestunde der Zeiten Wandel und der Schönheit des Kaltwetters. Übrigens: Nur Onno Behrends hat den richtigen Ostfrieslandtee!

Nur Touristen brauchen überschätzte friesische Inseln! Die wahre Schönheit von Ostfriesland liegt im Binnenland und der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Moorkolonisierung#Fehnsiedlungen">Fehnlandschaft</a> (Fehn = mit Kanälen be- und entwässertes Land), die von alten Zeiten flüstert.
Nur Touristen brauchen überschätzte friesische Inseln! Die wahre Schönheit von Ostfriesland liegt im Binnenland und der Fehnlandschaft (Fehn = mit Kanälen be- und entwässertes Land), die von alten Zeiten flüstert.
Der deutsche Teil des Atlantiks, auch Nordsee genannt. Von hier brachen Friesen zur Eroberung Englands auf und wurden Wikingerüberfälle zurückgeschlagen (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Norditi">Schlacht bei Norditi</a>). Die Sonne ertrinkt passenderweise bei eiskalten 8 Grad und stürmischem Wind im Atlantik in Ostfriesland.
Der deutsche Teil des Atlantiks, auch Nordsee genannt. Von hier brachen Friesen zur Eroberung Englands auf und wurden Wikingerüberfälle zurückgeschlagen (Schlacht bei Norditi). Die Sonne* ertrinkt passenderweise bei eiskalten 8 Grad und stürmischem Wind im Atlantik in Ostfriesland.

Neben den unglaublich kühlen Temperaturen gab es noch etwas, das sofort ins Auge fiel: Während in Tropenhessen bereits vor 4 Wochen die Bäume blühten und grünten, war Ostfriesland noch im "normalen" Frühlingszustand: Kahle Bäume, spärliche Blumen. Erst nach den 2 Wochen begannen die Bäume zu knospen und was erwartet einen dann nach der Rückkehr für ein grauenhafter Anblick? Kein normaler Frühling, der zart auf Schwingen ins Land kommt und der gerade in der zarten Andeutung seine Ästhetik findet. Nein, eine Masse an schwärenden, gärenden, blähenden Bäumen und Pflanzen*, die eher an eine abstruse Perversion erinnern denn an einen Frühling wie er sein sollte.

Diese Diskrepanz an einem einzigen Tag im Vergleich zu erleben, ist kein geringer Schock und ein Beweis, welch andere Klimazone mittlerweile die friesische Küste im Vergleich zum Backofen Restdeutschlands, vor allem in den Hitzezentren, darstellt.

Der Urlaub in Ostfriesland war somit mehr als nur die Rückkehr in ein Kaltwetterklima. Er war auch eine Erkenntnis, dass man im Grunde gar nicht mehr zurückwollte, aber dass die kühlen Temperaturen nur ein Teil davon waren. Das Gefühl, nach Hause zu kommen, war viel größer als die sonst übliche Eingewöhnungszeit an eine "fremde" Urlaubsumgebung.
Ein Freund hatte eine Antwort parat auf meine Frage, warum es mich in den hohen Norden zieht und je älter ich werde, umso drängender und dringender dieses Gefühl wird: "Deine Ahnen schreien dich an: Bleib' da!". Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Baum im barocken Lütetsburger Schlosspark in Ostfriesland: Frühling, der erst spät einsetzt, wie es sein sollte!
Baum im barocken Lütetsburger Schlosspark in Ostfriesland: Frühling, der erst spät einsetzt, wie es sein sollte!
Für (Teil-)Ostfriesen unerlässlich: "Granat" (Krabben) puhlen.
Für (Teil-)Ostfriesen unerlässlich: "Granat" (Krabben) puhlen.




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