Klimakrise: Grönlands Rückkopplungseffekt der Eisplatten und das Scheitern der Wissenschaft

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Gefrorener Schmelzwassersee in Grönland am 07. Mai 2012 (Rekordschmelzjahr). © NASA/Jim Yungel, www.nasa.gov/mission_pages/icebridge/index.html NASA Goddard Space Flight Center.
Gefrorener Schmelzwassersee in Grönland am 07. Mai 2012 (Rekordschmelzjahr). © NASA/Jim Yungel, www.nasa.gov/mission_pages/icebridge/index.html NASA Goddard Space Flight Center.

Wann lernen es die Wissenschaftler und die Kritiker endlich?
Unzählige "Nachbesserungen" aufgrund von jährlichen "Überraschungen" sind um ein weiteres Kapitel bereichert: In Grönland haben sich "völlig überraschend" Eisplatten gebildet, die die Eisschmelze vervielfachen. Auch der Meeresspiegelanstieg werde unterschätzt.

Was haben Eisplatten mit einer gesteigerten Eisschmelze zu tun?

Bekanntlich unterliegt Grönland Temperatur- und Wetteränderungen unvorstellbaren Ausmaßes, wie wir erneut in diesem Sommer 2019 erlebt haben: Der Krimi der Eisschmelze in Grönland.

Die Ausdehnung von Schmelzzeiten führt zu einer Entwicklung, die Wissenschaftler bisher (mal wieder) nicht berücksichtigt haben: Die Schmelzen und der zurückkehrende Frost führen zur Bildung massiver Eisplatten in Grönland, die sich mit den zunehmenden Entwicklungen aus der Klimakrise auf größere Bereiche ausdehnen.

Beispiel für eine Firnfläche auf dem Säuleck in Österreich. © Doronenko auf flickr.com, Lizenz: CC BY 3.0.
Beispiel für eine Firnfläche auf dem Säuleck in Österreich. © Doronenko auf flickr.com, Lizenz:

Eisplatten verhindern ein bisher übliches Einsickern des Schmelzwassers über den teildurchlässigen, porösen Firn (Altschnee). Das Schmelzwasser wird auf diese Weise nicht wieder Teil des grönländischen Eisschilds, sondern fließt ab ins Meer, wo es zum Meeresspiegelanstieg beiträgt.
Grund für diese Entwicklung sind die mittlerweile viel zu großen Mengen des Schmelzwassers, die der Firn nicht mehr aufnehmen kann. In den jährlich ab September zurückkehrenden Frostzeiten wird das nicht abgeflossene Schmelzwasser im Firn zu Eis und verschließt die Poren - es bilden sich Eisplatten.
Diese benötigen anschließend in den Folgejahren nur noch geringe Mengen Schmelzwasser, um erhalten zu bleiben.

Nach den Forschern wird diese fatale Rückkopplungskausalität der Eisplatten die Eisschmelze verschärfen, da
(a) mehr Schmelzwasser abfließt statt wie bisher zu versickern und
(b) Eis bekanntlich eine weitaus niedrigere Albedo als Schnee* hat - die Sonnenenergie wird aufgenommen statt reflektiert und erhöht die Eisschmelze.

Die Schmelzpegel und Schmelzwasserabflussraten in Grönland steigen (die Auswahljahre liegen allesamt über dem Mittel). Oben: Schmelzwasserabfluss von bedeutenden Schmelzereignissen in Mrd. Tonnen pro Tag, Unten: Gesamtschmelze des gleichen Zeitraums; © X. Fettweis, Université of Liège, Belgium/MAR regional climate model auf der Seite des NDISC.
Die Schmelzpegel und Schmelzwasserabflussraten in Grönland steigen (die Auswahljahre liegen allesamt über dem Mittel). Oben: Schmelzwasserabfluss von bedeutenden Schmelzereignissen in Mrd. Tonnen pro Tag, Unten: Gesamtschmelze des gleichen Zeitraums; © X. Fettweis, Université of Liège, Belgium/MAR regional climate model auf der Seite des NDISC.

Die Schätzungen gehen von 17 bis 74 mm zusätzlichem Meeresspiegelanstieg durch den Eisplatteneffekt aus. Angesichts des geringen Kenntnisstandes des Verhaltens von Eisschilden in Blitzaufheizungen des Planeten (gab es vorher so nicht) und des bisherigen Auftretens sog. "Überraschungen der Wissenschaft" (bspw. Schwarzes Eis) gehe ich davon aus, dass der faktische Meeresspiegelanstieg weitaus höher ausfallen wird als heute angenommen und deutlich schneller erfolgen wird.

Wendet man die Erkenntnisse des sog. Schmelzwasserpuls 1a aus vergangenen Zwischenwarmzeiten an, so sind Sprünge von 1 Meter Meeresspiegelanstieg in 10 Jahren möglich: Schmelzwasserpuls 1a. Allerdings ist nicht bekannt, unter welchen exakten Bedingungen dies geschehen kann und damals erfolgt ist.

Anhand Grönlands aktueller Entdeckung der Systematik rund um die Eisplatten stellt sich die Frage, die seit 2015 oder sogar noch früher auf der Hand liegt: Warum zum Teufel liegt die Wissenschaft bei der Klimakatastrophe andauernd falsch und ist gezwungen, jedes Jahr zurückzurudern und die Prognosen allesamt immer nur in eine Richtung nachzubessern, nämlich nach oben in mehr Hitze, mehr Eisschmelze, mehr Meeresspiegelanstieg, mehr Rückkopplungskausalitäten, mehr katastrophalen Folgen aus der Klimakrise?

Die Wissenschaft ist zum ersten Mal an ihre Grenzen gestoßen!

Die Wissenschaftliche Methodik ist so erfolgreich gewesen, dass sie nahezu religiöse Ausmaße angenommen hat (obwohl sie ja im absoluten Gegensatz zum Glauben steht, allein schon aus eigener Erfahrung aus der Wissenschaftsgeschichte mit zahlreichen Hinrichtungen in Mittelalter und Früher Neuzeit).
Nicht zu Unrecht - immerhin verdanken wir ihr alles, was wir heute an Annehmlichkeiten (und Problemen) haben und nicht zuletzt das schädelberstende Wunder einer Mondlandung.

Dies alles hat die Wissenschaft unangreifbar gemacht. Der Philosoph aber weiß, dass Metakritik unerlässlich ist und in dieser Tradition habe ich seit 2015 gewarnt, dass in Bezug auf Qualität und Schnelligkeit der klimatischen Globalkatastrophe die Wissenschaft komplett versagt!

Das Versagen der Wissenschaft in Bezug auf die Klimakatastrophe: Stete Nachbesserung der Prognosen stets nur Richtung Katastrophe sind ein Beleg für falsche Einschätzungen und dass die Klimakatastrophe für die Arbeit der Wissenschaftler viel zu schnell abläuft.
Das Versagen der Wissenschaft in Bezug auf die Klimakatastrophe: Stete Nachbesserung der Prognosen stets nur Richtung Katastrophe sind ein Beleg für falsche Einschätzungen und dass die Klimakatastrophe für die Arbeit der Wissenschaftler viel zu schnell abläuft.

Schon damals konnte ein Laie wie ich aus den frei verfügbaren Daten extrapolieren, dass nahezu alle Aspekte der Klimakatastrophe exponentiell unterschätzt werden, von der Eisschmelze über den Meerespiegelanstieg bis hin zu anderen Kippunkten wie Permafrostschmelze, Waldbränden und vor allem den Hitzewellen, allen voran in Deutschland als weltweit schlimmster Opferregion durch Kausalitäten des Jetstream und der Golfstromabschwächung.
Und statt diese Wahrheiten zu erkennen, wurde man als "Alarmist" und "Hysteriker" beschimpft.

Heute, 2019, haben sich nicht nur alle meine Prognosen von 2015 und 2016 bewahrheitet, sie wurden sogar übertroffen. Sommer mit 40 Grad? Undenkbar? Von klimatologischer Kenntnis selbstbefreite Meteorologen riefen damals: "Das ist ein Einzelfall".
42,6 Grad betrug der Hitzerekord ausgerechnet im kühlen Emsland von Ostfriesland im Sommer 2019 in Lingen an der Ems und jedes Jahr seit 2015 erfolgen 40 Grad in den Hitzezentren und jedes Jahr purzeln die Hitzerekorde reihenweise, so auch 2019.

1900-2010 waren es noch 1.7mm pro Jahr. Noch erfolgt der Anstieg weitestgehend linear, aber mit messbarer Beschleunigung. Ein Schmelzwasserpuls müsste theoretisch die Raten verdreißigfachen auf ca. 10 cm pro Jahr. Quelle: NASA.
1900-2010 waren es noch 1.7mm pro Jahr. Noch erfolgt der Anstieg weitestgehend linear, aber mit messbarer Beschleunigung. Ein Schmelzwasserpuls müsste theoretisch die Raten verdreißigfachen auf ca. 10 cm pro Jahr. Quelle: NASA.

Ich habe 2016 gewarnt, dass die Eisschmelze massiv unterschätzt werde. Die Eigendynamik und Rückkopplungseffekte waren schon damals völlig offensichtlich, sodass die "offiziellen" Zahlen mir schon damals als ein schlechter Witz erschienen. Heute werden selbst meine Prognosen von damals überschritten. Von zehntausenden bis hunderttausenden Jahren war da die Rede. Mittlerweile sind wir bei tausenden Jahren oder sogar nur hunderten angelangt wie beim letzten Schmelzwasserpuls vor 24.000 Jahren ("deutet dies auf ein fast vollständiges Abschmelzen des dortigen Eisschildes binnen 400 Jahren" - Wikipedia).

Woran liegt das eigentlich?
Dass der Normalmensch ohne Befähigung zum Strukturdenken und ohne wissenschaftliche Ausbildung das nicht hinbekommt, ist klar. Aber der Wissenschaftler ist seit Jahren oftmals ebenso ein Scharlatan und zwar, weil er sich aus Angst um den eigenen Karriereruf nicht traut, die Wahrheit zu sagen. Es gibt genug Beispiele, wo Wissenschaftler privat, wenn die Kameras nicht laufen, sagen und gesagt haben, wie es wirklich kommen wird, nämlich als eine unvorstellbare Katastrophe in geologisch rasender Schnelligkeit.
Doch diese Einschätzungen lassen sich konservativ wissenschaftlich nicht belegen, da hierzu die Jahrzehnte an Daten fehlen. Das aber ist nur eine billige Ausrede. Der Wissenschaftler hat die Verantwortung, auch mögliche Rückkopplungseffekte als wahrscheinlichen, wenn auch momentan noch im Detail unentdeckten Steigerungsfaktor mit einzuberechnen und damit der faktischen Wahrheit näher zu kommen.

Die Klimakatastrophe ist also viel zu schnell für wissenschaftlich "seriöse", auf Jahrzehnten basierenden Arbeitsweisen, wie wir sie bisher kennen. Und weil Wissenschaftler politisch und finanziell teilabhängig sind, werden Aussagen zur Klimakatastrophe auf dem kleinsten, gemeinsamen Nenner getätigt. Mit dem Ergebnis, dass sich die Aussagen in kürzester Zeit als komplett falsch und als inflationäre Unterschätzung herausgestellt haben.

Selbst bei Umsetzung der im Pariser Abkommen festgelegten Pläne zur Minderung von Treibhausgasemissionen bleibt ein Risiko, dass der Planet durch verschiedene Rückkopplungsprozesse in einen Zustand gerät, den die Forscher als „Hothouse Earth“ bezeichnen. Eine solche Heißzeit wäre langfristig durch etwa 4 °C bis 5 °C höhere Temperaturen charakterisiert sowie durch einen Meeresspiegelanstieg um 10 m bis 60 m.
(Globale Umweltveränderungen und Zukunftsszenarien)

Aus diesem Grund, aus diesen Kausalitäten ist die Möglichkeit nach wie vor gegeben, dass das, was früher in himmelschreiender Normalitätspropaganda als "Klimawandel" bezeichnet wurde und nichts weiter als eine globale Apokalypse in (geologischer) Hochgeschwindigkeit bzw. in (menschlicher) Zeitlupe ist, immer noch erfolgen kann. Die Frage ist nicht mehr, ob die Welt untergeht, sondern wann und wie genau.

Wir stecken bereits mitten drin in den zarten Anfangsänderungen von einem biologischen Massensterben der Arten über Klimaverschiebungen bis hin zum Zusammenbruch des planetaren Netzwerks des Lebens in all seinen Abhängigkeiten, die wir erst langsam begreifen. "Herrscher der Erde" zu werden und zu sein ist ganz einfach. Aber der Verantwortung der Erhaltung des Lebens auf Erden und des Begreifens der filigranen Abhängigkeiten, darunter auch der eigenen gerecht zu werden, da wird der Mensch höchstwahrscheinlich mit seinem vorherrschenden aggressiven und irrationalen Wesensbestandteil grandios scheitern und in der Evolution der Erde wird er am Ende nur wie ein kurzes Sekundenaufblitzen eines großen Irrtums der Natur enden und sich die ewige Narrenkappe des evolutionären Idioten posthum aufsetzen für alle Ewigkeiten.

Es sei denn, wir ändern uns auf planetarer Ebene auf eine Weise, von der wir momentan trotz hoffnungsvoller Jugendbewegungen wie Fridays for Future Lichtjahre entfernt sind und das zu einer Zeit, in der es bereits 1 Minute nach 12 ist was die Weltuntergangsuhr angeht wenn man die zukünftigen Entwicklungen einberechnet. Die eher symbolische "offizielle" Doomsdayclock steht auf 2 Minuten vor 12.

Immerhin: Wir sind Zeugen der mit Abstand wichtigsten und gewaltigsten Epoche der Menschheit auf Erde. Und nur wir selbst sind verantwortlich dafür, wie diese Epoche enden wird. Mit unser aller (vorzeitigem) Tod und vielleicht sogar dem Aussterben allen Lebens auf dieser Erde für immer (wie es Stephen Hawking mit Verweis auf Venustemperaturen angedeutet hat) oder als Wiedergeburt der Menschheit in Form einer neuen Spezies, die klüger, weiser und erwachsener sein wird als dieses pathologische Ego-Chaos der letzten zehn Jahrtausende.
So simpel wird es, wenn überhaupt!, nicht geschehen, denn solche gewaltigen Veränderungen in Form einer nahezu neuen Genesis erfolgen unter gewaltigen Geburtsschmerzen - und Opfern.

Artikel
• Spektrum.de: Schneeschmelze lässt Eisplatten wachsen.
• Scinexx.de: Grönland - Rieseneisplatten mit fatalen Folgen.
• Zugrundliegende wissenschaftliche Veröffentlichung in "Nature" (kostenpflichtig): Rapid expansion of Greenland’s low-permeability ice slabs.




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