LES: Lake Effect Snow. Die Schneemaschine aus Seewasser und Kaltluft

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Lake Effect Snow in Buffalo/USA, © Hammersoft auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 2.0.
Lake Effect Snow in Buffalo/USA, © Hammersoft auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 2.0.

Einmal mehr sind die Vereinigten Staaten im Fokus unserer neiderfüllten und von Hitze verquollenen Augen. In Buffalo und New York ist in kürzester Zeit so viel Schnee* heruntergekommen, dass man damit Gesamtdeutschland glücklich machen könnte.
Hasst uns der Wettergott?
Steht die Apokalypse schon vor der Tür und beginnt sie ausgerechnet in Deutschland, das eher einer Tropeninsel gleicht und womöglich bald schon der Atacama-Wüste?
Nein. 🙂 Es handelt sich um einen meteorologischen Effekt in den USA, der als "Lake Effect Snow" (LES) bekannt ist.

Was ist der Lake Effect Snow?

Es handelt sich um eine Schneemaschine, bei der einige Grundbedingungen vorhanden sein müssen, damit über Seengebiete streichender Wind zu Schneewolken- und stürmen führen kann:

1. Die Luft muss äußerst kalt* sein, zumeist handelt es sich um arktische Polarluft.

2. Die Wassertemperatur, über die die Luft weht, muss deutlich wärmer sein (mindestens 13 Grad Celsius Differenz zwischen der Wassertemperatur und der Temperatur in 1.5 km Höhe darüber; Quelle: DWD).

3. Der Wind darf nicht zu stark sein. Das gilt vor allem auch mit zunehmender Höhe vom Erdboden bis in die höheren Schichten der Troposphäre. Gibt es zu viel starken Wind, werden die entstehenden Schneewolken auseinander gerissen und können sich nicht in dem Maße bilden, wie es für einen LES notwendig ist.

4. Die Energie darf sich nicht zu weit verteilen. Eine Inversionsschicht mit wärmerer Luft muss daher wie ein Deckel in 2-3 km Höhe über dem Boden verhindern, dass die Luft aus dem See immer weiter hochsteigen kann.

Sind die vier Bedingungen in hinreichendem Maße erfüllt, steigt die warme Seeluft nach oben, kondensiert und bildet Schneewolkenbänder. Diese können mit so viel Energie angefüllt sein, dass es sogar zu Schneegewittern kommen kann. Wenn die Bänder mit dem Wind weiterziehen, laden sie im weiteren Verlauf große Schneemengen ab.

Warum kam es in den USA bei Buffalo zu einem LES?

Wenn man sich die geographische Lage von Buffalo ansieht, wird schnell klar, warum sich ein LES entwickeln konnte:

Ausgangspunkt war ein Taifun, dessen Reste in polare Gebiete nördlich der USA in Kanada vordrangen. Ein Taifun ist ein Tiefdruckgebiet, dessen Winde entgegen dem Uhrzeigersinn rotieren. Auf der westlichen Seite floss daher die polare Luft aus Kanada südwärts zum Erie-See und wurde von dort entgegen dem Uhrzeigersinn nach Osten weitergeführt, bis die Schneemengen sich über Buffalo entluden - sage und schreibe bis zu 1,5 Meter innerhalb von 24 Stunden!

Es handelt sich somit also um einen meteorologischen Sonderfall, der aus der Kombination einer günstigen geographischen Lage und einer LES-Wetterlage* entstand.

Kann auch bei uns ein Lake Effect Snow passieren?

Grundsätzlich ist dieser LES-Effekt natürlich nicht auf die USA begrenzt, auch wenn er vor allem dort im Bereich der großen Seen auftritt. Es ist auch keine HAARP-Verschwörungstheorie notwendig, um den LES-Schnee* zu erklären. Ein LES kann überall auf der Welt bei den gleichen Bedingungen erfolgen.
Dazu sei gesagt, dass der durch LES hervorgerufene Schneefall lokal sehr begrenzt sein kann: Während eine Stadt wie Buffalo im Schnee* versinkt, kann ein Stück weiter in New York alles schneefrei sein, weil die Schneewolkenbänder sich nicht so weit erstrecken und entlang des Tiefs gegen den Uhrzeigersinn wieder nach Norden fortgeführt werden.

In Deutschland ist der Lake Effect Snow zwar selten, doch im März 2013 erlebte Lübeck einen LES. Dieser führte zu 24 Stunden nahezu ununterbrochenen Schneefall mit bis zu 50 cm Neuschnee.

Man hört von den unhöflichsten Sommerfetischisten andauernd, man solle auswandern, wenn man die Kälte so liebt. Abgesehen von dem mitklingenden aggressiven Zynismus: Ganz Europa wird durch den (verfluchten) Golfstrom erwärmt und erlebt so sein "natürliches" Klima* gar nicht, das deutlich kälter ist.
Darüber hinaus gestaltet es sich mittlerweile sehr schwer, eine Region zu finden, wo die Klimakatastrophe nicht anzutreffen ist, immerhin handelt es sich um einen globalen Effekt, der sogar in Norwegen mitsamt Golfstrom für Horrorwerte sorgt. Sollten Sie also der Klimakatastrophe den Rücken kehren und auf einer "Insel" mit viel Schnee* leben wollen, wäre ein Seengebiet mit Lake Snow Effekt durchaus empfehlenswert 😉




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