Prognose des DWD zum Winter 2019/20

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Winterprognose 2019/20 des DWD mit den Anomalien der Temperatur auf 2m Höhe der drei Wintermonate Dezember, Januar und Februar. © Jahreszeitenvorhersage des DWD.
Winterprognose 2019/20 des DWD mit den Anomalien der Temperatur auf 2m Höhe der drei Wintermonate Dezember, Januar und Februar. © Jahreszeitenvorhersage des DWD.

Als vorerst letzte Prognose zum Winter 2019/20 schauen wir uns die Einschätzungen des Deutschen Wetterdienstes DWD an.

Auch wenn man die Nacht* und die dunkle Jahreszeit liebt: An bestimmten Orten und Situationen ist Licht überlebenswichtig! Sie sehen nichts? Dann: Hinweis.

Kartentäuschung: Nur ein leicht zu warmer Winter 2019/20?

Die Jahreszeitenvorhersage erfolgt beim DWD in Form einer Karte, die die Anomalien über die 3 meteorologischen Wintermonate Dezember, Januar und Februar darstellt.
Schauen wir uns die Temperatur-Anomalie auf 2 Meter Höhe an, so sieht das Ganze so aus:

Winterprognose 2019/20 des DWD mit den Anomalien der Temperatur auf 2m Höhe der drei Wintermonate Dezember, Januar und Februar. © Jahreszeitenvorhersage des DWD.
Winterprognose 2019/20 des DWD mit den Anomalien der Temperatur auf 2m Höhe der drei Wintermonate Dezember, Januar und Februar. © Jahreszeitenvorhersage des DWD.

Anhand des Farbcodes könnte man sagen: Das sieht gar nicht mal so schlecht aus. Zwar ist das kein Kaltwinter, aber den gibt es ja ohnehin nicht mehr. +0.5 bis +1.0 Grad zu warme Temperaturen, das klingt nach einem "Normalwinter".
Wirklich?

Was die DWD-Prognose wirklich aussagt

Was man oft überliest ist das Mittel, nach dem sich orientiert wird. Und hier erleben wir leider eine böse Überraschung beim DWD (auch wenn der Grund natürlich legitim ist)!
Denn das verwendete Mittel ist nicht etwa 1961-1990 mit den Wintern, wie man sie noch aus der Kindheit erinnert und auch nicht das Mittel 1981-2010 mit bereits den massiven Auswirkungen der Klimakatastrophe, sondern das Mittel 1990-2017!

Der Leser ahnt es schon: Hier werden brutalste Wintererwärmungen als normal und als "0" gesetzt!
Wie sieht der Unterschied in Zahlen aus (Quelle: Zeitreihe der Lufttemperatur)?

Geht es nach der DWD-Prognose erwartet uns mehrheitlich eine milde, nasse Wintervariante, die ich gerne "Friesenwinter" nenne. Für die verdorrte, baumsterbende Natur mehr als Gold wert und ich mag es auch, aber sicher nicht das, was der echte Winterfreund erhofft und erwartet ...
Geht es nach der DWD-Prognose erwartet uns mehrheitlich eine milde, nasse Wintervariante, die ich gerne "Friesenwinter" nenne. Für die verdorrte, baumsterbende Natur mehr als Gold wert und ich mag es auch, aber sicher nicht das, was der echte Winterfreund erhofft und erwartet ...

Der Winter nach 1961-1990 hatte noch herrliche 0,2 Grad Celsius Mitteltemperatur aus den drei Wintermonaten.
Das Mittel 1990-2017 steht mir nicht zur Verfügung, aber das Mittel 2001-2018 notiert bereits deprimierende 1,3 Grad Celsius Mitteltemperatur.
Wenn man die 1,1 Grad Celsius Unterschied auf 1,0 Grad herabrundet, dann kommt man sicher recht gut hin mit dem Mittel 1990-2017.

Wir müssen also grob 1 Grad DRAUFRECHNEN auf die Angaben in den Karten, um die echte Wintereinschätzung zu 1961-1990 und damit relativ (!) normalen Klimazeiten zu
erhalten.
Und dann sieht das ganze schon weitaus übler aus! 1,5 bis 2,0 Grad zu warme Temperaturen in einem Farbcodekästchen höher ist die eigentliche Wahrheit und das ist nicht mehr und nicht weniger als ein klarer Mildwinter im Bereich von dem, was ich in meiner Winterprognose als Worst Case eingeschätzt habe.

Das schließt Kaltphasen nicht aus, die von der Allgemeinheit als "Winter" empfunden werden, doch die Mildphasen würden bei weitem überwiegen und schlagen mit ihrer Temperaturdiskrepanz gerade in den kältesten Monaten des Jahres deutlich zu Buche.

Nimmt man noch die Niederschlagsanomalien des DWD hinzu, dann erkennt man schnell, dass ein westdriftbasierter, milder und nasser Winter erwartet wird:

Winterprognose 2019/20 des DWD mit den Anomalien der Niederschläge der drei Wintermonate Dezember, Januar und Februar. © Jahreszeitenvorhersage des DWD.
Winterprognose 2019/20 des DWD mit den Anomalien der Niederschläge der drei Wintermonate Dezember, Januar und Februar. © Jahreszeitenvorhersage des DWD.

Der DWD reiht sich also wie erwartet in die meteorologischen, "dynamischen" Computermodellprognosen ohne Berücksichtigung von klimatologischen Faktoren wie Polarwirbelwarmings, Schneedecke und Meereisausdehnung ein. Etwas anderes als ein glasklarer Mildwinter kann dabei auch nicht herauskommen.
Zwar ist das zu 75-90% ohnehin wahrscheinlich, doch der wahre Prognosemeister wird sich nur in einem "Normalwinter" mit 0.5 bis 0.9 Grad Temperaturanomalie nach 1960-1990 erweisen. Wer diesen richtig vorraussagt, darf sich damit rühmen, die richtigen Schlüsse gezogen zu haben.

Lobenswert ist überdies, dass der DWD in der Karte mit der Schraffierung angibt, wo es zuverlässige, gute Prognosewerte in der Vergangenheit gab: Nämlich mit Ausnahme einiger weniger Gebiete des Atlantik überhaupt nicht 😉

Kampf der Prognosesysteme: Meteorologische Computermodelle vs. Klimatologische Rahmenfaktoren

Der DWD ist wie die meisten meteorologischen Institute zur Fraktion der "dynamischen Computermodelle" zu zählen, während andere Prognostiker wie Dr. Judah Cohen vom AER und meine Wenigkeit die klimatologischen statischen Rahmenbedingungen wie Warmings, Meereisbedeckung und Schneedecke auswerten.
Dabei zeigt sich, dass die dynamischen Computermodelle einen Supermildwinter voraussagen mit zumeist Westdrift und viel Regen. Die klimatologischen Randfaktoren weisen jedoch ähnlich wie beim letzten Kaltwinter 2010/11 auf die besten Kaltphasenchancen seit 9 Jahren und somit einen besseren Winter.

Auch Dr. Cohen hat dies erkannt und ähnliche Schlüsse gezogen (Blog vom 28.10.2019):

So, if you are considering Arctic predictors in your winter forecast, I would say that they are quite bullish for severe winter weather at least regionally and possibly on even larger scales if the stratospheric PV gets involved. And in many ways this upcoming winter forecast is a good proxy or symbolic of the current debate whether accelerated Arctic warming is contributing to colder midlatitude winters. The dynamical models clearly say no. I believe observational analysis says yes and it will be interesting to see if this winter is consistent with the modeling or observational/empirical analysis.

Ich denke, es ist nur logisch, wenn man hier Kollege Computer skeptisch gegenüber sein sollte, denn es ist im Grunde ganz einfach: Die dynamischen Computermodelle beziehen die Faktoren der Klimatologie wie Meereisausdehnung und Schneedeckenentwicklung nur indirekt als Wetterfaktor in die Berechnungen mit ein, was nicht zu grundlegenden Wahrscheinlichkeitspfeilern führt, sondern nur zu kurzfristigen Wetterveränderungen, die naturgemäß sehr unsicher sind.
Insbesondere können die dynamischen Modelle keine Warmings vorausberechnen und diese entscheiden letztlich darüber, ob wir Winter bekommen oder nicht. Ein größeres Manko kann man eigentlich gar nicht hervorheben.

Ich gehe daher noch weiter: Dynamische Modelle werden angesichts der Klimakatastrophe und der Wetterentwicklung im Winter ohne die Berücksichtigung von Warmings natürlich IMMER einen Mildwinter vorhersagen, weil die herangezogenen meteorologischen Faktoren gar nichts anderes hergeben!
Die Kunst, einen kälteren Winter zu prognostizieren, bieten ausschließlich die klimatologischen Analysen auf Basis der Rahmenfaktoren.

Zwar stellt der einzelne Winter 2019/20 kein endgültiges Urteil über die richtige Prognoseart dar, wird aber durchaus einen wichtigen Fingerzeig geben, welche der beiden Fraktionen näher an der Wahrheit liegt - vor allem, wenn am Ende kein klarer Mildwinter mit 1,5 bis 4,x Grad zu hohen Mitteltemperaturen zu Buche stehen wird, sondern ein wenigstens "Normalwinter" mit 0,x Grad zu hohen Mitteltemperaturen nach 1961-1990.

Artikel
• Kaltwetter.de Winterprognose Teil 1: Winterprognose 2019/20 Teil I: QBO und ENSO.
• Kaltwetter.de Winterprognose Teil 2: Winterprognose 2019/20 Teil II: Meereis, Schneedecke und Nordatlantik.
• Kaltwetter.de Winterprognose Teil 3: Winterprognose 2019/20 Teil III: Sonne, AO, Waccy und Treibhausgase.
• Kaltwetter.de Winterprognose Teil 4: Winterprognose 2019/20 Teil IV: Wann kommen die Kaltphasen?
• AccuWeather Winterprognose: Die Prognose von Accuweather zum Winter 2019/20.
• Aussagekraft zum Mildwinter vor dem Oktober: Über den Wahrheitsgehalt aktueller Prognosen eines Mildwinters.
• Grundlagenartikel zu Winterprognosen: Herbst und Winter 2019/20 - Der tiefe Blick in die Glaskugel.




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Auch Hunde freuen sich über Winter. Viele Accessoires sind Schwachsinn, aber diese hier sind absolut sinnvoll (Streusalz ist grausam für Hundepfoten! Mantel benötigen nur alte oder kranke Hunde, andere NICHT!) Sie sehen nichts? Dann: Hinweis.