Sommersonnenwende: Der Anfang vom Tod des Sommers

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Die Sommersonnenwende markiert eine wichtige Zäsur im Kampf der immer selteneren Kälte gegenüber dem übermächtigen Hitzefeind.
Die Sommersonnenwende markiert eine wichtige Zäsur im Kampf der immer selteneren Kälte gegenüber dem übermächtigen Hitzefeind.

Nein, oh ihr Sommerfetischisten, damit ist nicht der Zeitpunkt gemeint, sich beim Braten in der Sonne* wie totes Fleisch auf dem Grill umzudrehen. 🙂
Die Sommersonnenwende ist der Punkt, an dem die Sonne* ihre höchsten Stand erreicht und der Tag, der am längsten im Jahr währt, während die Nacht* am kürzesten ist. Ein Tag des Horrors, fürwahr, aber dennoch ein Grund zum Feiern, denn: Nach diesem Tag geht es wieder aufwärts. Die Tage werden kürzer und die Nächte länger. Es ist der erste Schritt auf dem Weg zum Herbst*, ein erstes hoffnungsvolles Zeichen in einer Jahreszeit der Hölle.

Die Hoffnung aus dem All

Ein wenig vereinfachend und ohne die astronomischen Details kann man sagen, dass bei der Sommersonnenwende die Sonne* am Mittag ihren höchsten Punkt erreicht. Anders gesagt: Da die Erdachse ein wenig geneigt ist, erhält im Sommer und mit der Sommersonnenwende als Höhepunkt die Nordhalbkugel die größte Sonnenbestrahlung.
Wer sich über die exakten astronomischen Unterschiede informieren möchte, findet auf Wikipedia detaillierte Informationen: http://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenwende

Da sich das Sonnenjahr von dem kalendarischen Jahr ein wenig unterscheidet (weswegen es bekanntlich Schaltjahre gibt, um die Differenz auszugleichen), erfolgt die Sommersonnenwende jedes Jahr zu einer anderen Uhrzeit.

Dieses Jahr erfolgt die Sommersonnenwende morgen am 21. Juni, um exakt 18:38 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit.

Morgen ab 18:39 Uhr gehen wir also wieder den Weg in Richtung des ersehnten Herbstes und dem Ende des Sommers.
Für Astrologieinteressierte sei hinzugefügt, dass die Sonne* zum "Sommerpunkt" der Sommersonnenwende im Sternbild des Stier (seit 1990) befindet und dies auch weiterhin so sein wird bis zum Jahr 4610.

Welcher Sommeranfang ist der richtige? Um einmal mehr die große Verwirrung um die zwei möglichen Sommeranfänge klarzustellen: Obwohl der Sommer aus meteorologischer Sicht bereits am 01. Juni begonnen hat und am 31. August enden wird, gilt der 21. Juni als astronomischer (auch: kalendarischer) Sommerbeginn und endet aus dieser Sichtweise erst am 21. September.
Ich selbst rechne immer mit dem meteorologischen Sommerbeginn und -ende. Zum einen, weil der erhoffte Sommerendpunkt näher liegt und weil die meteorologische Verwendung eine saubere Einteilung auch für statistische Angaben zu Temperatur, Niederschlag usw. ermöglicht. Der astronomische/kalendarische Sommerbeginn wäre allerdings zugegeben logischer und entspricht eher den kosmologischen Regeln.

Brennende Räder und Feuer

Die Sommersonnenwende fristet als Mittsommerfest ein recht kärgliches Dasein. Zwar wird vor allem in den nordischen Ländern das Ganze teilweise heidnisch (Schweden), teilweise christianisiert unter Hinweis auf den Heiligen Johannes (Finnland) mit zu viel Alkohol "gefeiert", doch leider muss man festhalten, dass sich hier die regionalen Gepflogenheiten nicht zu kulturellen Höhepunkten entwickelt haben. Irgendwie passend zum gleichzeitig schlimmsten Tag des Jahres (da Höhepunkt des Sommers) wie auch hoffnungsvollsten Tag (danach wird es täglich wieder besser).

Es liegt nahe, besser auf eigene Faust adäquatere Assoziationen zu suchen.
In der germanischen Mythologie gibt es die Riesengeschlechter. Während die Eisriesen in Niflheim residieren, trifft man die Feuerriesen in Muspellsheim. Es erscheint passend und wie eine Vordeutung auf die Klimakatastrophe, dass die Germanen in den Feuerriesen die Gefahr wähnten und beim Weltenende Ragnarök der Feuerriese Surtr die Welt in Brand setzte - freillich, nachdem ein furchtbarer Winter (Fimbulvetr) Einzug gehalten hatte. Doch erst der sprichwörtliche "Weltenbrand" des Surtr setzte der Welt ein Ende. Kommt einem bekannt vor, gell?

Drachen* sind seit jeher eine beliebte Metapher und Feuerdrachen und Frostdrachen liefern sich auch auf dem Artikelbild einen Kampf, passend zum heutigen Tag, wo der Feuerdrache noch siegt, doch seine Niederlage bereits besiegelt ist.

Sommersonnenwende: Aus Stroh gebundenes Radkreuz zum "Julfest".
Sommersonnenwende: Aus Stroh gebundenes Radkreuz zum "Julfest".

Die brennenden Räder und Mittsommerfeuer, die in der heutigen paganen Kultur in Stonehenge und woanders zu sehen sind, kann man nur teilweise als Übernahme keltisch-germanischer Traditionen bezeichnen.

Das meiste ist ein Anachronismus und stülpt romantisierte, historisch völlig falsche Vorstellungen auf die heutige Zeit über. Dennoch darf man in ihnen sicher einen Ausdruck nach einem Ende von Hitze und Dürre sehen - auch wenn dies wiederum ebenso ein Anachronismus sein mag.

 

Der erste Zielpunkt des Sommers ist erreicht - was nun?

Mit der Sommersonnenwende ist zunächst die erste Zielmarke auf dem langen, grausamen Weg durch den Sommer geschafft. 21 lange Tage sind hinter uns.
Leider beginnt der Sommer nun richtig. Es werden keine Wetteranomalien wie "Schafskälte" und "Eisheilige" erwartet, statt dessen sind schlimmste Hitzetage möglich, weil die Sonne* den Planeten trotz des Umkehrpunktes der Sommersonnenwende natürlich weiterhin aufheizt und dies zu einer Klimasituation hinzufügt, wo keine Kälte mehr bekämpft werden muss. Insofern sind Juli und August die heißesten Monate des Jahres.

Dennoch. Der psychologisch erste Meilenstein ist geknackt und unser Augenmerk richtet sich auf den finalen Countdown:

Zeit bis zur Herbst-Erlösung: 72 Tage

In dieser Zeit völliger, schmerzlicher Abwesenheit von Regen, Kühle, Winter, Schnee*, Sturm, Nebel und allem, was das Leben somit lebenswert macht, wird ein schwarzes Samenkorn gesät. In dem Höhepunkt der Hitze, am verzweifeltsten Punkt des Jahres, liegt bereits die Ankunft von Herbst* und Winter. Ab heute wechselt die mächtige Göttin der Zeit auf unsere Seite und jedes Ticken* gehört nun uns, denn es führt uns in kürzere Tage, längere Nächte und alsbald in kühlere Temperaturen.

Bald sind wir zuhause ...; © <a href="https://www.flickr.com/photos/fednan/10403183546" target="_blank">Hernan Fednan auf www.flickr.com</a>, Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank">CC BY-SA 2.0</a>
Bald sind wir zuhause ...; © Hernan Fednan auf www.flickr.com, Lizenz: CC BY-SA 2.0.



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