Thors Muskeln: Die neue Wolkenform „Asperitas“

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Sixpacks am Himmel: So ähnlich sieht die neue Wolkenform
Sixpacks am Himmel: So ähnlich sieht die neue Wolkenform "Asperitas" mit etwas Fantasie aus.

Die Klimakatastrophe ist zwar bekannt für ihre schlimmen Auswirkungen wie Hitzewellen, den Tod des Lebensraumes Arktis oder das Verschwinden der Gletscher, aber sie sorgt auch manchmal für neue Schönheit.

Asperitas-Wolken, © Jacquesverlaeken auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 4.0.
Asperitas-Wolken, © Jacquesverlaeken auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 4.0.

Die neue Wolkenform, die seit einigen Jahren auftaucht, ist ein Beispiel dafür. Während die sog. „Mammatus-Wolken“ als Erscheinungsform zunehmen, aber bereits länger bekannt sind, ist die neue Wolkenform offenbar gänzlich neu. Ich habe sie „Thors Muskeln“ genannt, aber tatsächlich wird sie Asperitas genannt. Der Begriff stammt von der vorläufigen Bezeichnung „Asperatus“ (bzw. „Undulatus Asperatus“) für diese Wolkenform, was soviel bedeutet wie „aufgeraut“ oder „aufgewühlt“.

Was ist der „Wolkenatlas“?

Nachdem man lange Entstehungsursachen und Erscheinungsformen gesammelt hat, ist die Bezeichnung offiziell in die Wolkennomenklatur aufgenommen worden.

Der „Wolkenatlas“ der WMO (World Meteorological Organisation) ist das Referenzwerk für alle Wolkenformen und wurde seit 1987 nicht geändert. In der neuen, in großem Stil überarbeiteten Ausgabe haben Meteorologen nun grundlegende Änderungen vorgenommen. Es fanden nicht nur neue Wolkenformen Aufnahme, die aus dem „Klimawandel“ resultieren, sondern auch Erscheinungen, die bisher keinen Namen trugen. Dazu gehören beispielsweise:

Homomutatus: Kondensstreifen von Flugzeugen, welche nicht sofort zerfasern
Silvagenitus: Über Wäldern aufsteigender Wolkendampf
Homogenitus: Über Schornsteinen oder Kühltürmen sich bildende Wolken
Flammagenitus: Atompilzförmige Wolken bei Vulkaneruptionen und Waldbränden
Cataractagenitus: Bei Wasserfällen sich bildende Wolken.

Man mag sich darüber streiten, ob solche Klassifizierungswut der Gelehrten Sinn macht oder nicht und ob sie ungewollt die menschliche Vernichtung der Erde legitimiert oder nicht. Es gibt nun jedoch keine Wolke mehr, die keinen wissenschaftlichen Namen mehr hat. Bis die Klimakatastrophe neue Wolkenformen produziert, weil sich der Energieertrag in der Atmosphäre steigert und steigert.
Der neue Wolkenatlas der WMO ist übrigens frei im Internet verfügbar: International Cloud Atlas.

Wenn Thors Muskeln am Himmel spielen

Wenn Thors* Muskeln am Himmel spielen, sollte vor allem die Damenwelt verzückt sein ob der von mir vorgeschlagenen Assoziation. Tatsächlich sieht die Asperitas faszinierend aus. Sie verstärkt den Eindruck von Sturm und Gewitter* und überhöht dies auf optische Weise durch einen äußerst wilden, heterogenen Himmel. „Thors Muskeln“ kommt also nicht von ungefähr. Hauptsächlich wird sie in Gebieten mit starker Sturmtätigkeit wie etwa in den großen Ebenen (Great Plains) des nordamerikanischen Kontinents gesehen, doch kürzlich tauchte sie auch in Polen auf.

Undulatus asperatus (alte Bezeichnung) bzw. Asperitas (neue Bezeichnung), © Agathman auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 3.0.
Undulatus asperatus (alte Bezeichnung) bzw. Asperitas (neue Bezeichnung), © Agathman auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 3.0.

Natürlich sehen Esoteriker die Wolken anders und bereichern mit ihrer kuriosen Sichtweise einmal mehr die Märchengeschichte der Menschheit. Die Asperitas sei ein Beweis dafür, dass HAARP-Anlagen der Supermächte (dieser April-Scherz erklärt, was das ist) das Wetter* beeinflussen und dass es einen Klimakrieg gäbe, der längst tobt.
Vermutlich werden bald, wenn man nahezu vergessen haben wird, was Regen bedeutet, auch die nassen Tropfen von Verschwörungstheoretikern als „Fallout“ von HAARP-Anlagen tituliert …

Grundsätzlich ist Asperitas die Folge konvektiver Wettervorgänge. Dabei steigen erwärmte Luftmassen vertikal auf und vermischen sich mit kühleren Luftmassen. Unter bestimmten Bedingungen, die im Detail noch ungeklärt sind, entsteht dabei die Asperitas und macht die entstehenden Luftwellen bei der Vermischung sichtbar. Zugrunde liegt vermutlich ein immer größerer Gegensatz zwischen Warm*- und Kaltluft, bedingt durch die Faktoren der Klimakatastrophe wie erhöhte Sonnenenergie, die durch den Treibhauseffekt verstärkt wird und den Boden deutlich mehr erwärmt als in früheren Jahrzehnten. Damit verstärkt sich auch die konvektive Luftbewegung. Nimmt man den Waccy-Effekt mit plötzlich ungewohnt kalten Kontinenten im Herbst* und Winter hinzu, so verfügt man rein theoretisch vor allem in Übergangsjahreszeiten über die Zutaten für die Entstehung von Asperitas.
Sie kann dabei durchaus für Sturm, Starkregen und Tornados sorgen, doch es gibt auch Beispiele für Asperitas, wo es nicht zu einer der genannten Ereignisse kommt.

Letztlich steht die neue Wolkenform durchaus für eine beängstigende Entwicklung und kann als ein Beleg unter vielen gelten, wie sehr die Klimakatastrophe innerhalb kürzester Zeit unsere Planeten auf Land und im Himmel verändert – auch wenn die Erscheinungsform selbst höchst ästhetisch daherkommt.

 
Artikel
Scinexx: Neuer Internationaler Wolkenatlas.
Spiegel: Die Runzlige.
Die Süddeutsche: Himmel bekommt Wolkenzuwachs.
Wikipedia: Asperitas.




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