Welt und Klima zur Zeit der Dinosaurier. Teil 2: Jura

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Die Blüte der Dinosaurier und die Epoche der Sauropoden: Jura. © Shutterstock.com.
Die Blüte der Dinosaurier und die Epoche der Sauropoden: Jura. © Shutterstock.com.

Den 1. Teil dieser Dinosaurier-Reihe (Trias) finden Sie: Hier.

Im 1. Teil hatten wir die Zeit im Trias kennengelernt - 250 bis 200 Millionen Jahre vor unserer heutigen Zeit.
Wir haben gesehen, wie archaische Pflanzen eine für uns vollkommen fremde Welt bilden, wie seltsam "hässliche" Wesen, die Therapsiden, die Welt beherrschen und die Dinosaurier erst noch klein und unbedeutend sind. Selbst die Kontinente befanden sich an völlig anderer Stelle als heute.
Der Superkontinent Pangäa hatte sich bereits zu den zwei Großkontinenten Laurasia und Gondwana formiert und allmählich begannen diese durch den Magmadruck aus dem Erdinnern auseinanderzubrechen.
Das Klima* war heiß und wüstenähnlich, der Kohlendioxidgehalt war mit 1750 ppm deutlich höher als die 260 ppm der vorindustriellen Zeit oder die heutigen 403 ppm in der galoppierenden Klimakatastrophe.

Doch die 50 Millionen Jahre des Trias-Zeitalters waren nur der Aufgalopp für die Dinosaurier, die nun im Zeitalter des Jura die Welt beherrschen sollten. Besteigen wir also erneut die Zeitmaschine, stellen die Uhr auf 200 bis 145 Millionen Jahre vor unserer Gegenwart und düsen los!

Jura: Der evolutionäre Siegeszug der Dinosaurier

Wir steigen aus der Zeitmaschine aus und erkennen zunächst keine großen Unterschiede bei der Flora*. Nach wie vor ist die Welt nicht bunt, sondern von einem eintönigen Grün wie in der Trias.
Nacktsamer wie Pinien, Schachtelhalme, Farne bestimmen das Bild. Auch Gräser sind noch völlig unbekannt in dieser Epoche.
Doch was sind das nur für wandelnde Baukräne in der feucht-warmen Hitzehölle? Die Fauna hat sich beträchtlich verändert im Vergleich zur Trias!

Szene aus dem Jura: Deutlich feuchter als im Trias, aber immer noch keine Blütenpflanzen. © Gerhard Boeggemann auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 2.5.
Szene aus dem Jura: Deutlich feuchter als im Trias, aber immer noch keine Blütenpflanzen. © Gerhard Boeggemann auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 2.5.

(1) Wandelnde Baukräne: Die Sauropodenherrschaft

In der Trias hatten wir die Unterscheidung zwischen Sauropoden (pflanzenfressenden, vierfüßigen Riesensauriern) und Theropoden (zumeist zweibeinigen fleischfressenden Sauriern) kennengelernt.
Im Jura blüht die Vielfalt und Größe der Sauropoden nun auf. Oftmals sicherlich nicht zu Unrecht als intellektuell arg beschränkte Wesen bezeichnet, sind die Sauropoden dennoch ein Wunder der Natur, das eigentlich nur im Kopf eines wahnsinnigen Gottes entstanden sein konnte. Warum?

1. Gigantismus
Die Sauropoden wuchsen und wuchsen. Während die ersten Sauropoden wie Melanorosaurus in der Trias 8 Meter Länge und 1.3 Tonnen auf die Waage brachten, führte das Wachstum der Gattung bei einem Diplodocus im Jura zu 27 Metern Körperlänge und 16 Tonnen Körpergewicht!

Größenvergleich einiger Sauropoden aus dem Jura und der Kreide mit einem Menschen. © <a target="_blank" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Sauropoda#/media/File:Longest_dinosaurs1.png" rel="noopener noreferrer">I, Dinoguy2 auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a target=_blank" href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 2.0</a>.
Größenvergleich einiger Sauropoden aus dem Jura und der Kreide mit einem Menschen. © I, Dinoguy2 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 2.0.

Die Natur erschafft solche Wesen nicht ohne Grund: Das gewaltige Körpergewicht stellt an sich eine Verteidigung gegen die räuberischen Theropoden dar. Zudem lebten die Sauropoden wohl in Herden und zogen durch die Jura-Weiten. Schwächere Mitglieder und Jungtiere wurden in die Mitte wie in einer Wagenburg genommen und der lange Schwanz konnte durch Herumpeitschen selbst einem Allosaurus die Knochen brechen.
Die Größe hatte auch nahrungsspezifische Vorteile: Durch ihre enorme Höhe konnten die Sauropoden wie Diplodocus, Mamenchisaurus, Apatosaurus und Barosaurus Pflanzen auf Baumwipfelhöhe abgrasen, wo sonst kein anderer Dinosaurier hingelangte.

Der Gigantismus der Sauropoden und Saurier allgemein lässt sich dennoch als eine Sackgasse der Evolution erklären. Allerdings hatte er seine Gründe: Der Stoffwechsel der Dinosaurier lag zwischen einem kaltblütigen Reptil und heutigen Säugetieren und konnte dank einer "Vogel-Lunge" flexibel gesteuert werden. Zusammen mit der archaischen Eigenart des Schluckens der Nahrung (statt sie zu kauen) und Eier als Fortpflanzungsart scheint der Energiehaushalt der Dinosaurier weitere Vergößerung bis zum Gigantismus der Sauropoden evolutionär begünstigt zu haben, da größere Kreaturen in dieser Kombination aus Eigenschaften eine bessere Energiebilanz aufwiesen. Was sich jedoch letztlich bei der globalen Katastrophe vor 65 Millionen Jahren mit dem Chicxulub-Asteroiden als Nachteil erwies.

2. Hohlknochen, 8 Herzen und 2 Gehirne?

Selbst die Forscher stellten die Sauropoden vor Rätsel bei der Lebendrekonstruktion. Schädel von Dinosauriern verfügen über Schädelfenster ("Antorbitalfenster" bei der Augenhöhle und andere). Es handelt sich hier nicht etwa um fehlende Bruchstücke eines Schädels, sondern um eine evolutionäre Entwicklung.

Schädel eines Diplodocus mit deutlich erkennbaren Schädelfenstern. © <a target="_blank" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Diplodocus_longus.jpg" rel="noopener noreferrer">Ryan Somma auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 2.0</a>.
Schädel eines Diplodocus mit deutlich erkennbaren Schädelfenstern. © Ryan Somma auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 2.0.

Mit anderen Worten: Der Schädel besteht nicht wie bei Menschen aus einer massiven, undurchbrochenen Knochenmasse, sondern weist "Löcher" auf. Dadurch wird zwar auch Gewicht eingespart, doch der eigentliche Grund wird in der Ausbildung stärkerer Kaumuskeln durch Verlagerung der Muskelansätze, sowie dadurch bedingt im Wachstum des Gehirns gesehen, das mehr Platz im Innenraum des Schädels hat, wenn die Kaumuskeln durch die Schädelfenster verlagert wurden.
Die Halswirbel des Diplodocus besaßen Hohlräume, ohne die Tragfähigkeit zu beeinträchtigen, sodass auf diese Weise weiteres Gewicht evolutionär eingespart wurde.

Bei der gigantischen Größe eines Diplodocus berechneten Forscher, dass das Blut eines Herzschlags von einem 1,6 Tonnen-Herz bereits wieder zurückgeflossen wäre, bevor der zweite Herzschlag eingesetzt hätte. Daher wurden sage und schreibe 8 Herzen im Körper angenommen, um es möglich zu machen, dass die Blutpumpen des Diplodocus überhaupt in der Lage waren, den Körper mit Blut zu versorgen. Ein Nachweis kann natürlich nicht gelingen, da die weichen Eingeweide nicht versteinern und in jedem Fall verwesen.
Erst ein genialer Einfall eines Paläontologen rückte den Diplodocus wieder auf eine normale Ebene: Wenn der Saurier eine Art Rückschlagventil in Form von Arterienklappen an den Halsschlagadern aufgewiesen hätte, dann wäre bereits ein mittelgroßes Herz vollkommen ausreichend gewesen, um den Körper mit Blut zu versorgen und den Blutkreislauf aufrecht zu erhalten.

Ähnlich abstruse Überlegungen stellten die Forscher zunächst bei den Gehirnen an. Das Mini-Gehirn, das die Sauropoden aufwiesen betrug lediglich 1/100.000stel des Gesamtkörpergewichts. Es wurde als so klein betrachtet, dass auf gut deutsch gesagt ein Diplodocus dumm wie Bohnenstroh sein musste. Ein über Indizien entdecktes Nervenzentrum im Rückenbereich wurde daher als zweites Gehirn betrachtet. Neuere Forschungen klärten jedoch auf, dass es sich lediglich um ein Nervenzentrum zur Steuerung handelte, aber gewiss nicht um ein Gehirn im Sinne einer neuronalen Matrix.

Lebendrekonstruktion eines Diplodocus carnegie. © <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Diplodocus_carng1DB.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dmitry Bogdanov auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 3.0</a>.
Lebendrekonstruktion eines Diplodocus carnegie. © Dmitry Bogdanov auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 3.0.

Auch die Theorie, dass die riesigen Tiere aufgrund ihres Körpergewichts nur im Wasser lebten, das ihre Schwere reduzierte, wird heute abgelehnt. Die Nasenlöcher auf dem Kopf bei einem Apatosaurus lassen in der Tat vermuten, dass ein Leben im tiefen Wasser der Grund dafür sein mochte. Allerdings gehen die Forscher davon aus, dass sich Apatosaurus und die anderen Sauropoden ganz normal an Land bewegen konnten und letztlich auch Elefanten nicht im Wasser leben 😉

3. Warm*- oder Kaltblüter?
Die Diskussion, ob Dinosaurier an sich Warmblütig wie Säugetiere oder Kaltblütig wie Echsen waren, hielt relativ lange an. Heute wissen wir, dass die Dinosaurier zumindest teilweise warmblütig waren.
Biologen argumentierten, dass ein kaltblütiger Brachiosaurus ohne eigenständige Regulation der Körpertemperatur Jungen gehabt hätte, die mit diesem reduzierten Stoffwechsel eines Kaltblüters 100 Jahre bis zum Erwachsenenalter benötigt hätten - eine abstruse Vorstellung! Als Warmblüter wären die Jungen in lediglich 10 Jahren erwachsen gewesen, was deutlich wahrscheinlicher klingt.

(2) Vorläufer des Tyrannosaurus

Waren die Vertreter der Theropoden, der zweibeinigen Fleischfresser, in der Trias noch so klein, dass sie beinahe als menschliche Haustiere durchgegangen wären, so ändert sich dies in der Jura gewaltig.

Veranschaulichung, wie weit Allosaurus sein Maul aufreißen konnte. © <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Talk%3AAllosaurus#/media/File:Allosaurus_Jaws_Steveoc86.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">I, Steveoc 86 auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.5/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 2.5</a>.
Veranschaulichung, wie weit Allosaurus sein Maul aufreißen konnte. © I, Steveoc 86 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 2.5.

Ceratosaurus und Allosaurus ähneln rein optisch bereits dem späteren Tyrannosaurus rex, wurden 8 bis 9 Meter lang und wogen bis zu 1,7 Tonnen (Allosaurus), möglicherweise gab es sogar noch größere Exemplare. Von der Höhe übertrafen sie einen erwachsenen Menschen bei weitem.
Furchterregend ist auch ihre Jagdtechnik. Während ein Tyrannosaurus Rex mit einem Biss seiner gewaltigen Kiefer Knochen ohne Probleme durchbeißen konnte, stellten Paläontologen bei Allosaurus eine grausamere Fähigkeit fest: Er war in der Lage, sein Maul unglaublich weit aufzureißen. Zudem bestanden seine Kieferknochen aus Scharnieren, mit denen er sein Maul deutlich breiter machen konnte. Das Ziel: Mit bereits geöffnetem Maul angreifen und so viel Fleisch aus dem Opfer zu reißen, dass es schließlich an Schock, Verletzungen und Blutverlust starb.

Dilophosaurus mit dem charakteristischen, auffälligen Knochenkamm über dem Maul. © <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Dilophosaurus#/media/File:Dilophosaurus_wetherilli_2.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikipek auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 3.0</a>.
Dilophosaurus mit dem charakteristischen, auffälligen Knochenkamm über dem Maul. © Wikipek auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 3.0.

Ein im Film "Jurassic Parc" bekannt gewordener, weiterer Vertreter der Theropoden im Jura war Dilophosaurus mit seinen auffälligen, V-förmigen Aufsätzen über dem Maul. Mit etwa 6 Metern Länge und ca. 600 kg Gewicht war dieser Dinosaurier allerdings tatsächlich weit größer, als es der Film "Jurassic Park" vermuten lässt.

Compsognathus hingegen war ein kleiner Theropode. Er reichte einem Menschen nur bis zum Knie, war mit etwa 3 kg lediglich so schwer wie eine Katze und ca. einen Meter lang. Er fraß wohl Eidechsen, die er morgens erbeutete, wenn die Reptilien durch die kühlen Temperaturen als Kaltblüter steif und träge waren.

Ceratosaurus als typischer Vertreter der Theropoden des Jura mit auffälligem Knochenhöcker auf dem Schädel. © <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Dinosaurier_und_Verwandte/Ceratosaurus#/media/File:Ceratosaurus_nasicornis_DB.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DiBgd auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.5/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 2.5</a>.
Ceratosaurus als typischer Vertreter der Theropoden des Jura mit auffälligem Knochenhöcker auf dem Schädel. © DiBgd auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 2.5.

(3) Die Natur rüstet auf: Panzerechsen

Thyreophorans ("Schildträger") wird eine Gruppe von Dinosauriern genannt, die sich im Jura entwickeln und mit bisher nie gesehenen Panzerungen punkten. Vierfüßig, gedrungen und mit einem Gehirn, das trotz der mitunter ansprechenden Körpergröße nie größer als das eines Haushundes war, konnten sich an diesen Dinosauriern räuberische Theropoden im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne ausbeißen.

Kentrosaurus: Skurrile Formen gewinnen im Jura allmählich die Oberhand und zeugen von der beginnenden Vielfalt der Dinosaurier. © <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kentrosaurus#/media/File:Kentrosaurus_NT.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NobuTamura auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 3.0</a>.
Kentrosaurus: Skurrile Formen gewinnen im Jura allmählich die Oberhand und zeugen von der beginnenden Vielfalt der Dinosaurier. © NobuTamura auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Stegosaurus ist sicherlich der bekannteste unter ihnen. Die gewaltigen Panzerplatten auf dem Rücken dienten dabei nicht nur zum Schutz vor Feinden, sondern waren durchblutet und konnten so als klimatischer Regulator dienen: Im 90 Grad-Winkel zu den Sonnenstrahlen aufgestellt, erwärmte sich der Körper von Stegosaurus, weil die Platten die volle Breitseite der Sonnenenergie abbekam und über den Blutkreislauf die Wärme* weitertransportiert wurde. Umgekehrt kühlte der Wind den Dinosaurier ab, wenn er sich so aufstellte, dass die Sonnenstrahlen parallel zu seinem Körper verliefen und somit nicht auf die Rückenplatten trafen.
Der Schwanz mit vier sehr langen, dolchförmigen Stacheln konnte sogar einem Allosaurus gefährlich werden.

Weitere Vertreter dieser Saurier waren Scelidosaurus und Kentrosaurus. Später sollten sich auch innerhalb dieser Gruppe in der Kreidezeit kleinere, schwer gepanzerte Saurier wie Euoplocephalus entwickeln, deren Haut komplett gepanzert waren und die teilweise Knochenkeulen am Schwanz zur Verteidigung aufwiesen.

(4) "Vogelfüßige" Sprinter: Ornithopoden

Die Assoziationen zu den Vögeln tauchen bei den Dinosauriern häufig auf, letztlich sind aus unserer heutigen, zeitlich nachträglichen Perspektive die Vögel mit den Dinosauriern engstens verwandt. So werden Dinosaurier in zwei Hauptgruppen eingeteilt: Die Saurischia mit einer "Echsenhüfte", darunter die meisten Sauropoden und Theropoden, sowie die Ornithischia mit einer "Vogelhüfte". Zu letzteren werden die Panzerechsen (Thyreophorans) und die späteren Ceratopsier (Triceratops als bekanntester Vertreter), sowie eben auch die Ornithopoden gezählt.
Ohne auf Details einzugehen unterscheiden sich bei den beiden Hauptgruppen Saurischia und Ornithischia hinsichtlich des Aufbaus von Darmbein, Sitzbein und Schambein.

Lebendrekonstruktion eines schnellen, kleinen Heterodontosaurus.
Lebendrekonstruktion eines schnellen, kleinen Heterodontosaurus.

Die Ornithopoden sind eine äußerst interessante Dinosaurierfamilie. Sie weisen vogelähnliche Füße auf, wie man sie bei jedem Vogel, egal ob Huhn oder Piepmatz findet (natürlich in größerem Maßstab) und sie waren in der Lage, äußerst schnell laufen zu können. Teilweise war es ihre einzige Verteidigungsmaßnahme, wenn sich räuberische Theropoden näherten.

Im Jura war Lesothosaurus einer der kleineren und sehr frühzeitigen Varianten, Heterodontosaurus etwas größer.

(5) Der erste Vogel: Archaeopteryx

Der erste Vogel oder das einst als "missing link" (Evolutionärer Beweis für eine Mischform zwischen Saurier und Vogel) gefeierte Fossil von Archaeopteryx ("Sehr alter Flügel") wird heute wissenschaftlich etwas anders betrachtet und als eigenständige evolutionäre Sackgasse gesehen.

Archaeopteryx beim Angriff (künstlerische Rekonstruktion), © Durbed auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0.
Archaeopteryx beim Angriff (künstlerische Rekonstruktion), © Durbed auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Dennoch ist er ein Beweis dafür, wie sich Flugfähigkeiten entwickelten und heutige Vögel entstehen konnten. Archaeopteryx hat noch Zähne wie ein Saurier und auch die Flügel erinnern noch eher an befiederte, lange Arme. Der Körperbau weist noch sehr viele Merkmale eines kleinen Theropoden-Fleischfressers auf.

Richtig fliegen wie ein Vogel konnte Archaeopteryx wohl nicht, aber durch die Luft gleiten. Die Federn eines Archaeopteryx ähneln denen einer Taube.

(6) Luft- und Meeressaurier

Erstaunlicherweise geht es in den Ozeanen des Jura nahezu unverändert zur Trias weiter. Die uns bereits bekannten Ichthyosaurier, die "Delphine des Jura", gelangen zur vollen Blüte und sterben im langen Lauf der Zeit zudem aus - nicht durch eine Katastrophe, sondern durch vermutlich eine subtile Mischung aus gesteigerter Nahrungskonkurrenz und veränderten Umweltbedingungen.
Die Plesiosaurier machen es besser und gelangen in die nächste Epoche, die Kreidezeit und werden auf dem Weg dorthin wie alle Saurier größer und entwickeln sehr langhalsige Varianten.

In der Luft entwickeln sich die Flugsaurier weiter. Rhamporhynchus ist hier ein fischfressender Vertreter der ursprünglichen Gattung mit langem Schwanz. Daneben entwickelt sich jedoch auch ein Kurzschwanzflugsaurier wie Pterodactylus. Zur vollen Größe werden die Flugsaurier sich jedoch erst in der Kreidezeit entfalten.

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Klima: Heiß-feuchter Hitzeterror und der auseinanderbrechende Superkontinent

War die Trias noch durch den Großkontinent Pangäa und aufgrund der großen innerkontinentalen Fläche von vielen Wüsten mit trocken-heißem Klima* geprägt, wurde es nun an vielen (aber nicht allen) Orten feuchter, da der Kontinent weiter auseinanderbrach und isolierte Kontinente sich ausbildeten.

Vergleichen wir Trias und Jura hinsichtlich ihrer klimatischen Faktoren, stellen wir eine signifikante Erhöhung von sowohl CO2, wie auch Sauerstoff (O2) fest.

Trias
Sauerstoffgehalt: 16% (heute 20%)
Kohlendioxidgehalt: 1750 ppm (heute 403 ppm, vorindustriell: 260 ppm)
Durchschnittstemperatur: 17 Grad Celsius (2,5 Grad höher als heute, 3,5 Grad höher als 1850)

Jura

Sauerstoffgehalt: 26% (heute 20%)
Kohlendioxidgehalt: 1950 ppm (heute 403 ppm, vorindustriell: 260 ppm)
Durchschnittstemperatur: 16,5 Grad Celsius (2 Grad höher als heute, 3 Grad höher als 1850)

Die Temperaturwerte von vor 200 Millionen Jahren könnten wir etwa bis zum Jahr 2100 erreicht haben ...
Und das, obwohl damals kein Kontinent direkt auf einem der Pole lag - was zu einer Abkühlung des Planeten führt, wie es heutzutage der Fall ist - Antarktis!

Die Lageverteilung der Kontinente stellt sich im Jura folgendermaßen dar:

Kontinentalverschiebung und Aufbrechen des Urkontinents Pangäa von Beginn bis heute. Jura-Zeitalter: Mittlere Reihe, linkes Bild.
Kontinentalverschiebung und Aufbrechen des Urkontinents Pangäa von Beginn bis heute. Jura-Zeitalter: Mittlere Reihe, linkes Bild.

Man sieht, wie sich im Jura das Auseinanderdriften langsam voranschreitet. Die einzelnen Kontinente bilden jetzt jeweils eigene Klimate aus, während bei Pangäa lediglich zentralkontinentale Wüsten herrschten. Sich auffaltende Gebirge begünstigten feuchtere Klimate und es bildeten sich Binnenmeere. Aus diesen stammten Kalkgesteine wie beispielsweise der berühmte Sonthofener Plattenkalk, in dem auch das erste Archaeopteryx-Exemplar im Jahr 1861 gefunden wurde.

Das Jura-Zeitalter stellt den Durchbruch der Dinosaurier dar, die die Herrschaft auf dem Planeten zu übernehmen beginnen. Sie differenzieren sich und bilden viele Arten aus, doch diese Entwicklung wird erst im dritten und letzten Dinosaurier-Zeitalter, der Kreidezeit, gekrönt.
Bekanntlich radiert ein kosmischer Schicksalsschlag alle Dinosaurier mit einem Schlag von diesem Planeten und ermöglicht so erst den langen Weg zum Menschen. Warum nicht ein einziger Dinosaurier überlebt hat und was hätte sein können, wenn der Chicxulub-Komet* nicht die Erde getroffen hätte, das verrate ich bald im dritten und letzten Teil der Dinosaurier-Reihe. Es wird dramatisch und äußerst unheimlich ...

Video zum Jura-Zeitalter mit Schwerpunkt auf dem Diplodocus:

Im Vergleich zur heutigen Zeit zeigt sich hinsichtlich der Erderwärmung und der Klimakatastrophe, wie schnell wir unseren Planeten und vor allem uns selbst zerstören: Bei einer erwarteten Erwärmung von bis zu 6 Grad global bis etwa 2100 hätten wir die tropischen Zeitalter von Trias und Jura weit überschritten und Werte von Epochen erreicht, in denen ein Treibhauseffekt eine Massenvernichtung von Arten herbeigeführt hat.
Da der Effekt früher tausende oder sogar hunderttausende von Jahren benötigte und wir dies nicht auf natürliche, sondern künstliche Weise durch das Verbrennen von Milliarden Wäldern aus dem Karbon-Zeitalter durchführen, ist der Zeitfaktor bedrohliche bis zu 1000 mal schneller. Dass sich angesichts dieser Geschwindigkeit weitere Katastrophen ergeben, die wir aktuell noch nicht erkennen können, halte ich für eine realistische Annahme. Immerhin befinden wir uns derzeit bereits in einer beginnenden, neuen Massensterben von Arten, die sich parallel zur Klimakatastrophe und massiv unterstützt vom Menschen exponentiell beschleunigt: Klimakatastrophe - Die Massenauslöschung hat bereits begonnen (Kaltwetter.de).

Temperaturen auf der Erde im Laufe der geologischen Epochen von 500 Millionen Jahren vor unserer Zeit bis heute, © :Glen Fergus, hg6996 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0.
Temperaturen auf der Erde im Laufe der geologischen Epochen von 500 Millionen Jahren vor unserer Zeit bis heute, © :Glen Fergus, hg6996 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0.

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• Detailliertere Darstellung des Jura: Artikel "Jura" (Spektrum.de).





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