Wie viel tragen kleinere Vulkanausbrüche zum Klimaschutz bei?

4
155
Lavafontänen der Holuhraun-Spalte beim Ausbruch des Bardarbunga, September 2014. © Joschenbacher auf wikimedia.commons.org, Lizenz: CC BY-SA 4.0.
Lavafontänen der Holuhraun-Spalte beim Ausbruch des Bardarbunga, September 2014. © Joschenbacher auf wikimedia.commons.org, Lizenz: CC BY-SA 4.0.

Können Vulkan zum Klimaschutz beitragen? Außerhalb Deutschlands ist man einmal wieder deutlich weiter als der deutsche und spricht zu recht von "Schutz vor der globalen Erwärmung" (protect against global warming), wenn es um die Wirkung von Vulkanausbrüchen geht (zumal die Opfer einer Klimakatastrophe exponentiell höher sind als die eines Vulkanausbruchs. Die Vorwarnzeit bei Eruptionen wird immer größer und somit Evakuierungen effektiver).

Eine neue Veröffentlichung bringt dabei gute Nachrichten. Bisher war man stets davon ausgegangen, dass kleinere Ausbrüche bzw. Eruptionen, die lediglich die Troposphäre erreichen und nicht bis in die Stratosphäre dringen, kaum Auswirkungen auf das Klima* haben und zu keinerlei Abkühlung führen. Nun deuten Hinweise darauf hin, dass kleine Eruptionen sehr wohl einen abkühlenden Effekt haben und somit zum Klimaschutz beitragen in einer brennenden Welt.

Klimaschutz: Wie kühlen Vulkanausbrüche das Klima?

Vulkane eruptieren Schwefeldioxid (SO2) bei einem Ausbruch. Dieser verbindet sich in der Atmosphäre mit Wasser zu Schwefelsäure (H2SO4). Die Schwefelsäurepartikel sind sehr langlebig und verbleiben wie ein Schleier in der Atmosphäre.
Dort reflektieren sie besonders effektiv die Strahlung der Sonne*, die somit nicht bis zum Erdboden vordringen und diesen erwärmen kann.
Aschepartikel führen bei größeren Ausbrüchen ebenfalls zum Rückstrahleffekt bei, indem diese mit der Luft ein Aerosol bilden und die Strahlung der Sonne* zurückreflektieren*.

Bestandteile und Auswirkungen einer vulkanischen Eruption.
Bestandteile und Auswirkungen einer vulkanischen Eruption.

Auf diese Weise führt eine globale Abkühlung durch die Reflektion zu einem ebenso globalen Klimaschutz. Doch während man bisher davon ausging, dass nur große Eruptionen dies zu leisten vermögen, kommt die Veröffentlichung zu überraschenden Folgerungen.

Die kleinen Vulkane als "missing link" der globalen Erwärmungspause?

Nach der neuen Studie haben kleinere Vulkanausbrüche die doppelte Strahlungsmenge reflektiert, als bislang angenommen wurde. Als Ergebnis sei der Anteil an globaler Abkühlung durch kleinere Vulkan-Eruptionen auf 0.05 bis 0.12 Grad Celsius (global) einzuschätzen.

Warum die Erwärmung der Erde stagniert, ist strittig. Die Autoren der Studie glauben, dass der unterschätzte Effekt der kleineren Vulkan-Eruptionen ebenso wie die Speicherfähigkeit der Ozeane Ursachen für die Erwärmungspause sind.
Kritiker mögen das als fadenscheiniges Argument bezeichnen, um die Pause der globalen Erwärmung nachträglich künstlich zu rechtfertigen, damit die Erwärmungsmodelle (und somit auch die Besteuerungspläne der Politik) aufrecht zu halten sind. Allerdings sagen die Autoren der Studie zu recht, dass die abkühlende Wirkung der kleineren Vulkane in den Modellen bisher nicht berücksichtigt wird und dies ein fehlendes Puzzleteil darstellt.
Insbesondere in der Grenzschicht zwischen Troposphäre und Stratosphäre in 10-15 km Höhe (je nach Position auf der Erde) scheinen viele Schwefelpartikel und Aerosole zu verbleiben, die mit Satelliten bisher nicht erfasst werden können.

Die gelegentlich zu lesende Behauptung, dass Vulkane mehr Kohlendioxid und somit ein wärme* begünstigendes Treibhausgas eruptieren als die gesamte Menschheit produziert, ist eher in den Bereich von Klimaskeptiker-Märchen einzuordnen. Tatsächlich ist die CO2-Menge vernachlässigbar, wie das Umweltbundesamt z. B. mitteilt: Übersehen die Klimatologen die vulkanischen Einflüsse auf das Klima? Ist der vulkanische CO2-Ausstoß nicht bedeutender als der des Menschen?. So stehen 30 Milliarden Tonnen Kohlendioxid menschlicher Produktion einem Betrag von etwa 0,03 Milliarden Tonnen (= 30 Millionen Tonnen) vulkanischer Tätigkeit gegenüber. Deutlicher geht es nicht.

Das Paradebeispiel Bardarbunga

Bekanntlich ist der isländische Vulkan Bardarbunga Ende August diesen Jahres ausgebrochen und speit seitdem ununterbrochen in einer kleinen Dauer-Eruption Lava und vor allem Unmengen Schwefel aus, deren gesammelte Menge über die Monate bereits in der Summe größer ist als der gewaltige Ausbruch des Laki im Jahr 1783. "Klein" ist diese Eruption deswegen, weil sie nicht in einer massiven Explosion Lava, Asche und Schwefel bis in die Stratosphäre bläst, sondern lediglich in die Troposphäre.
Nach den Ergebnissen der Studie könnte dies allerdings ebenfalls zu einer Abkühlung führen, was wir bereits einmal angesprochen hatten.

Ob sich eine Abkühlung messen lässt, wird sich im Verlauf des folgenden Jahres zeigen, zumal die Eruption nach wie vor unverändert anhält und weiterhin etwa 40.000 bis 60.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag eruptiert werden. Das entspricht seit dem Ausbruch mehr Schwefeldioxid als die gesamte Industrie Europas in einem ganzen Jahr produziert.

Sollte sich die Klimaerwärmung, die in Deutschland angesichts der gemessenen Werte beinahe schon einen galoppierenden Charakter erreicht hat, fortsetzen, kann man nur hoffen, dass die Vulkane aktiv werden und der Schwefel der Menschheit eine Atempause verschafft, um Lösungen zu finden.
Vielleicht sehen wir bald schon diffuse "Schwefelsonnenuntergänge", wie es der Maler Turner 1838 künstlerisch umsetzte und damit berühmt wurde. Allerdings müsste dann ein Vulkan von der Größe eben jenes Vulkans namens Tambora ausbrechen, dessen gewaltige Eruption im Jahre 1815 ein Jahr ohne Sommer hervorrief und noch Jahre danach für Farbenpracht am Horizont sorgte - auf der ganzen Welt. Diese prächtigen Farben beeinflussten die künstlerische Wahrnehmung der gesamten Biedermeier-Epoche.

William Turner, Abendstimmung in Wales, 1838
William Turner, Abendstimmung in Wales, 1838.

Die Studie, auf die im Artikel Bezug genommen wird (englischsprachig, kostenlos):
Geophysical Research Letters: Total volcanic stratospheric aerosol optical depths and implications for global climate change, https://doi.org/10.1002/2014GL061541.




Haben Sie Informationen, Erkenntnisse oder Gefühle beim Lesen mitgenommen? Dann würde ich mich nach dem Nehmen über ein Geben sehr freuen. Danke!