So war der Winter 2015/16: Der Anfang vom Ende für alle zukünftigen Winter?

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Gang in die ewige Mildwinterhölle: Könnte der Winter 2015/16 eine Zäsur gewesen sein und es in Zukunft nur noch ausschließlich Mildwinter geben?
Gang in die ewige Mildwinterhölle: Könnte der Winter 2015/16 eine Zäsur gewesen sein und es in Zukunft nur noch ausschließlich Mildwinter geben?

Was waren wir doch optimistisch in die Prognose des Winter 2015/16 gestartet, als der Hitzenovember 2015 mit Temperaturen wie im Spätsommer auf dem klimakatastrophischen Höhepunkt war.
So viele Klimafaktoren, die alle auf einen Kaltwinter deuteten. Doch gewonnen haben die meteorologischen Prognosen, die einen der heftigsten Mildwinter aller Zeiten voraussagten.
Bevor wir detailliert auf die Gründe für das Winterversagen zu sprechen kommen, blicken wir zurück auf die letzten Winter, um den aktuellen besser einordnen zu können.

(1) Blick zurück: Wie waren die Winter der letzten Jahre 2000 bis 2014/15?

Im Vergleich mit dem 30-Jahres-Mittel 1961-1990 verwende ich zukünftig folgende Winter-Kategorien:

Supermildwinter: ab +2,5 Grad zum Mittel

Mildwinter: +1,5 Grad bis +2,4 Grad zum Mittel

Leichtwinter: +0,9 bis +1,4 zum Mittel

Normalwinter: 0,0 bis +0,9 zum Mittel

Kaltwinter: -0,1 bis -1,9 Grad zum Mittel

Superkaltwinter: ab -2,0 Grad zum Mittel

Im Rahmen dieses Schemas haben wir es also mit einem Supermildwinter zu tun, während der Winter davor mit +1,6 Grad ein banaler Mildwinter war.

Kurz noch ein Rückblick auf die letzten Jahre, die zeigen, wie wenig Winter wir in Deutschland (das sich eigentlich in Tropendeutschland umbenennen sollte) wirklich haben und auch, dass die Mildwinter eben doch statistisch immer "im Block" auftauchen:
2014/15: 1,8 = + 1,6 Grad = Mildwinter
2013/14: 3,3 = + 3,1 Grad = Supermildwinter
2012/13: 0,3 = + 0,1 Grad = Normalwinter (dabei waren Dezember und Januar übrigens deutlich über dem Mittel)
2011/12: 1,1 = + 0,9 Grad = Leichtwinter
2010/11: -0,6 = - 0,4 Grad = Kaltwinter

(2) Der Verlauf des Winter 2015/16: Wie das Kanzleramt der Regierung - Versprechungen ohne Taten

Die meteorologischen Daten des Winters 2015/16

Die reinen Temperaturen im Mittel, die bekanntlich sowohl das stets winterbevorteilte Bergland wie auch das Flachland zusammenfassen, sind im Winter 2015/16 eine durchgängige Katastrophe:

Dezember 2015: 6,4 Grad = +5,6 Grad zum Mittel 1961-1990
Januar 2016: 1,2 Grad = +1,7 Grad zu warm*
Februar 2016: 3,4 Grad = +3,0 Grad zu warm*

Um diese harmlos klingenden Zahlen einmal ganz anschaulich zu verdeutlichen: Was bedeutet 5,6 Grad über dem Mittel?
Bei den Mitteltemperaturen wird aus allen Unterschieden in Deutschland von den 29-31 Monatstagen ein genormter Einzeltag berechnet. Dabei werden Flachland, Bergland, Tag und Nachttemperaturen in einen Topf* geworfen und der Durchschnitt errechnet.
Das bedeutet, dass bei 5,6 Grad zu warmen Mitteltemperaturen im Flachland jeder einzelne Tag des Monats Tagesmaximaltemperaturen aufwies, die ca. 15 Grad zu hoch waren!
Umgedreht versuche man sich das einmal im Sommer für den umgekehrten Fall vorzustellen. Statt 25 Grad am Tag gäbe es einen ganzen Monat 10 Grad. Jeden einzelnen Tag.

Mehr noch. Die Mitteltemperaturen im Dezember von 6,4 Grad übertrafen das Mittel des März 1961-1990 um 2,9 Grad! Und erreichten beinahe Temperaturwerte des April (7,4 Grad im Mittel).
Wer jetzt noch wirklich Beweise für eine Klimakatastrophe benötigt, dem muss man wohl die Bildung mit dem Schlagbohrer implantieren...

Der Winter 2015/16 war im Mittel 3,6 Grad warm und lag damit 3,4 Grad über dem Mittel 1961-1990. Er ist somit ein Supermildwinter und einer der wärmsten Winter seit Aufzeichnungsbeginn 1881

Es ist somit der fünfte "Nicht-Kaltwinter" in Folge und der dritte Extremmildwinter in Folge.

Niederschlag und Sonnenscheindauer
Der Niederschlag folgte den Prognosen der Auswirkungen einer globalen Klimakatastrophe mit regionalen Auswirkungen in Deutschland, wie sie vor Jahren bereits prognostiziert wurden: Kaum noch Frost, Dürren von Frühjahr bis Herbst*, anschließend zunehmende Niederschläge, um das Jahressoll zu verbessern.

Während im Dezember 2015 noch angesichts des Subtropenhochs und horrender Klimahitzewerte deutlich zu wenig Niederschlag fiel, steigerte sich dies deutlich im Januar 2016 und noch einmal deutlich im Februar 2016. Am Ende verzeichneten die Messstationen ein Plus von 7% bei 195 Litern pro Quadratmeter (Soll: 181 l/qm).

Trotz des Regens war die Sonnenscheinbelastung viel zu hoch, vor allem im Süden Deutschlands. 175 gleißende Stunden brannte die Wintersonne vom Himmel statt sich auf das Soll von 154 Stunden zu beschränken.

Eine Auflistung der einzelnen Bundesländer spare ich mir für den Winter, da die Werte in den Einzelmonaten Dezember 2015, Januar 2016 und Februar 2016 beim DWD und Bernd Hussing verfügbar sind von mir im Rahmen der nationalen Klimaberichte beim Extremmonat (Dezember 2015 bereits detaillierter vorgestellt wurden.

Der meteorologische Verlauf des Winters 2015/16

Der Winter 2015/16 zeigte einmal mehr, dass als Bewertungsmesslatte eines Winters natürlich nur das Flachland taugt! Eine Binsenweisheit: Nur wenn das schwächste Winterglied Schnee* erhält, kann man wenigstens von einem Teilwinter sprechen.

Mildwinterhorror, wie er im Flachland durchgängig war: Kein Schnee*, zu viel Sonne*, Plusgrade.

Die Region von Rhein-Main im Raum Mainz-Wiesbaden-Darmstadt bis hinunter zu Mannheim hatte exakt 0,0 Schneetage. Auch wenn es für Bewohner von Bergregionen nicht vorstellbar ist: Wir hatten hier vor Ort nicht einen Tag Schnee*, ja nicht einmal 1 Stunde. Auch nicht 10 Minuten. Nichts.
Ähnlich verhielt es sich im äußersten Westen, wobei dieser bei einem überraschenden Schneebesuch im Oktober 2015 wenigstens einen zeitweisen Hauch der weißen Winterpracht erlebte.
Fazit: Es handelt sich somit um einen Nichtwinter oder Supermildwinter, wie man es auch bezeichnen möchte. Dass das Bergland durch physikalische Bedingungen (Abnahme der Temperatur mit zunehmender Höhe, etwa 0,7 bis 1 Grad pro 100 Meter) naturgemäß trotz Supermildwinter teilweise Schnee* erlebte (für den Osten Deutschlands gilt ähnliches), ändert nichts am Gesamtbild und an der Beurteilung.

Dezember 2015
Immer wieder ziehen Tröge auf den Atlantik und Deutschland landet im Hitze-Tal zwischen Trog Atlantik und Trog Osteuropa. Süd- und Südwestlagen brachten dabei die noch im Mittelmeerraum schwelende abnorme Hitze des El Niño nach Deutschland. Wenn es einmal nicht so war, dann war Westdrift angesagt mit warmer Atlantikluft. Selbst im Bergland war der Dezember eher ein Frühling mit den schlimmsten Alptraumwerten, die man sich vorstellen kann (Klimabilanz Dezember 2015).

Januar 2016
Der Januar 2016 machte Hoffnung. Ostlagen und eine negative arktische Oszillation brachten dem Bergland Winter, dem Osten und sogar dem hohen Norden ebenso eiskalte Temperaturen. Nur der Süden und Südwesten sowie der äußerste Westen ging immer noch dauerleer aus, da die Ostkälte nicht so weit vordrang.

Ein Polarwirbelsplit "von unten" (Canadian Warming) verlief ungünstig, sodass sich die Kaltlage im Norden und Osten nicht weiter halten konnte. Auch die Erwärmung des Nordpols bis auf Plusgrade (!!) und 50 Grad zu hohe Temperaturen am Boden brachten keine Luftzirkulationsänderung zugunsten eines Winters, sondern belegten vielmehr, dass die Klimakatastrophe, gestützt durch El Niño Kapriolen produzieren kann, die Angst vor den nächsten Jahrzehnten machen.
Dass diese Erscheinung reiner Zufall war, wie oft zu lesen ist, glaube ich nicht, sondern es handelt sich um eine direkte Auswirkung von El Niño und damit der Klimakatastrophe selbst.

Februar 2016
Der Februar löste dann die kurzzeitige Winterfreude im Bergland wieder durch Westdriftcharakter ab. Ein starkes Warming entpuppte sich leider als Minor Warming statt als das erhoffte Major Warming, da die benötigte Windumkehr fehlte.
Trotzdem änderte sich die Lage dadurch geringfügig ab Mitte des Monats und beendete abrupt einen kurzen Hitzeausbruch mit Wärmerekordwerten in Bayern. Trotzdem schien sich das Wetter* nicht richtig entscheiden zu können. Mal gab es kühlere Phase, dann wieder mildere und der Februar konnte den Mildwintercharakter nicht loswerden.

Die Extreme in diesem Winter sind ebenso wie in den beiden Vorwintern auffällig und haben sich erneut gesteigert. Das führt zu der Frage, was eigentlich ursächlich war für das vollumfängliche Scheitern dieses Winters, denn die klimatischen Vorzeichen waren beinahe perfekt.

(3) Warum scheiterte der Winter 2015/16 trotz beinahe idealer Vorzeichen?

In meiner Winterprognose 2015/16 hatte ich mich am 18. Oktober 2015 für einen Kaltwinter ausgesprochen, weil die meisten klimatischen Faktoren für einen kalten Winter sprachen. Warum ist das völlig daneben gegangen?
Ehrlich gesagt bin ich von dem Verlauf des Winters schockiert, gerade weil er nahezu exakt das Gegenteil anbot von dem, was klimatisch an Vorzeichen zu erkennen war. Welche klimatischen Vorzeichen waren das noch mal?

El Niño
Auf El Niño lagen die großen Hoffnungen - ein Monster im Sommer, aber ein Heilsbringer für den Winter, so war der Tenor. Allerdings hatte ich erwähnt, dass nach einer strittigen Theorie ein zu starker El Niño sich eher kontraproduktiv auswirkt. Ohne die kausalen Zusammenhänge hier wirklich am Ende genau herausfinden zu können, gab es zudem auch in anderen, moderaten El Niño-Jahren ebenfalls Mildwinter, wie die uns bereits bekannte Aufstellung von Asaad Chneker zeigt:

Mild- und Kaltwinterverteilung nach Jahren mit CP und EP El Nino, © Asaad Chneker.
Mild- und Kaltwinterverteilung nach Jahren mit CP und EP El Nino, © Asaad Chneker.

Daher gibt es verschiedene Möglichkeiten, warum der El Niño dieses Mal trotz CP-Charakter (Temperaturen auf dem Pazifik höher als küstennah) nicht kaltwinterbegünstigend Einfluss nahm:
1. Er war zu stark (mit 2 bis 2,5 Grad Wärme*-Anomalie auf Rekordkurs. Ein moderater El Niño läge bei 1,5 Grad zu warmen Pazifiktemperaturen).

2. Er ist trotz CP-Charakters kein Garant für Kaltwinter, sondern eingebunden in eine bestimmte Streuweite, bei der die Chance auf Kaltwinter nicht 100%, sondern nur 60-70% beträgt und somit 30-40% auch Mildwinter beinhaltet. Anders gesagt: Wir hatten Pech, weil die Mildvariante wirksam wurde (warum auch immer).

3. Die Klimakatastrophe im Sinne der globalen Erwärmung überlagert den El Niño-Effekt für den Winter und macht ihn zunichte. Wir erinnern uns, dass es ein Sturmtief am Pol gab, das in unglaublichem Maße Wärme* zum Nordpol brachte und diesen kurzfristig auf Plustemperaturen anhob - mitten im Winter, wo monatelang kein einziger Sonnenstrahl die Polregion erreicht!

Vergessen dürfen wir nicht, dass es ab Januar 2016 durchaus zu kaltwinterbegünstigenden Störungen des sehr starken Polarwirbels (evtl. durch die westliche QBO-Phase) kam, wie es Dr. Cohen mit seiner Schneelagenanalyse voraussah, diese sich aber nur sehr kurz und nie nachhaltig durchsetzen konnten.

Sonnenfleckenzyklus
Wir erinnern uns: Auch der britische Hobbymeteorologe Gavin Partridge hatte eine vielversprechende Theorie, nach der im Vergleich der Sonnenfleckenzyklen uns ein brillanter Kaltwinter bevorstand, was ich in der Winterprognose vorgestellt hatte.
Auch diese Theorie können wir getrost als halbwissenschaftliche Spekulation und Fantasie in die Tonne werfen.

Sonnenflecken haben wohl, wie die Sonne* selbst, nur eine geringe Wirkung auf unser Wetter* und Klima*. Die Forschung beziffert derzeit die Spannbreite zwischen einer aktiven und einer inaktiven Sonne* auf 0,2 Grad Celsius globaler Temperaturschwankung. Mit anderen Worten: Selbst wenn die Sonne* komplett inaktiv würde in einer Kleinen Eiszeit, reduziert sich dadurch die globale Temperatur nur um lächerliche 0,2 Grad Celsius!
Die Klimakatastrophe erwärmt derzeit den Planeten hingegen auf über 1 Grad Celsius global. Die Erwärmungssteigerung beträgt vor 2015 0,2 Grad alle 10 Jahre und durch El Niño 2015 0,4 Grad alle 10 Jahre (wenn der El Niño als Dauerzustand bliebe). Zur Erinnerung: bei 1,5 oder 2,5 Grad Celsius globaler Erwärmung wird eine Unkontrollierbarkeit und sprunghafte Klimaapokalypse vermutet... die Sonne* ist im Vergleich nach der Forschung also lediglich ein Tropfen auf einer kochendheißen Herdplatte*.

Ein Stand niedriger Sonnenflecken hat jedoch durchaus positive Auswirkungen. Diese sind allerdings nicht direkter (Temperatur-)Natur, auch wenn sie auf der Abwesenheit von Sonnenflecken und koronalen Massenauswürfen beruhen. Eine ruhigere Sonne wirkt sich auf die QBO, auf die Stratosphäre und das komplexe System von Ozean und Luftzirkulation aus. In Jahren niedriger Sonnenfleckenzahl scheinen sich meridionale Atlantiklagen zu verstärken, die Ostlagen und damit Kälte im Winter in Deutschland begünstigen.
Wie wir gesehen haben, war dies in diesem Winter im Januar durchaus der Fall, nur fällt ein kausaler Nachweis schwer - immerhin kann es sich auch "nur" um eine bloße Wetterlagenzufälligkeit handeln, die gar nichts mit den Sonnenflecken zu tun hat.

Halten wir also fest: Sonnenflecken sind ein Faktor unter vielen. Ich tendiere dazu, dass sie eigentlich nur Ernst zu nehmen sind, wenn der Zyklus das Minimum erreicht hat, also im Jahr des tatsächlichen Minimums (nächster: 2020 oder 2021) und im Jahr davor und im Jahr danach. Bis dahin wird noch einige Zeit ins Land gehen, wie man sieht:

Sonnenfleckenzyklus mit gemessenen Werten bis Januar 2016 und Prognoseverlauf bis 2019 (Quelle: NOAA).
Sonnenfleckenzyklus mit gemessenen Werten bis Januar 2016 und Prognoseverlauf bis 2019 (Quelle: NOAA).

Quasi-biennale Oszillation (QBO)
Die QBO ist eine zweijährige Schwingung in der Stratosphäre, die Westdrift oder Ostlage begünstigt, je nachdem in welche Richtung die Winde sich in der jeweiligen Phase bewegen.
Dummerweise setzte genau zum Ende des Herbst* eine Westphase der QBO ein, die ich wohl völlig unterschätzt habe.
Die Folgen einer westlich geprägten QBO sind: Stärkung des Polarwirbels (und der Polarwirbel war unglaublich stark in diesem Winter, was der Worst Case ist, denn der Polarwirbel hält so die Kälte von uns weg und "schließt" sie praktisch ein statt sie bei einem schwachen Polarwirbel für die nördliche Hemisphäre durch Schwächung und "Lecks" zur Verfügung zu stellen), Unterstützung der Westdrift und somit Verhinderung von Nord- und Ostlagen.

Sieht man sich andere Jahre zum Vergleich an, so liegen sehr viele Kaltwinter immer in einer östlich geprägten QBO-Phase. Das kann eigentlich kein Zufall sein. Scheinbar wird also die QBO entweder von mir oder auch generell deutlich unterschätzt. Das wird in den kommenden Jahren also neu bewertet werden müssen!

Aktuelle QBO-Phase: Westwind (dunkel schraffiert). © FU Berlin.
Aktuelle QBO-Phase: Westwind (dunkel* schraffiert). © FU Berlin.

Der Kalte Fleck und die Troglagen
Der Kalte Fleck auf dem Atlantik könnte eventuell auch eine Rolle bei der Verhinderung von Wintern in Deutschland spielen. Ich hatte im Artikel "Der Golfstrom schwächelt und Deutschland versinkt deswegen in Hitze?" einmal mehr die These vorgestellt, nach der die Troglagen auf dem Atlantik zunehmen. Der kalte Fleck dort scheint die Tröge wie ein Magnet anzuziehen. Die Folge: Deutschland wird von den Troglagen nicht getroffen, sondern landet im Gegenteil im Tal zwischen zwei Troglagen und damit in der maximalen Hitze.

Kein geringeres als das renommierte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hat das mit Belegen gestützt, die ich ebenfalls in dem o.g. Artikel genannt habe. Offenbar ist etwas dran und die Folge wären nicht nur wegen der global ansteigenden Temperaturen eine Anhebung der Schneefallgrenze, sondern fatalerweise auch noch zusätzlich trotz der regionalen Abkühlung auf dem Atlantik durch "falsche" Troglagen eine weitere Minderung der ohnehin minimalen Winterchancen in Europa.

Besonders im November und Dezember 2015 haben wir dieses Verhalten von Atlantiktroglagen statt über Deutschland zur Genüge beobachtet. Trotzdem ist hier das letzte Wort noch nicht gesprochen, da die Zusammenhänge sehr komplex sind. Dennoch ist es auffällig, dass Troglagen, wenn sie denn einmal entstehen, fast immer den Atlantik betreffen und Deutschland anders als in früheren Jahrzehnten, immer im Hitzetal zwischen den Trögen landet.
Eine Studie, auf die ich des öfteren hingewiesen habe, bestätigt dies. Aufgeführt sind die Tage mit Troglagen in den jeweiligen Gebieten und die prozentuale Zu- oder Abnahme für die drei Zeiträume der Vergangenheit. Es werden hier die letzten 23 Jahre vor 2013 mit 18 Jahren vor 2013 und schließlich 13 Jahren vor 2013 verglichen, um erkennen zu können, ob mit zunehmender Fortdauer der Klimakatastrophe sich die Entwicklungen verschärfen.

Ab- und Zunahme der Tage mit wellenförmigen Jetstream 1990-2013, 1995-2013 und 2000-2013, © Jennifer A Francis and Stephen J Vavrus, Evidence for a wavier jet stream in response to rapid Arctic warming, 2015.
Ab- und Zunahme der Tage mit wellenförmigen Jetstream 1990-2013, 1995-2013 und 2000-2013, © Jennifer A Francis and Stephen J Vavrus, Evidence for a wavier jet stream in response to rapid Arctic warming, 2015.

Sollte sich diese Entwicklung bestätigen, können wir im Grunde den Winter für Westeuropa abschreiben. Andererseits ist es denkbar, dass der Jetstream auch in einem größeren Zyklus wandert und der Kalte Fleck nicht die Ursache der "falschen" Troglagen ist, sondern eine Folge, sprich: Die Tröge gelangen auf den Atlantik und führen so zu dem Kalten Fleck. Es gäbe also kein "Anziehungsverhalten" von Trögen und Kaltem Fleck, sondern der Kalte Fleck wäre eine Folge der Kaltluft über dem Atlantik durch die Troglagen.
Diese Theorie ist zwar eher zweifelhaft, da Salzgehalt und Schmelze vor Grönland vermutlich die Ursache sind für den Kalten Fleck, aber hier ist die Forschung noch nicht zu einem festen Ergebnis gelangt (siehe: AMOC und Windstress - Mögliche Erklärungen für den Kalten Fleck im Atlantik)

Wer hat bei der Winterprognose 2015/16 gewonnen?
Dieses Mal ist das Ergebnis eindeutig, was gelinde gesagt eine Überraschung ist. Versagt haben alle bis auf einen.
IRI und MetOffice waren sehr zurückhaltend mit ihrer Prognose zu einem Mildwinter. Da es ein Supermildwinter wurde, ging die Prognose hier auch ins Leere. Ebenso war die NASA zurückhaltend. Alle Kaltwinteranhänger waren natürlich völlig auf dem falschen Dampfer. Dazu gehörten donnerwetter.de, Lars Thieme (mit Ausnahme eines Monats), Gavin Patridge und auch meine Wenigkeit.

Einzig und allein die NOAA mit dem CFSv2 lag nahezu 100% richtig. Lediglich der Januar 2016 kam etwas kühler daher als in der Prognose. Hier noch einmal die Prognose der NOAA vom 18. Oktober 2015:

Temperaturabweichung vom Mittel im Monat Dezember 2015; © <a href="http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/CFSv2/CFSv2seasonal.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NOAA</a>.
Temperaturabweichung vom Mittel im Monat Dezember 2015; © NOAA.

Temperaturabweichung vom Mittel im Monat Januar 2016; © NOAA.
Temperaturabweichung vom Mittel im Monat Januar 2016; © NOAA.

Temperaturabweichung vom Mittel im Monat Februar 2016; © NOAA.
Temperaturabweichung vom Mittel im Monat Februar 2016; © NOAA.

Abschließend sei noch auf einen Aspekt hingewiesen, der mich sehr nachdenklich macht.
Es scheint nämlich so zu sein, dass der Winter sich prognosetechnisch gar nicht vorhersagen lässt!
Das hat verschiedene Gründe. Kurz gesagt, führt Europas geografische Lage zu einem extrem instabilen Winterszenario. Wir sind nicht in den östlichen USA mit einer kontinentalen Landmasse (Kanada) im Norden, dem Atlantik im Osten und Seengebieten die den "Lake Effect Snow" (LES) begünstigen! Damit es in Europa Winter wird im Flachland müssen so viele Faktoren zusammentreffen, dass die Chance gering und zudem sehr instabil ist - eine Voraussage dieser Instabilität, die der Kaltwinter im Grunde darstellt, ist nahezu unmöglich.

Auch die Profis im WZ-Forum haben anläßlich der Analyse zur Auswirkung von El Niño und La Nina auf Europas Klima* festgestellt: "nach van Oldenborgh liegt der "skill" einer Wintervorhersage für Europa bei fast Null." (WZ-Forum, bezugnehmend auf: van Oldenborgh G. J. (2005): Comments on "Predictability of winter climate over the North Atlantic European region during ENSO events.

Diese gewichtigen Aussagen sollte man durchaus Ernst nehmen und in künftigen Prognoseversuchen die potentielle Fehlerquote einer Prognose für den Winter deutlich nach oben und die Zuverlässigkeit und Verlässlichkeit deutlich nach unten schrauben! Beispiele im WZ-Forum und der NOAA zeigen jedoch, dass bei einem hinreichenden Verständnis der Stratosphären-Klimatologie erstaunliche Ergebnissen dennoch möglich sind.

(4) Blick in die Zukunft: Nie wieder Winter, nie wieder Schnee in einer galoppierenden Klimaverbrennung?

Die aktuelle Aufeinanderfolge von Wintern und auch der extreme Verlauf, wenn man sich einzelne Monate ansieht, deutet in eine beängstigende Richtung: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir bald keinen Winter mehr in Deutschland haben werden, ist extrem hoch. Dies gilt insbesondere für das Flachland als Maßstab für die Unterscheidung von Mild- und Kaltwintern.

Warme und kältere Winter spielen sich in sog. Zyklen ab. So folgt einem milden Winter häufig ein weiterer Mildwinter nach und dauert zumeist 2 bis 3 Jahre an. Aktuell sind wir im dritten Jahr, so dass es sich zeigen muss was im kommenden Winter 2016/17 passieren wird. Fällt dieser erneut zu warm* aus, so sind das wohl spürbare Anzeichen des Klimawandels und dessen Folgen. Blickt man auf die durchschnittliche Temperaturentwicklung der vergangenen Jahre, so kann man daraus durchaus - ohne weitere Fakten zu betrachten - den Rückschluss ziehen, als dass die Temperaturen im Winter stetig wärmer werden. So lag die durchschnittliche Temperatur in den Winterjahren von 1901-2000 noch bei +0,3 Grad und stieg im Zeitraum 2001-2014 auf +1,0 Grad, was einer Erwärmung von +0,7 Grad entspricht. Ohne hier zu tief in die wissenschaftlichen Details einzusteigen - aber +0,7 Grad bedeutet im Grunde, dass die durchschnittliche Schneefallgrenze um 100-150 Meter angestiegen ist. Somit waren winterliche Verhältnisse in tiefere Lagen noch weniger wahrscheinlich und auch ab den mittleren Lagen verabschiedet sich der Winter von 300-500 Meter auf 500-700 Meter - wenn überhaupt - denn auch in diesem Winter waren die Schneephasen unterhalb 400-800 Meter nur von kurzer Dauer.
Sini (wetterprognose-wettervorhersage.de)

Zwar ist der Winter nach wie vor zu gewissen Teilen losgelöst von der Klimakatastrophe, weil der Treibhauseffekt ganz einfach mit der Abnahme der Sonnenstunden im Winter ebenso schwindet. Trotzdem steigen die globalen Temperaturen deutlich und damit auch die Wintermitteltemperatur schleichend an und heben die Schneefallgrenze immer weiter an, wie auch Sini von wetterprognose*-wettervorhersage.de erkennt (siehe Zitat links).

Der Klimaforscher Rüdiger Glaser hat bereits 2001 in seinem Buch "Klimageschichte Mitteleuropas" folgendes geweissagt:
"Auch die Dauer der Schneebedeckung der nördlichen Hemisphäre zwischen dem 45. und 75. Breitengrad hat zwischen 1971 und 1994 im Schnitt um 8,8 Tage pro Jahrzehnt abgenommen. Laut Szenarienrechnungen wird dieser Trend im 21. Jahrhundert weiter fortschreiten [...] Am stärksten werden sich im Süden und Südosten Deutschlands die Winter um mehr als 4 Grad Celsius gegenüber dem Zeitraum 1961-1990 erwärmen [...] Fiel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dort [in den Alpen] ein Drittel des Gesamtniederschlags als Schnee, könnte es bis Ende des 21. Jahrhunderts nur noch ein Sechstel sein." (Quelle: Rüdiger Glaser, Klimageschichte, Mitteleuropas, Darmstadt 2008, 2. Auflage, S. 241)

Inzwischen sind die Prognosen nach 15 Jahren noch deutlich pessimistischer.
Die Folgen sind nicht nur der unwiderbringliche Verlust ewiger Schönheit des Winters und Kinder, die des Zaubers des Winters und Schnee unwiederbringlich beraubt werden, sondern auch Konsequenzen für die Natur, die allzuoft vergessen werden: Die Natur braucht diesen Winterschlaf als Erholung. Allein die Seen sind auf Kälte angewiesen, um den Sauerstoffgehalt zu erhöhen - ohne Sauerstoff kein Ökosystem, keine Fische, kein Leben und umgekippte Seen, die zugleich durch die Austrocknung die Wasserlage Deutschlands gefährden und zudem massiv Methan dabei freisetzen, das wiederum die Klimakatastrophe weiter befeuert.

In den Karten dieses Winters zeigen sich zudem klare Belege für die Prognosen des DWD zur Klimakatastrophe: Genau die beiden Regionen, die als Zentren der Klimakatastrophe in Deutschland gekennzeichnet sind (Rhein-Main und der äußerste Westen) sind auch die einzigen Regionen, die in der Tat 0,0 Schneetage in diesem Winter hatten! (Die Schneekarte von kachelmannwetter.de war bzgl. Rhein-Main etwas ungenau, tatsächlich gab es dort keinen Schnee, obwohl die Karte eine minimale Schneedecke anzeigt).

Schneehöhen in Deutschland, Stand 17.01.2016, © kachelmannwetter.com.
Schneehöhen in Deutschland, Stand 17.01.2016, © kachelmannwetter.com.
Zu erwartende Folgen der Klimakatastrophe in Deutschland, © DWD (PDF).
Zu erwartende Folgen der Klimakatastrophe in Deutschland, © DWD (PDF).

All diese Belege zeigen, dass die Klimakatastrophe Fahrt aufnimmt und wir uns auf dem Weg in eine Klimahölle befinden. Die CO2-Werte sind so hoch wie seit 14 Millionen Jahren nicht mehr, die Temperaturen so hoch wie seit 1-2 Millionen Jahren nicht mehr. Derzeit sieht alles danach aus, dass aufgrund der exponentiellen Steigerungsraten und der Selbstbeschleunigung der Klimakatastrophe durch klimatologische Kipppunkte die Lage sich spürbar drastisch verschlimmern wird mit jedem Jahr, der verstreicht. Am Ende wird irgendwann zwischen 2050 und 2100 die Klimaapokalypse stehen und der Untergang der Menschheit, wie wir sie heute kennen. Das ist leider keine Hysterie, keine Fantasie, sondern die direkte Folge aus den multiplen Entwicklungen des Planeten hinsichtlich Klima*, Temperatur, Biodiversitätsverlust und natürlich menschlicher Dummheit.

Anstieg der globalen Temperaturen (in Grad Fahrenheit) und CO2 (in ppm, parts per million = Teile pro Millionen), © NOAA.
Anstieg der globalen Temperaturen (in Grad Fahrenheit) und CO2 (in ppm, parts per million = Teile pro Millionen), © NOAA.

Der Winter in Deutschland ist da nur eine Randerscheinung. Was wir verlieren werden, ist dennoch so tief und schmerzhaft, als reiße man uns einen Teil der Seele heraus. Zu ändern ist dies nicht mehr. Ob es doch noch Winter in Deutschland geben wird, wenn beispielsweise der Sonnenfleckenzyklus auf das Minimum fällt im Jahre 2020 etwa oder durch die mögliche "Kleine Eiszeit" ist zwar zu einer geringen Wahrscheinlichkeit immer noch denkbar, allerdings darf man nicht vergessen, dass bis dahin die Klimakatastrophe bereits weiter die Erde und damit auch Deutschland weiter erwärmt hat und der positive Effekt längst zunichte gemacht worden ist.

Es wird Zeit, Abschied zu nehmen vom Winter. Vielleicht im Flachland für immer ...
Es wird Zeit, Abschied zu nehmen vom Winter. Vielleicht im Flachland für immer ...

Aus einer pessimistischen Sichtweise betrachtet könnte also der Winter 2010/11 der letzte (Flachland-)Winter gewesen sein, den wir oder jemals ein Mensch in Deutschland erlebt hat, weil keiner mehr kommen wird.
Optimistisch betrachtet könnten meteorologische Zufälle nach wie vor, aber sehr viel seltener Winter ins Flachland bringen oder es könnten Zufälle sich ereignen, die die Klimakatastrophe bremsen (Vulkanausbrüche). Wie unwahrscheinlich diese optimistische Variante jedoch ist, sollte jedem klar sein. Dass es auch in den 1970er Jahren einen Mildwinterblock gab, der sogar aus 8 Mildwintern am Stück bestand, halte ich für den erstmals fühlbaren Beginn der Klimakatastrophe, die ja bereits mit der industriellen Revolution um 1880 herum einsetzte, aber zunächst nur ganz allmählich sich auswirkte. Nach all den Jahren wird es jetzt nicht mehr wie nach 1977 wieder Winter geben, sondern die Klimakatastrophe gerät außer Kontrolle und wird daher dem Winter den Rest geben, während es im 20. Jahrhundert noch regionale Erwärmungspausen gab, die immer seltener und immer schwächer wurden.

Ich persönlich vermute, dass man Schnee nur noch durch Urlaube in Island oder nördliche Regionen wird erleben können. Ich rate jedem also, sich darauf einzustellen: Wer Winter will, muss Geld* und Zeit investieren. In Deutschland wird der Winter durch eine Verlagerung auf kalifornisches Wetter* mit Dürren von Frühling bis Herbst* und Regen im Winter so gut wie nicht mehr anzutreffen sein. Im deutschen Bergland, in Österreich und der Schweiz wird die Planung eines Schneeurlaubs damit auch immer mehr zu einem Risikospiel.
Wenn man bedenkt, dass man im Grunde für den Höllensommer in Deutschland mittlerweile auch 3 Monate Urlaub benötigt, um der lebensgefährlichen Hitze zu entkommen, idealerweise im Frühling ab April besser auch Skandinavien aufsucht und im Winter dann auch noch mal Urlaub für Seele und Körper bräuchte, kann man letztlich gleich den ganzen Schritt machen, getrost auswandern und damit zum Klimaflüchtling werden.

Der Winter ist für uns verloren, wahrscheinlich für immer. Für uns unerreichbar stehen wir in einer Hitzehölle. Die Klimakatastrophe hat die Brücke zum Kältehimmel einstürzen lassen. Und wer ist verantwortlich für die Klimakatastrophe? Wir selbst. Mit unsäglicher Schändung des Planeten auf tausende Art und Weise. Man ist versucht, sich von dieser Brücke zu stürzen, um nicht miterleben zu müssen, was kommen wird, denn das, was wir derzeit erleben, ist nur der zarte Anfang.





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