Winterprognose 2019/20 Teil III: Sonne, AO, Waccy und Treibhausgase

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3. und letzter analytische Teil der Prognose zum Winter 2019/20. Kippt die Prognose mit Sonne, NAO, AO, Waccy und Klimakatastrophe nun in den Mildwinterbereich?
3. und letzter analytische Teil der Prognose zum Winter 2019/20. Kippt die Prognose mit Sonne, NAO, AO, Waccy und Klimakatastrophe nun in den Mildwinterbereich?

Wichtige Analysefaktoren zum Winter 2019/20 sind bereits besprochen:
QBO und die ENSO: Winterprognose 2019/20 Teil I: QBO und ENSO.
Das Meereis, die Arktis, die Schneedecke und der Atlantik: Winterprognose 2019/20 Teil II: Meereis, Schneedecke und Nordatlantik.

Es bleibt uns noch zu klären, wie es bei der Sonne* und der NAO, der AO, dem Waccy-Effekt und der Klimakatastrophe aussieht und wie sich diese Faktoren auf den Winter 2019/20 auswirken.
Bisher waren die Ergebnisse eine augenöffnende Überraschung: Kaltwinterfaktoren wohin man auch blickt. Daneben einige wenige neutrale Faktoren mit Potential in beide Richtungen. Sollten wir tatsächlich einen Winter 2019/20 bekommen, der endlich einmal wieder nach 2009/10 und 2010/11 den Namen überhaupt verdient?

Winterzeit - Duftkerzen- und Teelichterzeit! Sie sehen nichts? Dann: Hinweis.

(1) Die Sonne und die NAO

Die Sonne* ist nicht nur der hirnlos angebetete Sol Invictus-Götze der verblödeten Sofeten (was ist das?), sondern auch beliebtes Missbrauchsinstrument der noch dämlicheren Klimawandelskeptiker.
Was aber bewirkt die Sonne* wirklich in Bezug auf den Winter?

Aktueller Zustand der Sonne: Schlafend

Die Sonne* hat einen Aktivitätszyklus, der sich wie eine Sinuskurve etwa alle 10 Jahre wiederholt. Das Aktivitätsmaß sind dabei die Sonnenflecken, die als Folge der interdependierenden Aktivität mehrerer innerer "Dynamos" der Sonne* an der Oberfläche erscheinen.

Das Entscheidende ist: Wir befinden uns nahe am oder sogar bereits im Sonnenfleckenminimum. Die Sonne ist somit in ihrer ruhigsten, passiven Phase angelangt.

Vergleich der Erwärmungsfaktoren. Wie man sieht hat die Sonne keinerlei Einfluss auf die gegenwärtige Blitzerwärmung, das CO2 sehr wohl (neben anderen nicht dargestellten Treibhausgasen). © Bernd Herd auf herdsoft.com. Die Grafik kann man selbst auf der Seite generieren.
Vergleich der Erwärmungsfaktoren. Wie man sieht hat die Sonne keinerlei Einfluss auf die gegenwärtige Blitzerwärmung, das CO2 sehr wohl (neben anderen nicht dargestellten Treibhausgasen). © Bernd Herd auf herdsoft.com. Die Grafik kann man selbst auf der Seite generieren.

Was bedeutet das NICHT? Es bedeutet nicht, dass dadurch die globalen Temperaturen auf der Erde spürbar sinken. Zwar erfolgt eine leichte Absenkung, doch diese 0,1 bis 0,2 Grad global sind angesichts einer Treibhausgaserwärmung von 1,5 Grad zu vorindustriellen Zeiten und 4 bis 10 Grad Erwärmung bis 2100 (was gleichbedeutend mit einer globalen Apokalypse der Biosphäre ist) ohne jede Auswirkung. Warum gibt es dann Eiszeiten? Ganz einfach: Weil die 0,2 Grad globaler Abkühlung im Laufe von hunderttausenden bis Millionen Jahren einen buchstäblichen Schneeballeffekt auslösen - Es entsteht ein wenig mehr Eis und Schnee*, dadurch sinkt die Albedo, was wiederum zu mehr Schnee* und Eis führt usw. Selbst das Maunderminimum vom 17. bis 18. Jahrhundert konnte nur deshalb regional sich kühlend auswirken, weil in der vorindustriellen Zeit keine Irrsinnsmassen von Treibhausgasen in die Atmosphäre geschleudert wurden.
Mit anderen Worten: Selbst wenn die Sonne in ein neues "Maunderminimum" eintreten sollte, wird es keine Eiszeit geben. Mehr dazu: Warum es keine „Kleine Eiszeit“ geben wird.

Wie sieht der aktuelle, am Ende sich befindende Zyklus 24 der Sonne aus? Man erkennt deutlich die Nulllinie bei den Sonnenflecken:

Aktueller Sonnenfleckenzyklus 24: Zieht man einen Vergleich, so stehen wir an einer Stelle wie vor dem Kaltwinter 2009/10 ... die rote Prognoselinie zieht jedoch das Minimum weiter hinaus, liegt aber womöglich falsch.
Aktueller Sonnenfleckenzyklus 24: Zieht man einen Vergleich, so stehen wir an einer Stelle wie vor dem Kaltwinter 2009/10 ... die rote Prognoselinie zieht jedoch das Minimum weiter hinaus, liegt aber womöglich falsch.

Die negative Nordatlantische Oszillation: Wirkung einer passiven Sonne

Die Sonne im Sonnenfleckenminimum beeinflusst zwar nicht die Temperatur, aber andere Faktoren, darunter vor allem die Nordatlantische Oszillation (NAO).
Die NAO ist kein eigenständiger Faktor, sondern eine Darstellungsweise der Wetterbedingungen, die für Europa entscheidend sind, nämlich die Situation auf dem Atlantik. Hier wird vor allem das Islandtief und das Azorenhoch hinsichtlich der Drucksituation/Geopotentiale betrachtet. Logischerweise kann es zunächst zwei Situationen einnehmen:

Positive NAO: Starkes Islandtief und starkes Azorenhoch. Folge: Westdriftwetter und Mildwinter in Europa.
Negative NAO: Schwaches Islandtief und schwaches Azorenhoch. Folge: Atlantikblockaden durch Hochdruckgebiete und Kaltwinter in Europa.

Dazu gibt es noch eine quasi Hardcorevariante:

High Over Low: Umkehr der Situationen mit Hoch bei Island und Tief bei den Azoren. Folge: Massive Atlantikblockaden mit retrograder Strömung, sprich: Ostumkehr der Westwinde und Anzapfen des sibirischen Kühlschranks, auch Troglagen, also Nordlagen sind möglich.

Unser Glück ist, dass die Sonne im Sonnenfleckenminimum die NAO auf negativ schaltet. Und tatsächlich sehen wir seit einiger Zeit, nach sehr langer Zeit die dauerpositive NAO plötzlich im negativen Zustand:

Aktuelle NAO. Auf die rot gekennzeichnete Prognose und den verzeichneten Sprung in positive Bereiche würde ich nicht allzu ernst nehmen - die Werte schwanken stark und ändern sich mit jeder Neuberechnung. © NOAA.
Aktuelle NAO. Auf die rot gekennzeichnete Prognose und den verzeichneten Sprung in positive Bereiche würde ich nicht allzu ernst nehmen - die Werte schwanken stark und ändern sich mit jeder Neuberechnung. © NOAA.

Und was haben wir nun? Ihr erratet es schon: Erneut einen weiteren Kaltwinterfaktor! Es wird so langsam unheimlich ... Erinnern wir uns: Die letzten Kaltwinter fanden 2009/10 und 2010/11 statt. Und in welchem Zustand war damals die Sonne? Richtig: Im letzten Minimum des Zyklus 23.

Ein kleiner Kritikpunkt betrifft den Zeitpunkt des Minimums: So ganz sicher kann man nicht sein, ob er erreicht ist. Denn in den immer schwächer werdenden Zyklen einer Sonne, die laut einiger Forscher auf ein neues Dauerminimum zugeht in einigen Jahrzehnten, flacht sich die Minimumkurve ab. Das könnte bedeuten, dass wir das Minimum noch gar nicht erreicht haben und es erst 2020 oder gar erst 2021 erfolgt, wie die (veraltete) rote Linie in der Grafik oben zum Zyklus 24 anzeigt.
Das wäre aber fatal, denn die Winter vor dem Minimum sind bombige Mildwinter.
Ich denke aber, dass wir uns just im Minimum befinden oder sogar schon den Kulminationspunkt überschritten haben und der Zyklus 25 beginnt. Und ich denke, dass der Supermildwinter 2018/19 der typische Winter vor einem Minimum war.

Ein zweiter Kritikpunkt ist natürlich die Klimakatastrophe, die die alten Regeln völlig überlagert. Kann es noch Kaltwinter geben in einer brennenden Treibhauswelt mit Verschiebung von Klimazonen, einer pisswarmen Arktis und anderen Faktoren, die zu immer weniger Schnee* und Eis und immer mehr Hitze führt? Ich denke, dass es nie wieder einen Kaltwinter nach dem Mittel 1961-1990 geben wird, wie ich bereits 2015 begründet habe: So war der Winter 2015/16: Der Anfang vom Ende für alle zukünftigen Winter?

Allerdings schließt dies Winter mit Kältephasen durch die beschriebenen Strukturen der Klimakatastrophe (Waccy-Effekt, Rossbywellenzunahme) nicht aus. Ich vermute, es würde allerdings eher einen Winter mit zu warmen ca. 0,3 bis 1,0 Grad geben - was den Sofetendeppen und der jüngeren Generation, die gar keinen Winter mehr kennt, wie eine "Eiszeit" vorkäme.
Was natürlich völliger Blödsinn ist. Selbst -30 Grad sind locker zu ertragen bzw. zu genießen. Die Gefahren liegen in der Hitze, die man nicht mit Kleidung bekämpfen kann (außer einem klimatisierten Raumanzug) und nicht in heiliger und immer seltenerer Kälte, die so wichtig ist für die Erde, für Seen (Sauerstoff), für Bäume (Erholungsphasen) und nicht zuletzt für den Menschen, der ein Wesen der Eiszeit ist (den Homo sofensis ausgeschlossen).

Ein Wort sei jedoch noch zu den Wirkungen der Sonne zum Winter gesagt und ein Detailblick geworfen auf Risiken und Chancen, was die inaktive Sonne in Deutschland nach wissenschaftlichen Studien in Wintern bewirkt.

Sonnenfleckenminimum: Garantie für einen Kaltwinter?

Es gibt eine Arbeit über den Einfluss der Sonne auf den deutschen Winter, die ich mir vor einigen Jahren gekauft habe. Den Artikel, der die erstaunlichen Erkenntnisse zusammenfasst muss ich noch überarbeiten und neu veröffentlichen im Altartikel-Bereich auf der Kaltwetter.de-Webseite.

Trotzdem an dieser Stelle eine kurze Zusammenfassung, denn die Erkenntnisse sind erstaunlich.
Heiko Brunck hat anhand von Maaren der Eifel entdeckt, dass die 2 Winter nach einem Sonnenfleckenminimum hohes Kaltwinterpotential aufweisen. Das Signal ist so stark, dass sogar jeder Kaltwinter in Deutschland innerhalb 2 Jahre nach einem Sonnenfleckenminimum auftrat!

Dabei hat Heiko Brunck unterschiedliche Einflussfaktoren für den Winter in Deutschland festgestellt:

Die drei Winterklimate in Deutschland mit den entsprechenden Einflussfaktoren, erstellt nach Darstellung in: Heiko Brunck, Zum Einfluss von Sonnenaktivität und NAO auf das Klima Mitteleuropas, Hamburg 2014, S. 45. Topografische Karte Deutschlands: © Botaurus-stellaris auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0.
Die drei Winterklimate in Deutschland mit den entsprechenden Einflussfaktoren, erstellt nach Darstellung in:
Heiko Brunck, Zum Einfluss von Sonnenaktivität und NAO auf das Klima* Mitteleuropas, Hamburg 2014,
S. 45. Topografische Karte Deutschlands: © Botaurus-stellaris auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC
BY-SA 3.0
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Was bedeutet das?
In Nordwestdeutschland wirken sich Sonne und NAO als bestimmende Winterfaktoren aus. In Ostdeutschland ist es die NAO und der sibirische Faktor, also die Nähe zum Sibirienhoch (größeres Hoch, Verlagerung nach Westeuropa durch die Schneedecke führt zu Winterverhältnissen).
Bayern und Schweiz sowie Österreich am Alpenrand sind natürlich wieder ein Spezialfaktor: Die Region bekommt ohnehin Winter. Mal mehr, mal weniger, aber mit den anderen Regionen in Deutschland, geschweige denn mit dem Flachland, ist das alles nicht zu vergleichen. Herrschen in Deutschlands Flachlanden ohnehin winterliche Verhältnisse, liegt Bayern sowieso im Schnee* begraben.

Wir sehen also, dass die passive Sonne und die negative NAO die Kaltwinterphasen für Deutschland vor allem im Nordwesten bis zur Mitte deutlich vergrößern. Wie ich schon sagte: So langsam wird es unheimlich.

(2) Die Zeitschleife der AO

Die Arktische Oszillation (AO) gibt den Zustand des Polarwirbels wieder: Eine negative AO zeigt einen gestörten, destabilisierten Polarwirbel (der seine Kälte im günstigsten Fall uns zur Verfügung stellt), eine positive AO einen stabilen Polarwirbel (der die Kälte eifersüchtig vor uns in Europa fortschließt).
Gemessen wird die Luftdrucksituation bei den drei Aktionszentren Hochdruck bei den Aleuten, Tiefdruck bei Island und Hochdruck über der Biskaya. Dabei werden die Messungen mit den Sollwerten verglichen. Das Ergebnis zeigt den Gegensatz von Arktis und mittleren Breiten. Bei positiver AO ist er sehr hoch, bei negativer AO ist er niedrig.

Den Polarwirbel hatte ich bereits in einem separaten Artikel vorgestellt: Die klimakatastrophische Midgardschlange kommt!.
Auch die Wirkung von niedrigem Meereis und sich schnell aufbauender Schneedecke auf den Polarwirbel und die AO hatten wir in den ersten beiden Teilen der Winterprognose kennengelernt, indem Warmings begünstigt werden, die den Polarwirbel schwächen und eben zu einer negativen AO führen können.

Es gibt jedoch einen speziellen Fall, den wir nun unter die Lupe nehmen: Der Verlauf der AO im Oktober ähnelt sehr der AO im darauffolgenden Januar.
Warum dies so ist, scheint eine äußerst komplexe Geschichte im Amplitudenverhalten der AO bzw. des Jetstreams zu sein und tut an dieser Stelle auch nichts zur Sache.
Wir bekommen jedoch auf diese Weise eine Art Zukunftsdeutung an die Hand, die mehr als kostbar ist!

Natürlich ist die Ähnlichkeit nicht deckungsgleich und somit nicht zu 100% übereinstimmend, aber die grobe Richtung stimmt.
Ein klares Signal, also eine deutlich negative oder deutlich positive AO hilft dabei, diesen Faktor perfekt auszunutzen. Dummerweise verhält es sich in diesem Oktober so, dass die erste Monatshälfte eine positive AO vorherrscht und in der zweiten eine negative AO.

Aktuelle AO mit positiven Werten in der ersten Monatshälfte und überwiegend negativen in der zweiten Monatshälfte Oktober 2019. © <a target="_blank" href="https://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/precip/CWlink/daily_ao_index/ao.shtml">NOAA</a>.
Aktuelle AO mit positiven Werten in der ersten Monatshälfte und überwiegend negativen in der zweiten Monatshälfte Oktober 2019. © NOAA.

Was stellen wir mit diesem unklaren Signal an? Folgerichtig kann im Januar alles möglich sein und der Faktor muss neutral bewertet werden.
Würde man ihn vielleicht zu konkret deuten, dann müsste man für die erste Januarhälfte 2020 einen milden Wintercharakter mit regnerischer Westdrift annehmen und für die zweite Monatshälfte einen Wintereinbruch. Auch in diesem Fall wäre die Zweiteilung des Monats als neutral zu bewerten und somit bleibt es dabei.

(3) Verwirrung um den WACCY-Effekt im Winter 2019/20

Dachte ich nach der Entdeckung des WACCY-Effektes 2015, dass es jetzt bis mind. 2025 mit einem Dauer-Waccy weitergeht, muss man 2019 konstatieren, dass der WACCY-Effekt oszilliert. Er taucht mal auf, dann wieder nicht. Ob die massiven Methanemissionen am Arktisrand damit zu tun haben, welche durch den schmelzenden Permafrost einer immer stärker treibhausbrennenden Welt entstehen oder ob es sich um andere Einflüsse oder gar meteorologische Zufälligkeiten handelt, kann derzeit nicht eindeutig geklärt werden.

Statt also den WACCY-Effekt im Oktober als festen Faktor zu verbuchen, müssen wir ihn stetig beobachten.
Auch im Oktober 2019 war der WACCY-Effekt zweigeteilt: Erst war die Arktis zu kalt* statt zu warm* und der Waccy-Effekt blieb aus und damit auch kühle Herbsttemperaturen in Deutschland. Nun aber erscheint er auf den Karten, da die gesamte Arktis mit teilweise unfassbaren 32 Grad zu hohen Temperaturen den ersten Teil des Waccy-Effektes (warm* arctic) übererfüllt. Aktuell dreht die Arktis übrigens wieder zur Situation am 12.10.2019 um und einer kalten Kernarktis ohne Waccy-Effekte.

Anomalien der 2m-Temperaturen am 12. Oktober 2019. Man erkennt deutlich die kalte Kernarktis ganz oben am Rand der Karte. Die Kontinente sind eher zu warm. Die Kaltregionen in West-USA und Sibirien sind stark fokussiert. © Karsten Haustein.
Anomalien der 2m-Temperaturen am 12. Oktober 2019. Man erkennt deutlich die kalte Kernarktis ganz oben am Rand der Karte. Die Kontinente sind eher zu warm*. Die Kaltregionen in West-USA und Sibirien sind stark fokussiert. © Karsten Haustein.
Anomalien der 2m-Temperaturen am 22. Oktober 2019. Die Arktis ist nun wieder zu warm (eingekreiste Gebiete) Die Kaltgebiete auf den Kontinenten sind ausgedehnter (blau eingekreist) © Karsten Haustein.
Anomalien der 2m-Temperaturen am 22. Oktober 2019. Die Arktis ist nun wieder zu warm* (eingekreiste Gebiete) Die Kaltgebiete auf den Kontinenten sind ausgedehnter (blau eingekreist) © Karsten Haustein.

Im Grunde ist der Waccy-Effekt ein anderer Begriff für die bekannten Kausalitäten um den Jetstream und die Rossbywellen: Erwärmt sich die Arktis, gleicht sie sich unseren mittleren Breiten an. Dadurch verliert der Jetstream seinen Motor aus dem Gegensatz (Gradient) zwischen einst kalter Arktis und warmen mittleren Breiten. Es kommt zu Beulen (Rossbywellen) im eiernden Jetstream. In den weit nach Süden ragenden Beulen wird arktische Kaltluft weit in den Süden transportiert - das sind dann die kalten Kontinente (cold continents) und der zweite Teil des WACCY-Akronyms.

Da wir aktuell nicht wissen, ob der Waccy-Effekt stabil auftritt, sollte man diesen Faktor zunächst neutral einstufen.
Allerdings gehe ich davon aus, dass mit letztlich sinkenden Temperaturen Richtung Winter die Permafrostschmelze stoppt und die Methanemissionen zurückgehen und damit auch die Erwärmung der Randarktis und das Abkühlen* der Kernarktis. Somit müsste der Waccy-Effekt dann doch ab einem gewissen Zeitpunkt, vermutlich ab November stabil auftreten.
Wir bleiben aber besser konservativ bei der neutralen Einstufung. Ein steter Blick auf Karsten Hausteins Globalkarten, um den Status eines Waccy-Effektes zu überprüfen, schadet allerdings nicht.

(4) Treibhausgase, Klimakatastrophe und der Winter 2019/20

Der letzte Punkt klingt wie ein ultimatives Totschlagargument: Die Klimakatastrophe.
Allerdings wäre es absoluter Schwachsinn, die globale Treibhausgasapokalypse nicht zu berücksichtigen, ist sie doch mit 1,5 Grad globaler Erwärmung zu vorindustriellen Zeiten der mit Abstand stärkste Faktor.

Vergleich der Sollwerte an Eistagen in Deutschland nach dem Mittel 1961-1990 (links) mit den Istwerten aus dem Kalenderjahr 2018 (rechts). © <a target="_blank" href="https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimaatlas/klimaatlas_node.html">DWD Deutscher Klimaatlas</a>.
Vergleich der Sollwerte an Eistagen in Deutschland nach dem Mittel 1961-1990 (links) mit den Istwerten aus dem Kalenderjahr 2018 (rechts). © DWD Deutscher Klimaatlas.

Dass es sich nicht nur um einen Temperaturfaktor handelt, dürfte mit den unfassbaren Veränderungen des Jetstreams und Wetterlagen, mit galoppierender Eis- und Gletscherschmelze und einem eigendynamischen Kreislauf von methanemittierender Permafrostschmelze klar sein. Mittlerweile gibt es regelmäßig Plustemperaturen am Nordpol - mitten im arktischen Winter, wo kein Sonnenstrahl rund um die Uhr auftritt!

Die Veränderungen in Deutschland sind ebenso deutlich: Die Frosttage gehen deutlich zurück, Schnee* ist zur Seltenheit geworden. Die Zeit des Winters, wenn man sie nach vernünftigen Kalttemperaturen von 5 bis -20 Grad bemisst und nicht nach dem Kalender, schmilzt brutal zusammen während sich die Sommer- und Hitzetage immer weiter ausdehnen in Quantität und Qualität. Dass die Schneegrenze sich immer weiter anhebt, ist ebenso kein Geheimnis. Bald schon werden auch die niedrigen Mittelgebirge kaum noch Winter kennen.

Eistage in Deutschland nach dem Mittel 1961-1990 von 1881-2018 (links) sowie die prognostizierte Entwicklung bis 2100 (rechts). Man kann davon ausgehen, dass die Entwicklung durch Kipppunkte noch deutlich drastischer verlaufen wird. © <a target="_blank" href="https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimaatlas/klimaatlas_node.html" rel="noopener noreferrer">DWD Deutscher Klimaatlas</a>.
Eistage in Deutschland nach dem Mittel 1961-1990 von 1881-2018 (links) sowie die prognostizierte Entwicklung bis 2100 (rechts). Man kann davon ausgehen, dass die Entwicklung durch Kipppunkte noch deutlich drastischer verlaufen wird. © DWD Deutscher Klimaatlas.

Was bedeutet das für den Winter 2019/20? Dass allein die Klimaktastrophe dafür sorgen kann, dass der Winter 2019/20 trotz aller günstigen Restfaktoren ein Reinfall werden kann. Traurig aber wahr.
Dies soll auch kein Hintertürchen sein, mit dem ich einen Fehlschlag der eigenen Prognose absichern will - es ist letztlich einfach eine auf Fakten basierende Tatsache. Allerdings müsste bei einem Fehlschlag die Fehlersuche dann erst beginnen: Welcher Faktor der Klimakatastrophe und warum und wann hat für ein Scheitern gesorgt?

So weit sind wir aber nicht! Ich gehe erst einmal davon aus, dass die Klimakatastrophe in diesem Winter 2019/20 angesichts der überwältigenden Kaltwinterfaktoren selbst dafür sorgt, dass es zu Kaltphasen kommt: Über zunehmende Warmings, sogar ein Major Warming, durch Rossbywellen nach einem geschwächten Polarwirbel und einen Waccy-Effekt. Vergessen wir nicht: Ohne die kältebegünstigenden Folgen der Klimakatastrophe gäbe es längst keinen Winter mehr, sondern homogene 10-20 Plusgrade über den gesamten Winter.

Dennoch ist klar, dass die erwärmenden Faktoren der Klimakatastrophe diesen Faktor natürlich dauerhaft zu einem klaren Mildwinterindiz prägen.

Und was nun? Wie wird der Winter 2019/20?

Wir haben uns nun alle Faktoren angesehen und festgestellt, dass es sich um eine Situation handelt, wie sie bestimmt seit 2010/11 nicht mehr zu verzeichnen gewesen ist.

Was steht uns für ein Winter 2019/20 bevor? Ein "Friesenwinter" mit Regen? (Gegen den ich gar nichts hätte - Hauptsache keine Südlage und keine Sonne!) ...
Was steht uns für ein Winter 2019/20 bevor? Ein "Friesenwinter" mit Regen? (Gegen den ich gar nichts hätte - Hauptsache keine Südlage und keine Sonne!) ...

Ich bin allerdings nach wie vor der Ansicht, dass es in Deutschland (eben wegen der Klimakatastrophe und ihrer wintermindernden Einflüsse) nie wieder einen Kaltwinter nach dem Mittel 1961-1990 geben wirdSo war der Winter 2015/16: Der Anfang vom Ende für alle zukünftigen Winter?

Selbst ein Normalwinter mit etwa 0,5 Grad zu warmem Gesamtmittel über die drei Wintermonate wäre eine Art Wunder. Und genau das wäre im besten Fall zu erwarten. Vergessen wir nicht: Auch der Kaltwinter 2010/11 war nicht durchgängig kalt*, sondern wies einen einzigen Kaltmonat Dezember 2009 auf, dann aber mit unglaublichen Werten. Der Kaltwinter 2009/10 war der letzte Kaltwinter, wo alle drei Wintermonate (leicht) zu kalt* waren und somit das Gesamtergebnis ebenfalls.

Dass wir uns vom Sonnenfleckenstand an einem identischen Punkt wie vor 10 Jahren (ich gehe davon aus, dass das Minimum aktuell erfolgt und nicht erst 2020 kommen wird) befinden, lässt die Hoffnungen weit nach oben schießen. Allerdings sind wir in den 10 Jahren Klimakatastrophe seit 2009/10 weiter in den Treibhausgasabgrund gerutscht, sodass wie gesagt ein Kaltwinter für mich außerhalb selbst der theoretischen Möglichkeiten liegt.

... oder doch nach 9 Jahren Wartezeit endlich wieder ein normaler Winter 2019/20 mit zumindest anständigen Kaltphasen?
... oder doch nach 9 Jahren Wartezeit endlich wieder ein Normalwinter mit zumindest anständigen Kaltphasen?

Eine konkrete Zahl zu nennen ist eigentlich wahnsinnig, denn die unvorhersehbaren Schwankungen kann man kaum in dieser Konkretisierung berechnen, selbst ein Supercomputer nicht. Wenn ich eine Bandbreite nennen müsste, dann würde ich sagen, der Winter 2019/20 endet insgesamt zwischen +0,5 Grad und +1,5 Grad Celsius Anomalie und das wäre im Vergleich zum letzten Winter mit seinen +2,6 Grad Abweichung schon eine deftige Überraschung mit einigen implizierten Kaltphasen.

Wie ich mir die Einzelmonate ausmale - und da ist ein gehöriger Schuss Hypothesenfantasie dabei - werde ich im abschließenden Teil IV beschreiben und die Winterprognose damit noch einmal zusammenfassen zu einem Gesamtbild.




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