Winterprognose 2019/20 von Dr. Judah Cohen (AER)

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AER/Dr. Cohen sehen zumindest einen Winter mit offensichtlichen Kaltphasen - allerdings ist es nicht ganz so optimistisch, wie die Karte auf den ersten Blick vermuten lässt. © AER, Dr. Judah Cohen.
AER/Dr. Cohen sehen zumindest einen Winter mit offensichtlichen Kaltphasen - allerdings ist es nicht ganz so optimistisch, wie die Karte auf den ersten Blick vermuten lässt. © AER, Dr. Judah Cohen.

Die letzte aller Winterprognosen, endlich!
Und das ist nicht qualitativ gemeint, sondern nur zeitlich 😉 Ganz im Gegenteil verfügt Dr. Judah Cohen vom US-amerikanischen AER-Institut nicht nur über spezialisierte Computersoftware, sondern auch über viele Jahre Erfahrung und dies schlägt sich immer mehr in seinen Winterprognosen nieder. Da kann man mal sehen, was Lernen aus Fehlern, Selbstreflektion und stetige Verbesserung bewirken können. Die Prognose ist im Rahmen von Dr. Judah Cohens Blog erschienen: hier.

Die Prognosekarte

Ein Supermildwinter Deutschland 2019/20? Fehlanzeige. Sibirien als gewaltiger Kühlschrank - diese Prognose ist alles andere als zu erwartende Mildnormalität und ziemlich mutig! © AER, Dr. Judah Cohen.
Ein Supermildwinter Deutschland 2019/20? Fehlanzeige. Sibirien als gewaltiger Kühlschrank - diese Prognose ist alles andere als zu erwartende Mildnormalität und ziemlich mutig! © AER, Dr. Judah Cohen.

Dr. Cohen beschränkt seine Prognose auf die berechnete Karte. Das ist zum einen nachvollziehbar, da die dargestellten Daten die gesamte Nordhemisphäre umfassen.
Zum anderen allerdings erfahren wir so nicht, wie die spezifische Situation in Deutschland aussieht und auch nicht, wie die einzelnen Monate verlaufen. Dies erfolgt im Rahmen seiner Blogartikel und den dortigen 30-Tages-Prognosen.

Was geben die Daten her?
Für Deutschland ergibt sich über die drei Wintermonate Dezember 2019, Januar 2020 und Februar 2020 eine gemittelte Temperaturanomalie von 0 Grad.
Auf Nachfrage von mir bestätigte Dr. Cohen, dass das verwendete Mittel 1981-2010 ist. Somit müssen wir zu 1961-1990 und halbwegs normalen Klimazeiten rund 1 Grad dazurechnen (vgl. Zeitreihe der Lufttemperaturen in Deutschland).
Die tatsächliche Anomalie zu 1961-1990 liegt also laut der AER-Prognose für Deutschland bei grob +1.0 Grad.

Damit unterscheidet sich auch die klimatische und Polarwirbelanomalien berücksichtigende AER-Prognose von den Supermildvarianten der dynamischen (meteorologischen) Modelle. Und sie liegt im Rahmen meiner eigenen Prognose und angenommenen +0.5 (best Case) bis +1.8 Grad (worst case) Anomalie.

Bereit für den Winter 2019/20? Und wehe, Sie kaufen tierquälerisches Streusalz!! Sie sehen nichts? Dann: Hinweis.

Detailliertere Spekulationen

Was können wir aus der AER-Karte noch herauslesen?
Erstaunlicherweise sieht Dr. Cohen bzw. seine Software das größte Kältepotential nicht etwa wie üblich in den östlichen USA und Kanada, sondern in Sibirien!

Das ist eigentlich günstig für uns, denn wenn eine Ostlage einträte, würde das immense Kaltluftpotential von Sibirien nach Deutschland geführt.
Allerdings deutet wenig auf Ostlagen in diesem Winter, sondern vermehrt auf Nordlagen, sodass wir das seltene Kaltgeschenk quasi verstreichen lassen (allerdings sind Ostlagenwinter knochentrockene sonnenverseuchte Angelegenheit, sodass ich nicht traurig darum bin).

Ansonsten fällt noch auf, dass Skandinavien das kälteste Land in Europa werden wird gemäß dieser Prognose. Ob sich dies über Troglagen ergibt, die sich teilweise auch nach Deutschland erstrecken und so einen (ab den Mittelgebirgen) schneereichen Nordlagenwinter bringen, ist bereits eine sehr gewagte Schlußfolgerung.

Alles in allem wird mit der AER-Prognose bestätigt, dass die klimatischen Prognosen, die den Polarwirbel berücksichtigen, zu einem Normalwinter mit Kaltphasen tendieren, während die meteorologisch-dynamischen Modelle ohne die Berücksichtigung des Polarwirbelzustandes einen Mild- oder sogar Supermildwinter sehen.

Möglicherweise rekordfrühes Warming, auch in dieser Stärke im Dezember 2019, das unglaublich lange besteht. Sollte das eintreffen, erhöhen sich die Kaltphasenchancen beträchtlich, auch wenn es nur ein Minor Warming sein wird. © Meteociel.fr.
Möglicherweise rekordfrühes Warming, auch in dieser Stärke im Dezember 2019, das unglaublich lange besteht. Sollte das eintreffen, erhöhen sich die Kaltphasenchancen beträchtlich, auch wenn es nur ein Minor Warming sein wird. © Meteociel.fr.

Der Winter 2019/20 wird somit auch ein Urteil darüber fällen, welche Prognoserichtung mehr Sinn machen wird. Angesichts der Tatsache, dass ein massives Warming kurz bevor steht und sich mindestens bis zur Mitte des Monats erstrecken wird (was unglaublich früh ist und in der Stärke geradezu erschreckend) würde ich darauf tippen, dass die meteorologischen Modelle sich grandios blamieren werden. Aber noch haben wir keinen Winter und das letzte Wort ist nicht gesprochen.

Was meine eigene Prognose angeht, so habe ich zwar einen zu warmen Dezember 2019 angenommen aber auch 1-2 Kaltphase. Die erste kleine erfolgt bereits in den kommenden Tagen und somit liegt meine Prognose bisher voll auf Spur.
Ich hoffe für uns alle, dass entgegen der ungünstigen geografischen Voraussetzungen von Deutschland alle Glückskausalitäten einmal brachial zusammen kommen und uns einen Hammerwinter 2019/20 bescheren mögen entgegen aller Prognosen - auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür astronomisch gering ist (ich schätze mal unter 1%).

Gesammelte Winterprognosen 2019/20
Kaltwetter.de Teil 1: Winterprognose 2019/20 Teil I: QBO und ENSO
Kaltwetter.de Teil 2: Winterprognose 2019/20 Teil II: Meereis, Schneedecke und Nordatlantik
Kaltwetter.de Teil 3: Winterprognose 2019/20 Teil III: Sonne, AO, Waccy und Treibhausgase
Kaltwetter.de Teil 4: Winterprognose 2019/20 Teil IV: Wann kommen die Kaltphasen?
AccuWeather: Die Prognose von Accuweather zum Winter 2019/20
DWD: Prognose des DWD zum Winter 2019/20
Stratobserve.com: Winterprognose 2019/20 von Zachary Lawrence (stratobserve.com)




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