Winterprognose 2019/20 von Zachary Lawrence (stratobserve.com)

5
171
Die Winterprognose 2019/20 von Zachary Lawrence prognostiziert nicht etwa milde, regenreiche Westdrift, wie man aus der Druckverteilung schließen könnte, sondern einen Troglagenwinter mit viel Schnee ab Mitte Januar. © Zachary Lawrence.
Die Winterprognose 2019/20 von Zachary Lawrence prognostiziert nicht etwa milde, regenreiche Westdrift, wie man aus der Druckverteilung schließen könnte, sondern einen Troglagenwinter mit viel Schnee ab Mitte Januar. © Zachary Lawrence.

Der Krieg der Prognosesysteme zwischen dynamischen meteorologischen Modellen und den klimatologischen Analysen geht in die nächste Runde!

Kaltwetter.de-User Cube hat dabei den Blog von Zachary Lawrence aufgetan, dem Betreiber der hervorragenden Analyseseite zur Stratosphäre namens stratobserve.com (ein täglicher Besuch im Herbst* und Winter lohnt sich dort immer, allein um die Warmings zu prognostizieren!). Danke für den Link und Hinweis im Regenwetter-Forum.

Ich hatte anlässlich der DWD-Winterprognose grundlegend vorgestellt, dass sich bei der Winterprognose die Analysten in 2 Kategorien aufspalten: Meteorologen vertrauen auf dynamischen Wettermodellen, basierend auf Supercomputern, die aber keine Warmings (was ist das?) berechnen können.
Klimatologen analysieren hingegen die Rahmenfaktoren des Winters und kommen zumindest in diesem Winter zu völlig anderen Prognoseergebnissen.

Zachary Lawrence gehört zu letzteren und insofern ist es interessant zu sehen, inwiefern sich seine Prognose von meiner angesichts der verwendeten gleichen Systematik unterscheidet.

Link zur Prognose: European Winter Outlook 2019-20.
Twitterprofil von Zachary Lawrence: @longrangesnow.

Auch Hunde freuen sich über Winter. Viele Accessoires sind Schwachsinn, aber diese hier sind absolut sinnvoll (Streusalz ist grausam für Hundepfoten! Mantel benötigen nur alte oder kranke Hunde, andere NICHT!) Sie sehen nichts? Dann: Hinweis.

Kernaussagen der Winterprognose 2019/20 (Lawrence)

Charakter des Winters 2019/20

Basierend auf vielen gleichen Faktoren wie meine eigene Prognose geht auch Z. Lawrence von einem Winter 2019/20 mit einer größtenteils negativen Nordatlantischen Oszillation (NAO) aus - zu der Erläuterungen der Fachbegriffe und einzelnen Faktoren siehe meine entsprechende Winterprognose (Links gesammelt unten am Ende des Artikels).

So wie am 24.01.2018 sehen die meteorologischen (dynamischen) Wettercomputer den Winter 2019/20: Westdrift bringt mit sogar leicht südwestlicher Anströmung milde, feuchte Witterung und damit Nichtwinter. © Archiv Wetterzentrale.de.
So wie am 24.01.2018 sehen die meteorologischen (dynamischen) Wettercomputer den Winter 2019/20: Westdrift bringt mit sogar leicht südwestlicher Anströmung milde, feuchte Witterung und damit Nichtwinter. © Archiv Wetterzentrale.de.

Dies bedeutet sehr gute Kaltwinterchancen, da die negative NAO zu 100% mit europäischen Kaltwintern korreliert und zwar in der Hinsicht, dass jeder Kaltwinter in Europa eine negative NAO hatte - allerdings nicht jede negative NAO automatisch zu einem Kaltwinter führte, sondern auch zu Mildwintern.

Im krassen Unterschied zu den meteorologischen Prognosemodellen mit milder, regenreicher Westdrift sieht Z. Lawrence einen idealen Troglagenwinter. Insofern darf man das Bild der Druckverteilung bei Lawrence nicht fehlinterpretieren, denn es deckt sich nahezu mit den meteorologischen Prognosen, aber aus völlig anderen Gründen: Wo die Meteos einen Tiefdruckwinter mit Regen vom Atlantik sehen, nimmt Lawrence einen Troglagenwinter (also ebenfalls Tiefdruck) an mit arktischer Luft von Norden mit (regional unterschiedlichem) Schnee*.

So etwas erwarten Z. Lawrence und Kaltwetter im Februar 2020: Perfekte Troglage, leicht nach Osten verschoben, sodass die arktische Kaltluftheiligkeit gegen den Uhrzeigersinn Deutschland fluten kann. © Archiv Wetterzentrale.de.
So etwas wie am 10. Dezember 2010 erwarten Z. Lawrence und Kaltwetter im Februar 2020: Perfekte Troglage, leicht nach Osten verschoben, sodass die arktische Kaltluftheiligkeit gegen den Uhrzeigersinn Deutschland fluten kann. © Archiv Wetterzentrale.de.

Grundlage dafür sei ein Grönlandhoch, das klassisch als Blockade der Westdrift dient und in Europa Kaltphasen produziert.
Lawrence sieht hier also keinen Ostlagenwinter mit trockener Kälte, sondern einen wie ich finde perfekten Troglagenwinter ohne blendende Sonne*, mit viel Schnee* und "Arctic Outbreaks".

Der Nachteil dieses Szenarios ist zweifellos, wie viel Winter im Flachland ankommen würde. Denn nördliche Troglagen sind wärmer als knochentrockene Ostlagen. Für die Mittelgebirge und die Alpen wäre es zumindest ein garantierter Traumwinter, wenn dieses Szenario wahr würde. Wobei der Alpenraum weniger von der NAO beeinflusst wird und ein spezielles Gebiet darstellt (siehe meine Winterprognose Teil 3 Unterpunkt Sonnenfleckenminimum).

Zeitpunkt der Kaltphasen

Genau wie in meiner Winterprognose sieht nach Analyse der klimatischen Rahmenfaktoren Z. Lawrence den Dezember als normal bis leicht zu mild und den eigentlichen Winter beginnend ab Mitte Januar 2020.
Vor allem der Februar 2020 sollte theoretisch der kälteste Monat werden.

Grundlage dieser Annahme ist das Auftreten von Warmings ab Januar 2020, die sich Ende Januar 2020 und im Februar massiv auswirken werden.

Kurze Erinnerung: Warmings transportieren Wärme* vom Boden (Troposphäre) bis hoch zum Polarwirbel, schwächen diesen und führen zu veränderten Wetterlagenbedingungen mit im günstigen Fall perfekt liegenden Troglagen, die arktische Luft aus Norden zu uns führen, während sie andernfalls bei einem stabilen Polarwirbel vor uns weggeschlossen sind und wir in milder, regnerischer Westdrift vom Atlantik liegen würden - was die meteorologischen Modelle nahezu einheitlich annehmen.

Winterzeit - Kuschelzeit! Sie sehen nichts? Dann: Hinweis.

Lawrence gibt Antworten auf Kaltwetter.de's offene Fragen!

Zachary Lawrence Analyse ist insofern äußerst interessant, weil sie einige Fragen beantwortet, die in meiner Winteranalyse noch offen bzw. strittig waren.

QBO

Dazu gehört die QBO. Da der Wechsel von West nach Ostphase im Gang ist, aber die Ostphase nur in der oberen Stratosphäre vorherrschend ist, war mir nicht klar, ob dieser günstige Umstand sich wirklich begünstigend auf den Winter auswirkt.
Z. Lawrence bestätigt hier meine Vermutung, dass die QBO-Ostphase in der oberen Stratosphäre in der Tat zu einer negativen NAO führt.
Zwar führt er den Warmingaspekt nicht explizit an, aber ich gehe davon aus, dass auch hier kein negativer Einfluss wie im Vorjahr anzunehmen ist, als die Westphase die Warmings quasi "abwürgte".

ENSO

ENSO, also El Nino oder La Nina sieht Zachary Lawrence anders als ich mit einem minimalen El Nino.
Seltsamerweise schließt er daraus eine Troglage, ganz anders als die Auswertungen der El Nino-Winter zeigen.
Noch seltsamer ist, dass die dargestellte Karte gar keine Troglagen zeigt, sondern eine glasklare kalte Ostlage.
Ich selbst bleibe daher bei meiner Ansicht, dass El Nino (a) nach einer konservativeren Definition überhaupt nicht vorhanden ist, (b) solche geringen Werte für Europa absolut gar keine Relevanz haben.

Sonne und Sonnenflecken

Äußerst spannend ist die Darstellung der Sonnenflecken bei Z. Lawrence: Der Verlauf zeigt die Lösung der entscheidenden Frage, ob wir uns nun im Sonnenfleckenminimum befinden oder nicht.
Nach dieser Darstellung befinden wir uns aktuell bereits im Minimum und der Winter 2019/20 liegt direkt im Anschluss danach (und somit bereits im Sonnenfleckenzyklus 25).

Aktueller Sonnenfleckenzyklus 24 mit Prognose des möglichen weiteren Verlaufs (rot gestrichelt). Beide Varianten zeigen, dass wir im Winter 2019/20 bereits das Minimum überschritten haben. © Zachary Lawrence.
Aktueller Sonnenfleckenzyklus 24 mit Prognose des möglichen weiteren Verlaufs (rot gestrichelt). Beide Varianten zeigen, dass wir im Winter 2019/20 bereits das Minimum überschritten haben. © Zachary Lawrence.

Warum ist das wichtig? Weil die Winter IM und VOR dem Minimum immer Mildwinter waren, die 2 Winter NACH dem Minimum aber hohe Kaltwinterchancen aufweisen (oder heute: massive Kaltphasen ohne dass der Gesamtwinter ein Kaltwinter nach 1961-1990 wird, denn das gibt es nicht mehr).

Interessant: In der Darstellung bei Lawrence zeigen beide Varianten des weiteren (nun ansteigenden) Sonnenfleckenverlaufs, dass das Minimum definitiv VOR dem Winter 2019/20 liegt und somit von der Theorie her die Kaltwinterchancen voll zu Buche schlagen.

Fazit

Die klimatologischen Prognosemodelle deuten in die eigentlich wenig wahrscheinliche Kaltwintervariante, zumindest teilweise.
Auch Zachary Lawrence kommt zum gleichen Schluss. Angesichts der bisherigen Prognosen darf man auf diesen Winter 2019/20 auch aus prognosetechnischer Sicht gespannt sein: Wird es einen richtig guten Winter ab Mitte Januar bis Februar (und möglicherweise darüber hinaus) geben, dann haben sich die klimatologischen Prognosen und das menschliche Gehirn als dem Supercomputer (noch) überlegen bewiesen.

Kommt es zum Supermildwinter, dann wird man sich wohl auf entweder ewige Mildwinter durch die Klimakatastrophe einrichten oder aber auf den Faktor meteorologischer Zufall stürzen müssen, der aber aus gleichen Gründen auch immer geringer wird, was das Eintreffen eines "echten" Winters angeht.

Artikel
• Kaltwetter.de Winterprognose Teil 1: Winterprognose 2019/20 Teil I: QBO und ENSO.
• Kaltwetter.de Winterprognose Teil 2: Winterprognose 2019/20 Teil II: Meereis, Schneedecke und Nordatlantik.
• Kaltwetter.de Winterprognose Teil 3: Winterprognose 2019/20 Teil III: Sonne, AO, Waccy und Treibhausgase.
• Kaltwetter.de Winterprognose Teil 4: Winterprognose 2019/20 Teil IV: Wann kommen die Kaltphasen?
• Accuweather Winterprognose: Die Prognose von Accuweather zum Winter 2019/20.
• DWD Winterprognose: Prognose des DWD zum Winter 2019/20.




Haben Sie Informationen, Erkenntnisse oder Gefühle beim Lesen mitgenommen? Dann würde ich mich nach dem Nehmen über ein Geben sehr freuen. Danke!